Mit hoher Geschwindigkeit soll laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft am 4. Januar dieses Jahres ein 39-jähriger Autofahrer auf der Maintalautobahn bei Knetzgau auf einen vor ihm fahrenden Opel auf der Überholspur dicht aufgefahren sein. Weil der vor ihm fahrende Fahrer nicht nach rechts wechselte, soll der BMW-Fahrer mehrmals die Lichthupe betätigt haben, um ihn dann rechts zu überholen.

Daheim in Nordrhein-Westfalen angekommen, erstattete der Opel-Fahrer Anzeige wegen Nötigung. Das Kennzeichen des BMW hatte er sich gemerkt. Der angezeigte BMW-Fahrer aus dem Grabfeldkreis erhielt daraufhin einen Strafbefehl über 1500 Euro und ein zweimonatiges Fahrverbot. Er legte Einspruch ein, sodass es zur Verhandlung am Amtsgericht in Haßfurt kam, wo sich die beiden Autofahrer wiedertrafen.

Auf der Anklagebank stritt der angebliche Drängler die Tat ab. Er sei damals mit Frau und Kind aus dem Urlaub gekommen. Seit 20 Jahren fahre er Auto, und es sei noch nie etwas passiert, geschweige denn habe er eine Strafe erhalten. Vielleicht habe er die Lichthupe benutzt, um nicht gezwungen zu sein, rechts zu überholen, räumte er ein. Allerdings sei es unmöglich, dass er nah aufgefahren sei, denn sein Auto sei mit einem Abstandsradar ausgestattet, das das Fahrzeug automatisch abbremst, um einen vorschriftsmäßigen Abstand einzuhalten. Der Abstandsradar könne auch nicht ausgeschaltet werden.

Dem widersprach Richterin Kerstin Leitsch, die auf dem Richterstuhl die Betriebsanleitung des BMW studierte. Darin sei beschrieben, dass der Abstandsradar per Knopfdruck ausgeschaltet werden könne, teilte sie dem Angeklagten mit. Der 25-jährige Opel-Fahrer untermauerte diese Tatsache bei seiner Zeugenaussage. Er sei mit Vater, Mutter und Bruder auf dem Rückweg vom Skiurlaub gewesen und sei mit 160 Stundenkilometer auf der linken Spur gefahren, als der Angeklagte schnell von hinten mit geschätzten 230 Stundenkilometern angerast kam. Der BMW-Fahrer habe fünf bis zehn Mal die Lichthupe betätigt.

Er selbst habe die Spur nicht wechseln können, da die Fahrbahn zum einen nass war und zum anderen die Fahrzeuge auf der rechten Spur deutlich langsamer unterwegs waren. Der Angeklagte sei ihm fünf bis sieben Minuten hinterhergefahren. Dabei sei der Kühlergrill des BMW im Rückspiegel nicht zu erkennen gewesen. Durch die Lichthupe sei er geblendet worden, gab er zu Protokoll.

Da ihm ähnliche Situationen schon öfters passiert waren, habe er Anzeige erstattet, damit das "respektlose Verhalten" bestraft wird. Die Ehefrau des Angeklagten sagte, ihr Mann fahre maximal 160 bis 180 Stundenkilometer, da ansonsten die Windschutzscheibe einen lauten Ton erzeugen würde.

Die Vorsitzende hegte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussage des Anzeigenerstatters. Denn bei der polizeilichen Vernehmung hatte er noch einen Zeitraum von 30 Sekunden angegeben im Gegensatz zur Aussage vor Gericht, wo es plötzlich fünf bis sieben Minuten gewesen sein sollen. Für eine Verurteilung reichte es daher nicht. Das Gericht einigte sich auf eine Einstellung des Verfahrens. Als Auflage muss der Angeklagte 1000 Euro an die Kreisverkehrswacht Haßberge berappen. Außerdem muss er seine Verteidigerin selbst bezahlen. Ein Fahrverbot bleibt ihm zumindest erspart. msch