Auch das heiß herbeigesehnte zweite Nachbarderby in der Bundesliga zwischen dem SKC Victoria Bamberg und dem TSV Breitengüßbach haben die Victoria-Kegler für sich entschieden. Mit einem 6:2-Sieg bei 3782:3563 Holz setzte sich die Truppe von Trainer Bela Csanyi am Ende doch deutlich durch. Bester Spieler im Derby war Christian Jelitte mit 649 Kegeln. Beim TSV überzeugte Zoltan Hergeth (640). Durch den Sieg bleibt der SKC Victoria weiterhin punktgleich mit dem Tabellenführer SKV Rot-Weiß Zerbst. Die Situation der Güßbacher im Abstiegskampf hat sich nicht geändert. Mit einem Sieg am nächsten Wochenende gegen Schlusslicht Zwickau hätte der Aufsteiger den Klassenerhalt sicher.

In der gut gefüllten Kegelbahn im Sportpark Eintracht vertraute der SKC Victoria zunächst auf Fritzmann, Heß und Weiß, während der TSV Breitengüßbach mit Stark, Kaiser und Hergeth startete. Stark konnte dem Niveau des überzeugend spielenden Fritzmann nicht folgen und lag bereits nach zwei Bahnen mit 0:2 Satzpunkten (SP) und 279:334 Holz zurück. Auch nach dem erneuten Bahnwechsel änderte sich das Bild nicht. Fritzmann siegte erneut mit 167:128 und machte den ersten Mannschaftspunkt (MP) perfekt. Da war es dann zu verschmerzen, dass Stark mit 157:136 auf 3:1 verkürzte. Fritzmann hatte aber mit 637:565 ein gutes Polster für den SKC herausgespielt.

Auch Heß war von Beginn an Herr im Haus und ließ dem talentierten Kaiser keine Chance, da der Güßbacher überhaupt nicht in sein Spiel fand. Über die Satzergebnisse von 159, 172, 158 und 150 kam Heß zu einem klaren 4:0 bei 639:535.

Weiß und Hergeth siegten in den einzelnen Sätzen jeweils abwechselnd, wobei Hergeth aber bei seinen Satzgewinnen stets einen höheren Kegelvorsprung erspielte, als es dem Victorianer Weiß gelang. Dennoch erzielten beide gute Ergebnisse. Der MP ging bei 2:2 Satzpunkten an Hergeth, da dieser mit 640:624 im Ergebnis vorne lag und somit für den TSV Breitengüßbach auf 2:1 MP verkürzte. Der SKC Victoria hatte aber einen Vorsprung von 160 Kegeln, und somit reichte dem Heimteam ein weiterer MP, um den Sieg zu sichern.

Im Schlusstrio setzte der SKC Victoria auf Jelitte, Kunze und Teamkapitän Wagner, der nach langer Pause wieder in die Mannschaft rückte. Der TSV wollte mit Rohn, Nüßlein und Wilke auf alle Fälle für Schadensbegrenzung sorgen, da im Abstiegskampf auch jeder MP zählt. Die längere Pause von Wagner machte sich überhaupt nicht bemerkbar. Gerade in den engen Spielsituationen behielt er gegen Wilke die Ruhe und sicherte sich dadurch auch den ersten Satz mit 159:146. Postwendend ließ er das 2:0 folgend, da Wilke nun bei 136 hängen blieb. Mit einer 2:0-Führung im Rücken steigerte sich Wagner im dritten Satz auf starke 171 und machte frühzeitig den MP fest, da Wilke auf 165 kam und somit die Vorentscheidung nicht verhindern konnte. Den letzten Satz angelte sich dann der Breitengüßbacher mit 171:148, was aber keinen Einfluss mehr auf das Ergebnis hatte. Wagner siegte mit 3:1 MP und 625:618.

In den Duellen von Jelitte gegen Rohn und Kunze gegen Nüßlein war der Gewinn des ersten SP kein gutes Omen, da sich die Verlierer im weiteren Verlauf jeweils drei Mal durchsetzten. Rohn gewann zu Beginn gegen Jelitte mit 155:143, konnte danach aber den starken Ergebnissen von Jelitte nicht mehr folgen. Mit 162:135 glich der Bamberger zum 1:1 aus und ging anschließend nach einem 161:148 mit 2:1 in Führung. Im letzten Satz holte Jelitte noch einmal zum großen Schlag aus, als ihm eine 183er-Schlussbahn gelang. Mit 3:1 SP und dem Tagesbestergebnis von 649:598 holte er den nächsten MP für die Victoria.

Nüßlein, der Kunze zu Beginn mit 161:125 deutlich unterlag, zeigte sich keineswegs geschockt. In den folgenden Sätzen erspielte er sich stets eine Führung auf die Vollen und verteidigte diese im Abräumen. Mit 157:147, 153:151 und 173:149 setzte er sich am Ende mit 3:1 SP durch, wobei beide Akteure jeweils 608 Kegel erzielten. Der SKC Victoria gewann in Summe vier Duelle und die Gesamtwertung beim Ergebnis, während der TSV nur zwei Duelle für sich entschied.


Stimmen zum Derby

Tobias Stark (TSV-Kapitän): "Wir haben uns unter Wert verkauft. Das hat man schon zu Beginn gemerkt. Mit Christoph und mir haben wir schon 100 Holz liegen lassen. Und dann wird es gegen so eine Mannschaft schwer, noch einmal heranzukommen. Mehr als drei Mannschaftspunkte wären heute für uns nicht drin gewesen. Die Bamberger spielen seit Jahren international vorne mit und haben Top-Spieler in ihren Reihen. Sie haben heute sogar ihre zwei Ausländer schonen können und legen trotzdem so ein Ergebnis auf die Bahn. Zwar spielt der Heimvorteil immer eine kleine Rolle, aber heute waren wir einfach zu verhalten, um mithalten zu können. Vielleicht war der ein odere andere zu nervös und konnte nicht das abrufen, was er sich vorgestellt hatte. Wir wollten uns ein bisschen Selbstvertrauen holen für das Spiel nächste Woche, aber das haben wir nicht geschafft. Jetzt liegt der Fokus auf das wichtige Spiel gegen Zwickau. Wenn wir das gewinnen, müsste sich der Abstieg erledigt haben, hätten wir die Klasse erhalten, und das ist ja unser Hauptziel."
Michael Paulus (TSV-Trainer): "Wir haben verdient verloren. Viele von uns wollten zu viel, und das hat sich auf die Leistung niedergeschlagen. Wir haben viel zu verkrampft gespielt. Im Derby will man einfach mehr, als man kann. Dementsprechend war die Leistung. Man hat das vor allem bei Christoph Kaiser gesehen. Er kann eigentlich viel mehr, als er heute gezeigt hat. Aber er war von der ersten Kugel an zu verkrampft. Wenn man nicht locker kegelt, dann erzielt man auch kein gutes Ergebnis. Gegen Zwickau hoffe ich, dass wir von Anfang an locker spielen und die zwei Punkte, die wir noch für den Klassenerhalt brauchen, auch holen. Der Druck ist wahrscheinlich noch größer als heute, aber wir haben ein Heimspiel, da sollten wir das auch hinkriegen."

Bela Csanyi (Trainer des SKC Victoria): "Ich habe mehr Widerstand von Breitengüßbach erwartet, aber die Gastmannschaft war wesentlich nervöser als die Heimmannschaft. Wir haben eine ordentliche Leistung gebracht. Das ist positiv für die kommenden Aufgaben, die uns erwarten. In der nächsten Woche müssen wir mindestens ein Unentschieden in Schwabsberg erreichen, denn Zerbst und Staffelstein (Tabellenführer und Tabellendritter, Anm. d. Red.) spielen ja gegeneinander. Alle drei Mannschaften können Meister werden. Ich kenne die Bundesliga jetzt seit 25 Jahren. So eine interessante Situation haben wir noch nie gehabt. Wir müssen weiter hart arbeiten. Anfang April kommt ja auch noch das Final Four in der Champions League auf uns zu, da wollen wir auch noch ins Finale kommen."

Uwe Wagner (Mannschaftskapitän des SKC Victoria): "So einfach, wie es aussah, war es definitiv nicht für uns. Wir haben vorne zwar viel Holz gut gemacht und zwei Mannschaftspunkte gewonnen. Trotz alledem musst du hinten auch noch zwei Mannschaftspunkte in trockene Tücher bringen, um das Spiel zu gewinnen. Hinten raus war es ein wenig zäh, auch wenn die letzten 30 Wurf dann schon ein bisschen Auslaufen waren. Im Derby will man sich natürlich keine Blöße geben, weil man sich ja seit vielen Jahren untereinander kennt. Nach meiner langen Abwesenheit, ich glaube, es waren zweieinhalb Monate, war ich mit meiner Leistung unter dem Strich zufrieden. Wir müssen jetzt auf einen Ausrutscher von Zerbst hoffen und am kommenden Wochenende bei einem sehr starken Gegner einen Punkt holen, falls Zerbst strauchelt. Es wird schwer, aber theoretisch ist für uns noch alles drin."
SKC Victoria Bamberg - TSV Breitengüßbach 6:2
(16:8 Satzpunkte / 3782:3563 Holz)
Fritzmann - Stark (3:1) 637:565
Heß - Kaiser (4:0) 639:535
Weiß - Hergeth (2:2) 624:640
Jelitte - Rohn (3:1) 649:598
Kunze - Nüßlein (1:3) 608:608
Wagner - Wilke (3:1) 625:618