Anita Oswald schnappt das Trikot der Würzburger Kickers in die Hand. Sie fühlt und tastet, sie zieht es auseinander. Das sei für den ersten Eindruck besonders wichtig, sagt die Professorin für Textildesign an der Hochschule Hof, ehe sie das Gleiche mit den Trikots des 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth macht. "So viel wie in den vergangenen 90 Minuten hab' ich noch nie über Fußball gesprochen", wird sie am Ende des Termins sagen.

Nach dem Aufstieg der Würzburger, dem knappen Klassenerhalt des Clubs und Platz 9 von Fürth sind erstmals seit der Saison 2016/17 drei fränkische Mannschaften in der 2. Liga vertreten. Bevor es am Wochenende zu den ersten Pflichtspielen (DFB-Pokal) in den neuen Trikots kommt, hat die Modeexpertin die Arbeitskleidung des Trios anhand verschiedener Kriterien bewertet.

Innovation/Design

Aus Sicht der Modeexpertin haben die Würzburger Kickers ein modernes Design gewählt. "Die diagonalen Streifen wirken dynamisch und frisch", erklärt Oswald. "Das spricht definitiv jüngere Menschen an. Die Kombination der Kontrastfarben Rot und Weiß lässt das Design sehr sportlich wirken und die Intensität des klaren Rot-Tons unterstreicht diesen Aspekt zusätzlich."

Querstreifen zieren sowohl das Nürnberger als auch das Fürther Trikot. In diesem Punkt unterscheiden sich die Rivalen nicht. "Querstreifen kommen häufig für Sportbekleidung zum Einsatz", stellt Oswald fest. Die Fürther versuchen jedoch, einen modernen Touch reinzubringen. Der grüne Querstreifen wirkt durch Schattierungen "aufgelöst" - also nicht mehr als Blockstreifen, sondern differenziert und spielerisch.

"Insgesamt ist das Trikot des Kleeblatts jedoch deutlich braver und zurückhaltender als das der Würzburger", sagt die Expertin, was mit dem geringeren Kontrast zwischen Grün und Weiß nicht anders machbar sei. Als etwas störend empfindet sie den Schriftzug des Sponsors. "Er steht mir zu sehr in Konkurrenz zu den grünen Querstreifen."

Auch das Club-Trikot ist mit seinen rot-schwarzen Streifen simpel gehalten. "Es ist ein klassisches Design mit Blockstreifen", urteilt Oswald. Der Rot-Ton sei deutlich zurückhaltender als beim Kickers-Trikot und ist in der Kombination mit Schwarz sehr harmonisch. Dadurch würde das Design insgesamt ruhiger wirken. Im Gegensatz zum Fürther Trikot befindet Oswald das Sponsorenlogo hier als belebendes Element. "Ohne wäre es wohl etwas zu dezent."

Passform/Schnitt

Heutzutage sind Fußballtrikots eng geschnitten. Da machen die Shirts von Nürnberg, Fürth und Würzburg keine Ausnahme. "Die Konfektion folgt hier der aktuellen Mode", sagt Oswald. Während zum Beispiel in den ersten zehn bis 15 Jahren ab 2000 die Fußballoutfits sehr weit und leger waren und dagegen in den 70er und 80er Jahren sehr knapp und anliegend, ist in der heutigen Zeit ein bequemer und doch körperbetonter Schnitt angesagt. "In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Trikots nicht wirklich voneinander", sagt Oswald.

Beim zweiten Blick fallen der Textilexpertin Variationen im Kragenbereich auf. "Die Würzburger setzen auf einen Rundhalsausschnitt, Nürnberg hat dagegen einen V-Ausschnitt gewählt." Dieser sei aus Sicht der Expertin "in seinen Details durchaus raffiniert gemacht". Beim Greuther Trikot ist das V angedeutet und damit etwas "traditioneller gestaltet". Beim Schnitt der Ärmel fallen die Würzburger ebenfalls aus der Reihe. "Der Ansatz der Ärmel schließt die Schulterpartie mit ein und wird als Raglanschnitt bezeichnet, während die anderen beiden Trikots eine klassische Ärmelform aufweisen."

Herstellungstechnik

Bei der Kategorie "Herstellung" wirft die Modeexpertin einen Blick auf die zum Einsatz kommenden Techniken. Keine Überraschung: Alle drei Trikots sind bedruckt. Es gibt jedoch Unterschiede. "Die Grundmuster wurden wohl mit einem Siebdruck erzeugt", erklärt Oswald. Das sei bei zwei Farben die gängigste und auch günstigste Art zu drucken. Der sogenannte Foliendruck findet bei den Sponsorenlogos Anwendung. "Damit lassen sich klare Konturen darstellen."

Das Würzburger Trikot arbeitet sogar mit haptischen Effekten, beispielsweise an den Ärmeln und beim Jako-Schriftzug. "Das ist schon aufwendig gemacht." Das Kickers-Logo ist als dreidimensionales Patch aus Kunststoff oder Weichgummi direkt aufs Trikot gedruckt, beziehungsweise mit dem Trikot verklebt. Das unterscheidet es sowohl vom Fürther als auch vom Club-Trikot. Hier finden sich nämlich Stickereien: So ist der als Patch gestickte Puma beim Fürther Trikot aufgenäht. Das Kleeblatt und das Clubwappen wurden dagegen direkt auf das jeweilige Trikot gestickt. Das erkennt die Expertin an der Trikotinnenseite.

Eine weitere Auffälligkeit: Das Muster mit den Streifen setzt sich auf der Rückseite des Kickers-Trikots fort. "Das zeigt, dass die Rückseite auch bedruckt ist." Nürnberg und Fürth haben dagegen eine einfarbige Rückseite, bei der ein in der passenden Nuance gefärbter Stoff verarbeitet wurde. Ein Druck war hier nicht notwendig.

Material

Beim Material gibt es keine großen Überraschungen. Alle drei Trikots bestehen zu 100 Prozent aus Polyester, wie ein Blick auf das Etikett verrät. "Das ist bei Sport-Trikots üblich", erklärt Oswald. "Polyester ist leicht zu waschen und schnell trocken." Darüber hinaus bietet der Stoff einen höheren Tragekomfort bei sportlicher Aktivität als beispielsweise Baumwolle.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist das Herstellungsland. Die Trikots wurden in der Türkei produziert. "Ausschlaggebend ist das günstige Preis-Leistungs-Verhältnis." "Ein Aspekt, der bei der Materialwahl noch keine Berücksichtigung gefunden hat, ist Nachhaltigkeit. Recyceltes Polyester ist immer mehr im Kommen. Gerade bei der jüngeren Generation wird das Thema immer bewusster nachgefragt."

Gesamteindruck

Beim Gesamteindruck spielen nicht nur die Trikots eine Rolle, auch die Hosen wurden mitberücksichtigt. Die Nürnberger tragen schwarze, die Fürther weiße und die Würzburger rote Hosen. Für Oswald ist unter dem Strich die Kombination aus Trikot und Hose bei allen drei Zweitligisten stimmig: "Es ist kein optischer Fehlgriff dabei, mein Favorit sind die Würzburger. Ihr Design ist am mutigsten."

Die Sportredaktion hat lediglich über die Oberteile abgestimmt. Die zehn Reporter vergaben drei Punkte für den Favoriten, zwei für den Verfolger und einen für das Schlusslicht. Als klarer Sieger gingen die Kickers mit 21 von 30 Punkten hervor. Das Rennen um Rang 2 war eng: Fürth landete mit 17 Zählern ganz knapp vor dem mittelfränkischen Rivalen aus Nürnberg (16).

Gewinnspiel

Verlosung Nachdem die drei fränkischen Zweitligisten ihre neuen Heimtrikots - die von Fürth und Nürnberg sind von den Spielern unterschrieben - für einen "Test" zur Verfügung gestellt haben, werden diese verlost. Was Sie dafür tun müssen? Schreiben Sie uns an sport@infranken.de, welches der drei Trikots Sie aus welchem Grund haben wollen. Die Chancen auf den Gewinn steigen, wenn Sie ein Bild von sich in einem Fußballtrikot mit zugehöriger Geschichte anhängen. Es kann jeder beliebige Verein sein.

Rechtlicher Hinweis

Teilnahmebedingungen am Gewinnspiel Die Gewinner werden per Abstimmung innerhalb der Sportredaktion bestimmt, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Mitarbeiter der Mediengruppe Oberfranken sind von der Teilnahme ausgeschlossen.