Von heute an absolvieren die Mannschaften der Fußball-Kreisliga Bamberg nach langer Pause ihre ersten Pflichtspiele - allerdings nicht im Ligabetrieb, sondern in dem aufgrund der Corona-Zwangspause neu geschaffenen Ligapokal des Bayerischen Fußball-Verbands. "Mit dem Ligapokal wollen wir den Vereinen neben den Restspielen in der regulären Saison noch zusätzliche Wettkampfspiele anbieten. Bei der Einteilung der Mannschaften in die jeweiligen Gruppen haben wir auf Regionalität - sprich Derbys - gesetzt, um attraktiv die fußballlose Zeit zu beenden. Die Vereine haben diesen neuen Wettbewerb sehr gut angenommen", sagt Kreisspielleiter Manfred Neumeister (Hollfeld).

Wir haben uns vor dem Gastspiel des SV Dörfleins beim SC Kemmern am Sonntag (16 Uhr) mit den Abteilungsleitern beider Vereine über die Wiederaufnahme der Saison und die damit verbundenen Herausforderungen unterhalten.

Nach gut zehn Monaten Zwangspause: Wie groß ist die Vorfreude auf das erste Pflichtspiel?

Karl Hümmer (Abteilungsleiter SV Dörfleins): Die Freude in Dörfleins ist definitiv groß! Die Jungs fiebern seit der Wiederaufnahme des Trainings dem ersten Pflichtspiel entgegen. Zwar ist die Vorbereitung, wie sie in den momentanen Zeiten möglich ist, nicht das Wahre, doch das Feuer in der Mannschaft ist auf jeden Fall da.

Markus Plaha (Abteilungsleiter SC Kemmern): Bei unseren Spielern steigt die Vorfreude auf Sonntag, alle sind heiß auf das erste Spiel. Uns im Verein beschäftigt die Ungewissheit bezüglich des Hygienekonzepts, das wird ein großer Aufwand.

Wie hat sich die Mannschaft seit Beginn der Unterbrechung im März personell verändert?

Hümmer: Im Vergleich zum ursprünglich geplanten Auftakt der Restrückrunde haben wir zwei Spieler ziehen lassen müssen: Neben Damian Suszczynski, der fortan mit dem FC Strullendorf einen Konkurrenten im Abstiegskampf verstärkt, haben wir auch unser Talent Pascal Rückel an die SpVgg Ebing verloren. Als eine künftige Verstärkung der ersten Mannschaft hatten wir große Hoffnungen in ihn gesetzt. Jedoch können wir auf die Dienste unserer beruflich bedingten Rückkehrer Domenique Will und Grischa Deusel setzen.

Plaha: Abgänge hatten wir keine zu verzeichnen, können jedoch bis zum Ende der Spielzeit zusätzlich noch auf Sandro Riedl sowie Johannes Popp zurückgreifen, der mit uns letzte Saison den Aufstieg in die Kreisliga feierte und nach seinem Engagement als Co-Trainer in Röbersdorf nun zu uns zurückkehrt.

Wie sah die Vorbereitung für die Wiederaufnahme der Saison in den letzten Wochen aus?

Hümmer: Zu Beginn war ja nur das Trainieren in Kleingruppen erlaubt, was natürlich nicht optimal war. Seit gut einem Monat haben wir zwei Trainingseinheiten pro Woche, in denen dann sowohl die erste als auch die zweite Mannschaft zusammen auf dem Platz stehen. Das wird von unseren Spielern super angenommen. Die Vorbereitungsspiele hingegen verliefen nicht sehr erfolgreich. Da wir jedoch zu allen Partien absagebedingt nur mit der halben Truppe auflaufen konnten, haben diese keine allzu große Aussagekraft. Plaha: Wir haben direkt zum Trainingsauftakt die Intensität hochgehalten und im ersten Monat jede Woche drei Trainingseinheiten sowie einen Test absolviert. Anschließend haben wir das Pensum auf zwei Trainings die Woche heruntergefahren. Unsere Vorbereitungsspiele verliefen gemischt, insgesamt können wir aber unter Berücksichtigung der langen Pause mit diesen zufrieden sein.

Zunächst steht der erste Spieltag im neu geschaffenen Ligapokal an. Was halten Sie von diesem neuen Wettbewerb?

Hümmer: Wir sehen den Ligapokal als eine prima Möglichkeit, uns im direkten Aufeinandertreffen mit starken Kreisliga-Kontrahenten weiter für den uns bevorstehenden Abstiegskampf in der Liga zu rüsten. Den Gewinn des Ligapokals, der für uns ja den automatischen Klassenerhalt in der Kreisliga bedeuten würde, halte ich ehrlich gesagt für unrealistisch. Hier fehlt uns eindeutig die Qualität, um in einer Gruppe mit Aufstiegskandidat SpVgg Stegaurach und einem personell verstärkten SC Kemmern mitmischen zu können.

Plaha: Zunächst möchte ich betonen, dass ich mit der Entscheidung des Bayerischen Fußball-Verbands zu hundert Prozent zufrieden bin. Dank dieser wurde mehr Flexibilität gewährleistet, da ja niemand genau wusste, wann es weitergeht. Den Ligapokal sehe ich mit seiner Chance, den Klassenverbleib beziehungsweise Aufstieg in die Bezirksliga zu feiern, als sehr reizvoll an - auch wenn wir in Kemmern uns nicht mit einem möglichen Gewinn des Pokals beschäftigen. Wir nehmen zwar jeden Gegner ernst, gehen jedoch ohne große Ziele in das Turnier.

Lassen sich die Hygienemaßnahmen für den Spielbetrieb problemlos umsetzen? Und wie sieht es hier für die Zuschauer aus?

Hümmer: Ohne Zuschauer hatten wir bislang keine großen Probleme bei der Umsetzung des Hygienekonzepts. Die Duschen und Kabinen werden nach jeder Benutzung ordnungsgemäß desinfiziert. Damit einher geht jedoch ein nicht zu vernachlässigender Kostenfaktor. Die Herausforderung mit Spielen vor Publikum wird für uns nun eine große: Wir müssen gewährleisten, dass die Zuschauer an allen Eingängen zur Sportanlage abgefangen werden, damit wir sie namentlich erfassen können. Das bedeutet einen großen Aufwand, den wir aber bei all den Ausgaben in letzter Zeit bereit sind einzugehen. Ich bin mir sicher, dass wir diese Ausnahmesituation mit unseren zahlreichen Helfern in Dörfleins meistern werden.

Plaha: Bislang hatten wir bei unseren Freundschaftsspielen mit einem geregelten Ein- und Ausgang ein plausibles Konzept aufgestellt. Mit dem Zuschauerandrang wird der Aufwand nun größer: Wir werden das gesamte Sportgelände absperren und Markierungen außerhalb des Spielfelds anbringen, an denen sich die Zuschauer während des Spiels aufhalten müssen. Um das stemmen zu können, brauchen wir am Sonntag gut zehn Helfer mehr, was dank der tatkräftigen Unterstützung unserer großen Fußballabteilung aber kein Problem darstellen sollte.

Der Ligapokal der Kreisligisten

Vorrunde (September/Oktober/November): Die jeweils besten beiden Mannschaften der vier Vierer-Gruppen qualifizieren sich für die Zwischenrunde.

Zwischenrunde (März/April 2021): Die jeweils besten beiden Mannschaften der zwei Vierer-Gruppen qualifizieren sich für das Teilkreis-Halbfinale.

Teilkreis-Halbfinale (Karsamstag 2021): Die vier Halbfinalisten ermitteln in insgesamt zwei Halbfinalspielen die beiden Teilkreis-Finalteilnehmer.

Teilkreis-Finale (Ostermontag 2021): Der Gewinner des Teilkreis-Finales wird in einer Partie ausgespielt und rückt in das Kreisfinale vor.

Kreisfinale (2. Mai 2021): Der Sieger des Teilkreis-Finales im Raum Bamberg trifft auf den Sieger aus dem Raum Bayreuth/Kulmbach. Der Ligapokalsieger steigt in die Bezirksliga Oberfranken auf bzw. sichert sich den Kreisliga-Verbleib.