Im Kegler-Bundesligaderby zwischen dem TSV Breitengüßbach und dem SKC Victoria Bamberg setzte sich am Ende die Erfahrung der Gäste mit einem neuen Mannschaftsbahnrekord von 3751 Kegeln und 5:3 Mannschaftspunkten (MP). Doch hatte der Sieger zum Ende der Partie auch ein wenig Glück. Denn trotz der deutlichen Holzdifferenz (-90) hatte der Aufsteiger (3661) auf den letzen Würfen noch das Unentschieden in der eigenen Hand. Doch es sollte zum wiederholten Male in dieser Saison nicht ganz reichen.

"Wenn man einen Punkt gegen Victoria Bamberg auf dem Silbertablett serviert bekommt, dann muss man auch einfach mal zugreifen und sich für die gebrachte Leistung belohnen", resümierte der enttäuschte TSV-Kapitän Tobias Stark die knappe Niederlage kurz nach dem Spiel, als er selbst noch auf seinen letzten beiden Würfen das Unentschieden für die Hausherren hätte erzielen können.


Nüßlein wie entfesselt

Von Beginn an sahen die Zuschauer ein Derby auf allerhöchstem Bundesliganiveau. Dabei spielte vor allem Mario Nüßlein auf seinen ersten beiden Bahnen wie von einem anderen Planeten. Nach phänomenalen 191 Kegeln zu Beginn ließ er gleich noch einmal 182 folgen, räumte dabei sagenhafte 167 Holz und stand bei unfassbaren 373 Kegeln zur Halbzeit! Sein Kontrahent Manuel Weiß konnte bei dem Neuner-Hagel nur staunen. Mit einer etwas ruhigeren zweiten Hälfte erspielte sich Nüßlein den erwarteten Tagesbestwert und einen neuen Bahnrekord von 672 Kegeln gegen Weiß, der seinerseits in starker Manier noch den 2:2-Anschluss bei 652 Holz schaffte. Den MP musste er allerdings dem TSVler überlassen.

Ein klareres Bild zeigte sich auf den Nebenbahnen. Der ehemalige Güßbacher Florian Fritzmann zeigte mit beeindruckenden 657 Kegeln ebenfalls, dass er seine alte Heimbahn noch bestens im Griff hat. Dem jungen Christoph Kaiser gelang daher nur ein halber SP und das klare Nachsehen. Mit seinem soliden Ergebnis von 587 Holz musste er den MP und wichtige Kegel in der Gesamtwertung dem Bamberger überlassen.

In der Mittelpaarung sollten diesmal Christian Wilke und Albert Kirizsan die Aufholjagd für den Aufsteiger starten. Aber gerade Kirizsan hatte gegen seinen ehemaligen Teamkollegen Christian Jelitte Probleme. Nach akzeptablem Start (141) spielte er wie von der Rolle und wurde folgerichtig durch Melvin Rohn ersetzt. Der 0:2-Rückstand gegen Jelitte war jedoch schon zu deutlich. Die verhaltenen 551 Holz des TSV- Duos gegen den starken Jelitte (639) rückten das Gesamtresultat und einen Überraschungssieg schon zu diesem Zeitpunkt des Spiels in weite Ferne. Wilke und das Bamberger Aushängeschild Nicolae Lupu schenkten sich nichts. So war es beim Stande von 1,5:1,5 Satzpunkten (SP) die letzte Bahn, die über den wichtigen MP entscheiden musste. Durch ein fehlerfreies und starkes Abräumen sicherte sich Wilke den letzten Satz und hatte am Ende auch im Gesamtresultat mit tollen 642 zu 625 Holz die Oberhand gegen den Rumänen behalten.

Trotz des beachtlichen Rückstands von 121 Kegeln gab es also für die Hausherren bei zwei Duellerfolgen noch die Hoffnung auf ein 4:4 nach MP. Zoltan Hergeth holte gegen Miroslav Jelinek sofort zwei SP gegen den tschechischen Nationalspieler. Auf den Nebenbahnen erwischte Stark einen verhaltenen Start (139) gegen Dominik Kunze (168), kontere aber zum 1:1-Ausgleich nach Sätzen. Im Bamberger Lager machten sich nun Nervosität breit, und so wechselte man Julian Hess ins Duell gegen Hergeth. Dieser machte aber sofort den dritten MP für die Hausherren fix.


Traum platzt im vorletzten Wurf

Alle Blicke der Zuschauer und Aktiven richteten sich auf das spannende Nebenduell. Dort setzte sich Stark wieder gegen den Victorianer durch, führte nun 2:1 und sogar mit drei Kegeln im Gesamtergebnis. Das letzte Vollespiel der beiden war nun reine Nervensache. Schwachen 82 von Stark folgten ebenso verhaltene 88 Kegel von Kunze. Im Abräumen fanden dann aber beide Akteure zurück ins Spiel. Kunze beendete mit 584 Kegeln seinen Wettkampf, und wie zuletzt in Straubing brauchte der Mannschaftsführer des TSV eine 9 mit der vorletzten Kugel zum Duellsieg. Doch auch diesmal war es wieder nur eine 7, und mit seinen 581 Kegeln platzte somit der Traum vom Unentschieden und Punktgewinn gegen den Favoriten. Hergeth brachte währenddessen sein gutes Spiel mit 628 Kegeln gegen das Duo Jelinek/Hess (594) souverän zu Ende.

"Am Ende muss man wohl sagen, dass es nach der tollen Gesamtleistung von 3751 Kegeln auf fremder Anlage und neuem Bahnrekord eher ein verdienter als glücklicher Erfolg für meine Mannschaft gewesen ist. Wir hätten das Spiel bereits in der Mittelpaarung entscheiden können, so ist es am Ende noch einmal richtig spannend geworden und wir sind heute mit einem blauen Auge davon gekommen. Dennoch meinen allerhöchsten Respekt an den Neuling aus Breitengüßbach, es ist einfach nur toll zu sehen, welche Entwicklung dieses Team in den letzten Jahren gemacht hat und zu welchen Leistungen sie in der höchsten Spielklasse Deutschlands fähig sind", so die anerkennenden und glücklichen Worte des Bamberger Teammanagers Markus Habermeyer nach dem Derbyerfolg. ts


Die Statistik

TSV Breitengüßbach -
SKC Victoria Bamberg 3:5
(10,5:13,5 Satzpunkte / 3661:3751 Holz)
Kaiser - Fritzmann (0,5:3,5) 587:657
Nüßlein - Weiß (2:2) 672:652
Wilke - Lupu (2,5:1,5) 642:625
Kirizsan/Rohn - Jelitte (0:4) 551:639
Hergeth - Jelinek/Hess (3,5:0,5) 628:594
Stark - Kunze (2:2) 581:584