Hallo Dartsgemeinde, was war das für ein verrückter Dienstag im Ally Pally! James Wade wirft einen Neun-Darter, Gabriel Clemens vergibt sieben Matchdarts und Michael van Gerwen zeigt, warum er der Beste der Welt ist. Dieser Tag hat alle Erwartungen übertroffen, auch wenn die Reise des "German Giant" leider endete.

Die Herausforderung war riesig

Krzysztof Ratajski hat verdient gewonnen. Er war auf die Dauer etwas konstanter als Gaga und hat die Doppel besser getroffen, da hat Gaga zu viele Chancen liegen gelassen. Das dramatische Finish passte dann zu diesem Spiel.

Man darf nicht vergessen, um wie viel es für beide ging: Neben 50 000 Pfund Preisgeld hätte Gaga durch einen Sieg weiter an Boden in der Weltrangliste gut gemacht. Er ist als Nummer 31 der Rangliste ins Turnier gegangen, aber nur die Top 16 der Welt sind für alle wichtigen Turniere direkt qualifiziert. Ratajski ist als 15. an der Grenze, hatte aber kaum Preisgeld zu verteidigen.

Somit ist er nicht nur der erste polnische Spieler im WM-Viertelfinale, sondern auch bei allen Majors direkt dabei. Wie schwer diese Last auf den Schultern war, hat man beiden Spielern angemerkt.

Dennoch darf Gaga stolz auf das Erreichte sein. Er hat Darts-Deutschland mitfiebern lassen und seinen größten Erfolg geschafft. Dass er sich im Anschluss an das Spiel trotz aller Enttäuschung den Medien stellte, ist ihm hoch anzurechnen. An seiner Stelle wäre ich vermutlich direkt ins Hotel gefahren. Hut ab!

Keiner ist wie van Gerwen

War das Ausscheiden von Clemens schon dramatisch, wurde es im Anschluss völlig verrückt. Trotz 19 perfekten Aufnahmen verlor Joe Cullen ein unglaubliches Match gegen Michael van Gerwen. Diese Leistung hätte Cullen wohl gegen jeden anderen Spieler zu einem lockeren Sieg gereicht. Aber MvG ist eben nicht wie die anderen: Als Cullen im letzten Leg Nerven zeigte, war "Mighty Mike" zur Stelle und hat das Aus verhindert. Diese Situationen nutzt nur van Gerwen so konstant. Es ist der Grund, weshalb van Gerwen diesen Sport seit Jahren dominiert.

Ein Wort noch zu James Wade: Es ist schon kurios, dass ausgerechnet er den ersten Neun-Darter bei der WM seit fünf Jahren wirft. Viel zu oft war Wade Zeuge, wie sein Gegner ihm das perfekte Spiel serviert. Phil Taylor tat es einst sogar zweimal in einem Match. Freuen konnte er sich nicht: Er hat das Match verloren und auch die 100 000 Pfund Prämie nicht eingestrichen. Die gibt's nämlich erst für zwei Neun-Darter in einem Weltmeisterschaftsturnier...

Der Erlanger Ricardo Pietreczko ist seit fünf Jahren Dartsprofi. 2017 gewann er Bronze beim WDF Darts World Cup in Japan. Während der WM schreibt der 26-Jährige exklusiv für diese Zeitung.