Shevon Thompson stand nach der Schlusssirene des Heimspiels gegen die Löwen Braunschweig deutlich länger auf dem Parkett der Brose-Arena als davor. Eine halbe Stunde lang warf der Neuzugang von Brose Bamberg aus der Nahdistanz auf den Korb oder übte nach Zuspiel von Athletiktrainer Enzo Neck typische Centerbewegungen. Nur 2:15 Minuten Einsatzzeit hatte der 2,14-Meter-Hüne beim 98:84-Heimerfolg gegen die Niedersachsen am vergangenen Sonntag bekommen.

Der zweite Neue im Team, Alex Ruoff, durfte zwar deutlich länger ran (13:12 Minuten), blieb aber ebenfalls ohne Korberfolg. Beide Neuzugänge werden aber am Mittwochabend (18.30 Uhr) im letzten Vorrundenspiel der Champions League gegen Fortitudo Bologna deutlich länger auf dem Feld stehen.

"Für die anderen im Team mag das Spiel vielleicht nicht so wichtig sein, für Shevon und mich ist es das aber schon. Es hilft uns, unsere Rolle in der Mannschaft zu finden", sagt Ruoff vor dem sechsten und letzten Spieltag in der Gruppe F, der für beide Mannschaften nur noch statistische Bedeutung hat. Die im internationalen Wettbewerb noch ungeschlagenen Bamberger stehen bekanntlich bereits als Gruppensieger fest, die Norditaliener haben als siegloses und abgeschlagenes Tabellen-Schlusslicht keine Chance mehr auf das Erreichen der Top-16-Runde.

Zwar sagt Johan Roijakkers: "Wir wollen das Spiel auf jeden Fall gewinnen." Der Brose-Trainer will aber auch seine Leistungsträger schonen. "Es ist eine Chance, den Spielern, die bislang weniger Minuten gesehen haben, die Möglichkeit zu geben, sich zu beweisen. Daher werden wir sicherlich ein bisschen mehr rotieren als gewöhnlich, ohne dabei aber den Fokus auf das große Ganze zu verlieren", erklärt der Niederländer. Neben den Neuzugängen Ruoff und Thompson werden daher auch Kenneth Ogbe, Joanic Grüttner Bacoul und Moritz Plescher mehr Minuten auf dem Feld bekommen als bisher.

Bislang enttäuschende Saison

Viel spricht für einen Bamberger Erfolg, denn Fortitudo Bologna enttäuschte bislang nicht nur in der Champions League , sondern auch in der heimischen Liga, in der die Norditaliener mit fünf Siegen und neun Niederlagen nur Drittletzter sind. Auch personelle Veränderungen brachten bislang nicht die Wende. Anfang Dezember wurde Trainer Mateo Sacchetti - in Personalunion auch italienischer Nationalcoach - durch Luca Dalmonte ersetzt.

Zudem bediente sich Fortitudo aus der "Konkursmasse" von Virtus Rom, das sich aus wirtschaftlichen Gründen zum Jahreswechsel aus der ersten Liga zurückgezogen hat. Aufbauspieler Tommaso Baldasso und US-Center Dario Hunt wechselten aus der Hauptstadt nach Bologna. Im gleichen Zeitraum musste Fortitudo aber mit Flügelspieler TreShaun Fletcher (nach Pistoia) und Center Ethan Happ (nach Sassari) auch zwei Spieler ziehen lassen, so dass die Gäste personell anders aufgestellt sind als bei der klaren 63:100-Niederlage gegen die Bamberger im Hinspiel. In dieser einseitigen Partie erwiesen sich nur Stefano Mancinelli (17 Punkte), Adrian Banks (14) und Mattia Polumbo (10) als korbgefährlich.

Zwangspause für Bologna

Während die Bamberger mit dem Heimerfolg gegen Braunschweig Selbstvertrauen tankten, war der Gegner zuletzt zur Untätigkeit verdammt. Vor zwei Wochen in der heimischen Liga spielfrei, wurde die für das vergangene Wochenende angesetzte Spiel in Varese wegen eines Corona-Falls beim Gegner abgesagt. In ihrer bislang letzten Begegnung verloren die Norditaliener am 12. Januar in der Champions League mit 65:78 gegen Pinar Karsiyaka. Mit einer Punktedifferenz von minus 97 sind sie übrigens das schlechteste Team im internationalen Wettbewerb .

Dennoch warnt Roijakkers: "Auch wenn Bologna aktuell unter seinen Möglichkeiten spielt, kann es jederzeit gefährlich werden. Das hat das Team bereits ein paar Mal in der italienischen Liga gezeigt. Daher müssen wir von Beginn an fokussiert und engagiert sein." Damit haben seine Spieler aber ab und zu Probleme . Auch gegen die Braunschweiger spielten sie erst in der zweiten Halbzeit mit dem nötigen Biss und belohnten sich mit dem Sieg.