Die Weihnachtszeit ist spielfrei für die Basketballtalente des TSV Breitengüßbach, die in der Jugend-Bundesliga JBBL auf Korbjagd gehen. Gelegenheit, an etwas anderes zu denken. Ergebnis: Trainer Mirko Petrick und sein Team besuchten die Justizvollzugsanstalt (JVA) Ebrach, in der Jugendliche einsitzen. Im Mittelpunkt des Treffens stand ein Spiel gegen die Basketballer der JVA.

Schon öfter waren Trainer oder auch einzelne Spieler für Trainingseinheiten hinter den geschlossenen Türen in Ebrach, doch dieses Mal wollten alle 32 Breitengüßbacher U15- und U16-Basketballer mit. Die Ebracher Basketballer sahen das Spiel als Privileg an, waren motiviert, feierten jede gelungene Aktion gegen das JBBL-Team, das in Blöcken alle zwei Minuten wechselte. Die JVA-Korbjäger siegten verdient, wenngleich knapp, und machten sich so selbst ein kleines Weihnachtsgeschenk.

Die Brose-Talente sammelten wichtige Erfahrungen, es ging ihnen aber zuerst darum, Gutes zu tun. Dies wurde vor allem nach dem Match deutlich, als die jungen Sträflinge bei einer gemeinsamen Brotzeit von sich erzählten, von gemachten Fehlern, von Kameradschaft oder dem harten Leben hinter Gittern. Gut gemeinte Tipps an die JBBL-Spieler waren dabei und hatte auch mit der Einstellung zur Schule zu tun. Ein Großteil der JVA-Insassen sitzt länger in Ebrach, holt die Schule nach, macht eine Ausbildung und versucht, einen neuen Weg einzuschlagen.

Bis zum Abend dabei

Nach der Brotzeit ging es in die Zellen. Bis in den Abend hinein konnten die Breitengüßbacher beim Freigang dabei sein, sich auch mit anderen Häftlingen unterhalten, die Enge der Zellen respektvoll betrachten und so auch erleben, was Freiheitsentzug bedeutet. Die Petrick-Schützlinge waren froh, nach 21 Uhr wieder auf freiem Fuß zu sein - doch die Eindrücke bleiben.

Die jungen Basketballer blicken zurück. Jan Rüttinger sagt: "Einen bleibenden Eindruck hat das Gespräch nach dem Spiel mit den Gefangenen hinterlassen. Besonders hat mich ihre offene Art, wie sie über ihre Vergangenheit gesprochen haben, beeindruckt." Oliver Gonnert: "Für mich ist es unvorstellbar, in so einer winzigen Zelle zu wohnen."

Das sagen die Basketballer

Ludwig Ueberall meint: "Mit einer solchen Gastfreundschaft würde wohl keiner rechnen, wenn er in den Knast geht. Es war sehr beeindruckend, Inhaftierte kennen zu lernen und zu merken, dass auch sie normale Menschen sind, die halt Mist gebaut haben, aber zu ihren Verbrechen stehen, was mich am meisten verwundert hat." Jacob Fersch: "Ich denke, dass sie das Spiel nicht bloß als Abwechslung gesehen haben, bei der sie ein bisschen Spaß haben können, sondern sie wollten von Anfang an gewinnen. Ich war auch überrascht, wie offen sie von sich erzählt und sich mit uns unterhalten haben. Ich hatte irgendwie erwartet, dass sie reservierter sein würden."

Jan Hilbert: "Ich fand es sehr interessant, dass, wenn man ausblendet, was sie getan haben, einem bewusst wird, dass das ganz normale und nette Typen sind. Außerdem hat mich beeindruckt, wie sie wie Kumpels miteinander umgehen und zusammenhalten." Axel Mees erklärt: "Ich hatte nicht gedacht, dass die Gefangen in so kleinen Zellen leben und kaum Zeit für eigene Interessen haben. Manchen hätte ich nicht zugetraut, dass sie im Gefängnis sitzen." Marcel Büttner: "Ich bin positiv überrascht von der freundlichen Begegnung." Sven Lorber: "Wir haben erfahren, wie lang und oft man da arbeiten muss und wie wenig freie Zeit die Gefangenen haben." Coach Petrick: "Es ging zunächst nur um Basketball, und so gehört es sich auch. Einfache Dinge, die Berge versetzen können. Für unsere jungen Leute war das ein lehrreicher Abend."