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E-Sports in Franken: Kicken trotz Corona

Der Sport steht still? Nicht ganz! In der "eFootball League" des Bayerischen Fußballverbandes kann der Spielbetrieb trotz Kontaktverbot weiterlaufen.
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Krisensicherer Sport: Paul Klose hat die E-Sports-Mannschaft des FC Haarbrücken gegründet. privat
Krisensicherer Sport: Paul Klose hat die E-Sports-Mannschaft des FC Haarbrücken gegründet. privat
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Nach dem ersten Punktverlust der Saison gegen die SpVgg Hösbach-Bahnhof (5:5) rehabilitiert sich der FC Haarbrücken und kehrt mit einem 5:1-Sieg über Burgoberach in die Erfolgsspur zurück. Diese Nachricht stammt nicht aus der Zeit, bevor das Coronavirus die Sportwelt zum Erliegen brachte. Sie ist eine Meldung des vergangenen Wochenendes.

Während der Sport stillsteht, können E-Sports-Begeisterte trotz Ausgangsbeschränkungen und häuslicher Isolation weiter zocken. Zum Beispiel in der "eFootball-League" des Bayerischen Fußballverbandes (BFV), der wohl einzigen Bayernliga, die ihren Spielbetrieb nicht ausgesetzt hat. Anpfiff der virtuellen Liga war vor wenigen Wochen. 36 Vereine gehen in zwei Staffeln (Nord und Süd) an den Start. Mit dem FC Haarbrücken (Landkreis Coburg), der SG "Brüder am Forst" Roßdorf (Bamberg) und dem TV Ebern (Haßberge) sind drei Vereine aus dem Verbreitungsgebiet unserer Zeitung vertreten.

E-Sports als Zusatzangebot

Jugendleiter Thomas Görtler hat bei der SG Roßdorf die E-Sports-Mannschaft ins Leben gerufen. "Es ist schwer, Jugendliche zu motivieren. Unser Kerngedanke war, dass E-Sports eine gute Möglichkeit ist, den jungen Leuten eine Alternative zu bieten", erklärt Görtler, warum die SG für die Online-Bayernliga gemeldet hat. Der 27-Jährige wurde auf der Verbands-Homepage auf ein E-Sports-Turnier und das Projekt "eFootball-Liga" aufmerksam und fragte im Verein, wer die SG an der Playstation vertreten möchte. Denn um mitzuspielen, müssen die Akteure Vereinsmitglieder sein.

Der Roßdorfer Kader besteht aus drei Spielern im Alter zwischen 16 und 18 Jahren sowie "Routinier" Görtler. "Wenn Jüngere Interesse haben, dann räume ich aber gerne meinen Platz", sagt der 27-Jährige schmunzelnd. Ob die Corona-Krise auch Auswirkungen auf den E-Sports hat?

Görtler berichtet von manchem Interessenten, einen Zulauf hat der Roßdorfer noch nicht festgestellt. Aber: "Wir haben virtuell mehr Zuschauer als zuvor. Unsere Spiele werden zum Beispiel über Facetime verfolgt." Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus sorgen auch in Roßdorf für Änderungen an den Spieltagen. "Die zwei Spieler waren erst noch im gleichen Raum.

Mittlerweile spielt jeder bei sich", sagt Görtler. Und: "Wir wollten unsere Begegnungen im Anschluss an die Heimspiele im Sportheim austragen. Das wird jetzt erstmal nichts." Einzelne Highlight-Begegnungen sollten nach Plänen des BFV in den Vereinsheimen gespielt werden. In Zeiten der Corona-Pandemie sind diese Ideen hinfällig.

"Viele Vereine und Teilnehmer finden andere Wege, Freunde, Mitspieler und Interessierte teilhaben und mitfiebern zu lassen - zum Beispiel dadurch, dass die Duelle live gestreamt werden", sagt Fabian Frühwirth, Pressesprecher des BFV. Nach den ersten Wochen der Online-Bayernliga zieht der Verband ein positives Fazit: "Die Resonanz ist großartig. Für dieses komplett neue Format hatten wir in kürzester Zeit schon 50 Anwärter. Jetzt kommen Fragen, ob man nicht noch einsteigen könne beziehungsweise wann die nächste Saison losgeht."

Roßdorf noch ohne Punkt

Eine Partie besteht aus zwei Einzelspielen, die in der Simulation FIFA 20 ausgetragen werden. Die beiden Ergebnisse werden zu einem Gesamtergebnis addiert. Für die SG Roßdorf läuft es noch nicht, mit dem TV Ebern liegen die "Brüder am Forst" punktlos auf dem letzten Platz. "Wir spielen nur aus Spaß und haben nicht die größten Ambitionen. Es ist als weiteres Angebot des Vereins zu sehen", sagt Görtler. Etwa zwei bis drei Mal pro Woche würden sich die Roßdorfer am Abend verabreden und gegeneinander zocken. "Von richtigem Training kann man nicht sprechen."

Deutlich ambitionierter geht es beim FC Haarbrücken zu. "Wir trainieren jeden Tag mehrere Stunden", sagt Paul Klose, der die E-Sports-Mannschaft beim FC Haarbrücken initiiert hat. Zwischen vier und acht Stunden würden in der Corona-Krise täglich gespielt. Das hohe Trainingspensum macht sich bezahlt, der FCH belegt den dritten Platz. "Wir wollen unter den ersten zwei landen und uns für das Offline-Finale qualifizieren", sagt Klose. Die zwei Erstplatzierten der beiden Staffeln spielen um die Meisterschaft und um das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro. "Sollten wir gewinnen, würden wir das Geld dem Verein zukommen lassen." Für Haarbrücken spielen in der virtuellen Bayernliga vier Spieler im Alter zwischen 17 und 18 Jahren. "Mit meinem Kumpel Moritz habe ich immer wieder mal bei Turnieren gespielt und schon oberfränkische Meisterschaften gewonnen. Als wir auf das Projekt des BFV gestoßen sind, haben wir uns gedacht: Warum nicht dort mitspielen?", berichtet Klose. Beim Vorstand holte sich der Nachwuchs noch das Okay ein - und schon war der FC Haarbrücken in der Bayernliga vertreten.

Während in der realen Sportwelt die Bälle ruhen, kann virtuell ohne größere Einschränkungen gekickt werden. Nur Top-Spiele im Vereinsheim fallen aus. "Unser Spiel am Sonntag gegen Oettingen hätten wir gerne im Vereinsheim gespielt, aber das müssen wir verschieben." Klose hofft, dass sich bis zum Spiel gegen Tabellenführer Nürnberg am 15. Spieltag die Corona-Lage entspannt hat. Es könnte ein entscheidendes Spiel um die ersten beiden Plätze werden - und das soll im besten Fall vor Zuschauern im Haarbrückener Sportheim steigen.

BFV mit Zulauf in der Corona-Krise

In Zeiten, in denen die Ausbreitung des Coronavirus für Ausgangsbeschränkungen sorgt, boomt das Sportangebot im Internet. Karatekurse werden online übertragen, Profisportler zeigen ihren Fans ihr Workout im heimischen Wohnzimmer. Einen regelrechten Hype hat der E-Sports schon vor der Corona-Krise erfahren, jetzt ist das Interesse noch einmal gestiegen. Das stellt zumindest der Bayerische Fußballverband (BFV) fest. "Die Resonanz auf die BFV-Angebote war schon zuvor stark, jetzt hat sie aber einen weiteren Schub bekommen", sagt Pressesprecher Fabian Frühwirth.

Steigende Zahlen in der Krise

Der BFV hat sein Online-Angebot deutlich ausgebaut und mit der "BFV-eFootball-League" eine virtuelle Bayernliga an den Start gebracht. Während der Corona-Pandemie verzeichnet der Verband auch bei anderen Angeboten steigende Zahlen. Das letzte Qualifikationsturnier am 16. März für den "BFV eSports Cup" hatte 250 Teilnehmer. Auch bei den drei ersten Ausgaben des kurzfristig angesetzten "#StayAtHome-Cups" waren 250 Spieler dabei. Beliebt ist derzeit auch die "Bundesliga-Home-Challenge". 29 der 36 Profiklubs aus der 1. und 2. Bundesliga sind vertreten, pro Team ist mindestens ein Lizenzspieler und "eine Person aus dem entsprechenden Klub oder dessen Umfeld" am Start. Die einzelnen Ergebnisse der Spiele zwischen Profis und E-Sportlern werden zu einem Endergebnis addiert. Mit dabei sind unter anderem Achraf Hakimi (BVB), Davie Selke (Bremen) und Deniz Aytekin (Schiedsrichter-Team). Am Wochenende steigt dort die zweite Runde, und auch in der Bayernliga rollt der Ball wieder.

Offline-Finale fraglich

Ob das geplante Offline-Turnier der besten vier Mannschaften um den Titel stattfinden kann, ist allerdings offen. "Wenn es nicht offline ausgetragen werden kann, wird es online ausgetragen. Technisch ist es überhaupt kein Problem und natürlich würden wir schauen, dass auch der Online-Rahmen einem Finale gerecht wird", sagt Frühwirth.

Der Verband wünsche sich aber, dass das Finalturnier wie geplant steigen könne: "Das würde vor allem heißen, dass die aktuellen Beschränkungen nicht mehr nötig wären und entsprechend die aktuelle Gefahr durch das Virus gebannt wäre."

Künftig mehr Online-Ligen?

Ob der BFV seinen virtuellen Spielbetrieb angesichts des Erfolges ausbaut? "Wir haben die aktuelle Entwicklung im Blick, sehen die Nachfrage und machen uns auch Gedanken zu möglichen Entwicklungen. Wie das konkret aussieht beziehungsweise was das für den künftigen eFootball-Spielbetrieb heißt, können wir aber noch nicht sagen", sagt Frühwirth.