An ihrem Dauerrivalen aus Zerbst sind die Kegler des SKC Victoria Bamberg in der Bundesliga wieder nicht vorbeigekommen, im Champions-League-Wettbewerb haben sie ihn dann bezwungen, am Ende aber mit der Finalniederlage gegen Podbrezová den zweiten Titel in dieser Saison verpasst. Trostpflaster bleibt der Pokalwettbewerb, in dem der SKC Victoria Zerbst im Halbfinale rauswarf und am Ende auch das Finale gegen Schwabsberg gewann. Die Damen holten zum 9. Mal in Folge und zum 14. Mal insgesamt den deutschen Meistertitel an die Regnitz. Der sportliche Leiter des SKC Victoria, Markus Habermeyer, zieht im Interview mit unserer Zeitung Bilanz, gibt Einblick in die Jugendarbeit und spricht über die Zukunft des Bundesligisten.

Wie beurteilen Sie den Verlauf der Saison 2011/2012 und das Abschneiden Ihrer Mannschaften?
Markus Habermeyer: Mit dem Abschneiden unserer Mannschaften in der Saison 2011/12 können wir sehr zufrieden sein. Die zwei Bundesliga- und zwei Drittliga-Mannschaften haben drei von vier möglichen Meisterschaften errungen, lediglich das 1. Männerteam musste sich mit Platz 2 hinter Meister Zerbst zufriedengeben, hinzu kamen die beiden erst kürzlich errungenen Pokalsiege.
Was die internationalen Aufgaben angeht, haben wir ebenfalls eine erfolgreiche Saison hinter uns. Die Frauen wurden im eigenen Land, in Augsburg, Weltpokalsieger. In der Champions League mussten sie sich erst im Finale dem Dauerrivalen Celje (Slowenien) geschlagen geben, wobei diese Niederlage durchaus hätte vermieden werden können. Die Männer hingegen konnten in der Champions League überraschen, da sie hier die schwierigsten Aufgaben vor der Brust hatten. Auf dem Weg ins Finale besiegten sie die namhaften Teams aus Zadar, Szeged und im Halbfinale Zerbst. Damit haben wir nach dem vor der Saison vollzogenen Umbruch nicht gerechnet. Aber gerade in diesen Spielen zeigte die Mannschaft imposante Leistungen.
Die anderen Mannschaften unseres Clubs, die auf Landes- bzw. Bezirksebene spielen, konnten ebenfalls gute Plätze belegen. Hervorzuheben ist hier der gute fünfte Platz unserer komplett neu formierten 3. Männermannschaft in der Landesliga, die sich ausschließlich aus jungen Spielern zusammensetzt und durch den einen oder anderen erfahrenen Akteur verstärkt wurde, um den Klassenerhalt zu sichern. Gerade zu Beginn der Serie zeigte sich noch die Unerfahrenheit, da der Großteil der Mannschaft keine 200 Wurf bis dahin gespielt hatte. Ebenfalls erfreulich ist die Meisterschaft unserer Jugendspielgemeinschaft mit dem SC Melkendorf. Mit phantastischen 30:2 Punkten konnte dieses Team die Meisterschaft erringen.

Ihre Herrenmannschaft wollte deutscher Meister werden, scheiterte aber an Zerbst. Lag es an den Abgängen von Zitzmann, Galjanic und Geier?
Wir haben bewusst das Ziel "deutscher Meister" ausgegeben, da es das erklärte Ziel unserer Männer war. Sie wollten näher an den Abonnement-Meister Zerbst heranrücken und mit etwas Glück diesen sogar auf Platz 2 verdrängen. Dass es am Ende wieder "nur" zu Platz 2 reichte, lag aber nicht am Aderlass nach der vorangegangenen Saison. Natürlich haben wir mit Zitzmann, Galjanic und Geier äußerst erfahrene Spieler verloren. Aber mit Lars Pansa, Manuel Weiß und Miroslav Jelinek konnten wir Spieler für unser Team gewinnen, die sich selbst ambitionierte Ziele stecken und erfolgshungrig sind. Zu Beginn begeisterte die Mannschaft auch mit tollen Leistungen, da sie doch recht unbekümmert an die Spiele herangegangen ist.
Einen Knacks gab es durch die doch recht deutliche Niederlage in Zerbst, die man noch recht lange im Kopf hatte und die nicht so leicht zu verarbeiten war. Aber gerade auch aus solchen Niederlagen zieht man seine Lehren und neue Motivation. Die Jungs merkten, dass sie noch eine Schippe zulegen mussten und dies nur über konzentrierte und erfolgsorientierte Trainingsarbeit auf und außerhalb der Kegelbahn geht.
Ein Schlüsselspiel im weiteren Verlauf der Saison war der unerwartet deutliche Sieg in Szeged. Keiner hatte so recht an den Erfolg geglaubt, aber was die Mannschaft dann ablieferte war unglaublich. Man merkte, dass man auch große Mannschaften schlagen konnte. Dies war gerade für unsere beiden Youngster Manuel Weiß und Lars Pansa wichtig. Sie konnten im Aktivenbereich gegen Spieler wie Kiss oder Kakuk aus Ungarn mithalten und diese auch besiegen, und das setzt sich im Kopf so junger Spieler fest! Gerade im Saisonendspurt mit Champions-League- und Pokalfinale konnte man dann den Favoriten aus Zerbst besiegen und so in die Endspiele einziehen. Wir sind nahe dran an Zerbst, am Ende spielt in der Spitze auch das Glück eine Rolle.

Die Jugendmannschaften des Vereins Bamberger Sportkegler stehen in Bayern an der Spitze. Sind da Nachwuchsspieler im Kommen, die beim SKC Victoria in der Bundesliga mithalten könnten und auch wollten?
Das Abschneiden der Bamberger Jugendauswahlmannschaften verfolgen wir mit Stolz. Seit Jahren werden Jugendliche aus unserem Club in diesen Mannschaften gefordert und gefördert.
Aktuell sind dies Sebastian Rüger und Christoph Wittke bei der U18 sowie Florian Seiler bei der U14. Rüger und Wittke gehören auch der Bayernauswahl an und stehen im Fokus der Nationalmannschaften ihrer jeweiligen Altersklasse.
Beide haben das Potenzial für die Bundesliga. Die jungen Spieler müssen Schritt für Schritt an die Bundesliga herangeführt werden. In diesem Jahr gehörten beide zu den Leistungsträgern im Landesligateam und konnten sich dort für höhere Aufgaben empfehlen. In der kommenden Saison wollen wir beide sukzessive an die 2. Männermannschaft heranführen und auch im Spielbetrieb einsetzen.
Auch bei den Frauen haben sich zwei Nachwuchsspielerinnen unserer Jugendspielgemeinschaft in den Fokus gespielt. Julia und Franziska Geck vom SC Melkendorf haben sich für unseren Club entschieden und werden in der kommenden Saison neben der Jugendmannschaft auch das 2. Frauenteam verstärken. Florian Seiler, derzeit unser jüngstens Talent gehört seit zwei Jahren ebenfalls dem Auswahlteam des VBSK an. Letztes Jahr wurde er mit diesem deutscher B-Jugendmeister. In dieser Saison hat er sich nochmals steigern können und nimmt am Wochenende an den bayerischen Meisterschaften im Einzel teil. Auch bei den deutschen Meisterschaften ist er wieder mit der Auswahlmannschaft des Vereins Bamberger Sportkegler vertreten.
Maßgeblichen Anteil an all diesen Erfolgen hat unser Jugendtrainer Franz Reuther, dem es Jahr für Jahr gelingt, die Spielerinnen und Spieler voranzubringen und auf weiterführende Aufgaben vorzubereiten.
Im Bereich U23 haben wir mit Julian Hess und Janine Wehner zwei erstklassige Kegler in unseren Reihen. Julian Hess, der sich vor der vergangenen Saison dem SKC angeschlossen hatte, konnte sich leistungstechnisch nochmals steigern und ist stets im Fokus von unserem Männertrainer Peter Würsching. Janine Weh ner konnte ihre Klasse in dieser Saison bereits auf internationaler Ebene unter Beweis stellen, als sie in der Champions-League eingesetzt wurde. Sie zählt zu den Leistungsträgerinnen in der 2. Mannschaft und wird in der kommenden Saison noch näher an die 1. Frauenmannschaft heranrücken.

Wie lange halten Sie als deutscher und internationaler Spitzenclub der in die Jahre gekommenen, teils maroden Kegelanlage im Volkspark noch die Treue? Wie weit sind die Pläne für einen Umzug oder den Neubau einer Spielstätte gediehen?
Das Thema Kegelanlage im Volkspark beschäftigt uns ja schon seit vielen Jahren. Hier kann ich versichern, dass wir solange wie möglich auf der Anlage im Volkspark bleiben werden, solange alle technischen Bestimmungen erfüllt werden können und es die bauliche Substanz zulässt. Mit der Stadt Bamberg arbeiten wir hier sehr eng zusammen. Was die Pläne für einen Umzug oder einen Neubau einer Spielstätte angeht, sind wir ebenfalls von der Stadt abhängig. Es ist ja bekannt, dass derzeit die Entscheidung um die Ansiedlung der Firma Brose vakant ist. Eine positive Nachricht könnte hier neue Perspektiven eröffnen. Wir sind zu Gesprächen bereit. Der Kegelsport war immer ein Aushängeschild der Stadt und sollte es auch noch sehr lange sein.