Roland Strohmer, Trainer des SV Zapfendorf (Kreisliga Bamberg)

"Mir war klar, dass Löw nicht entlassen wird. Dafür ist beim DFB keiner Manns genug. Er hätte aber gehen müssen, weil kein Fortschritt zu sehen ist und sich nichts geändert hat. Was ich aber am Schlimmsten finde: Er kann nicht über seinen Schatten springen und Fehler korrigieren. Boateng, Hummels und Müller hätte er schon längst wieder nominieren müssen. Es ist zwar gut, auf junge Spieler zu setzen und den Neuaufbau zu gestalten, aber ohne die Erfahrung gestandener Spieler geht es nicht. Und: Es muss auch das Leistungsprinzip gelten - aber das ist nicht mehr gegeben.

Unabhängig vom Ausgang der Europameisterschaft im kommenden Jahr muss danach Schluss sein. Er hat zwar Vertrag bis 2022, aber ich denke, dass er dann von selbst gehen wird. Jürgen Klopp und Hansi Flick wären meine Wunschlösungen, aber beide haben in Liverpool beziehungsweise München langfristige Verträge."the

Christian Dreßel, Spieler beim TSV Meeder (Kreisliga 1 Coburg)

"Ich finde die Entscheidung falsch. Für Löw ist meiner Meinung nach das Ende der Fahnenstange erreicht. Natürlich darf man nicht außer Acht lassen, wie erfolgreich er war. Doch mittlerweile ist die Idee "Löw" überholt und nicht mehr zeitgemäß. Deshalb habe ich für die aktuelle Entwicklung kein Verständnis. Ich befürchte, dass die anstehende EM im nächsten Fiasko endet, es hätte dringend ein Neustart hergemusst - und zwar ohne Löw.

Er hatte seine Chance nach der WM in Russland und ließ sie ungenutzt. Die ernüchternden Auftritte in der Nations League und in den Testspielen sind das eine. Die fehlende Größe Löws, sich einen Fehler einzugestehen, steht auf einem anderen Papier und schadet der Nationalelf. Die Debatte um Müller, Boateng und Hummels muss trotzdem geführt werden. An den Dreien zeigt sich, dass das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt ist. Der DFB steht am Scheideweg, hat die Ära Löw aber leider nicht beendet. Schade!"oph

Johannes Fischer, Spielertrainer des TSV Staffelstein (Kreisliga 1 Coburg)

"Jogi Löw hat große Verdienste um den deutschen Fußball. Aber für jeden Trainer ist einmal der Zeitpunkt gekommen zu gehen. Ich bin ganz klar der Meinung, dass man sich von Löw als Bundestrainer hätte trennen sollen, wenn er das nicht aus freien Stücken tut. Es ist prinzipiell richtig, junge Spieler einzubauen. Aber man merkt nicht, dass es mit der aktuellen Strategie vorangeht.

Dass Spieler wie Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller aussortiert wurden, ist nicht mehr nachvollziehbar. Sie hatten eine schlechte Phase, aber sind mittlerweile wieder auf ihrem früheren Niveau. Sie hätten diese Mannschaft bei der kommenden Europameisterschaft führen können. Aus freien Stücken wird Löw diese Entscheidung jedoch nicht rückgängig machen und ich befürchte, wir verschenken erneut ein großes Turnier. Am Ende könnte durch diese Entscheidung Fußball-Deutschland der große Verlierer sein."the

Mario Ramming, Spieler beim VfB Kulmbach (Kreisklasse 4 Kulmbach)

"Grundsätzlich finde ich es gut, dass der DFB langfristig denkt. Ich halte es auch für richtig, mit Löw weiterzumachen. Wenn es eine Veränderung hätte geben sollen, wäre nach dem Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft 2018 der richtige Zeitpunkt gewesen. Aber in der jetzigen Phase, ein knappes halbes Jahr vor der Europameisterschaft, wäre es die falsche Entscheidung gewesen, sich von ihm zu trennen. Natürlich waren die vergangenen Spiele schwach. Aber das hat es früher in Testspielen auch immer gegeben und die Turniere waren dann meist erfolgreich. Nach der EM sollte aber ein Schlussstrich gezogen werden - egal, wie es ausgeht. the

Kommentar: Nicht Löw, sondern das Personal ist das Problem

Christian Brandt, Spielertrainer des SCR Steinbach (Kreisklasse 4 Kronach)

"Für mich ist es die falsche Entscheidung, dass der DFB an Joachim Löw festhält. Die Erfolge, die Löw in den vergangenen Jahren mit der Nationalmannschaft erzielt hat, sind zwar gut gewesen, aber seine Zeit ist nun rum. Seit Mats Hummels von Borussia Dortmund und Thomas Müller und Jerome Boateng von Bayern München ausgemustert wurden, sind die Entscheidungen des Bundestrainers nicht mehr nachvollziehbar. Zudem sitzen zu viele Spieler, die bei ihren Klubs eine ordentliche Leistung zeigen, bei der Nationalmannschaft auf der Bank. Vielleicht sind sie zu oft anderer Meinung als Löw. Wissen kann ich das nicht, aber es wirkt zumindest so auf mich."pia

Udo Prell, Trainer des BSC Erlangen (Kreisklasse 1 ER/PEG)

"Wenn sofort ein Nachfolger zur Verfügung stünde und dieser mehr Zeit hätte, wäre ich für einen Trainerwechsel. Mir fällt spontan aber nur Ralf Rangnick ein. Manche wollen den eigentlich begehrten Job zu diesem Zeitpunkt möglicherweise gar nicht, weil sie auf die Schnelle nicht viel ändern und somit nur verlieren können. Das schreckt ab. Insofern ist es vielleicht die beste Lösung, dass Jogi Löw die EM noch über die Bühne bringt. Danach muss aber ein Schnitt her. Aus meiner Sicht müssen immer die Besten spielen, auch in einem Freundschaftsspiel. Löw hat es mit seinen Debütanten übertrieben. Wenn auch die EM in die Hose geht, ist sein Ruf beschädigt."rup