Ein Wiedersehen mit guten Bekannten in Göttingen und mit zwei Punkten im Gepäck die Heimreise nach Franken antreten: Das war der Plan von Brose-Trainer Johan Roijakkers und seinen Bambergern. Doch daraus wurde beim Tabellen-16., der zuvor neun der vergangenen zehn Parten verloren hatte, nichts. Das Brose-Team musste sich am Freitagabend mit 80:87 (43:36) geschlagen geben. Nach der Pleite in Vechta vor drei Wochen die nächste große Enttäuschung gegen einen Abstiegskandidaten.

Dementsprechend geschockt wirkte Kapitän Chase Fieler nach der Partie am Mikrofon von Magentasport. "Wir haben es nicht geschafft, uns die Würfe zu erarbeiten, die wir wollten. Göttingen hat einige schwierige Würfe getroffen, hatte mehr Läufe als wir. Man muss ihnen Respekt für ihre Leistung zollen. Aber wir müssen auf uns schauen und es einfach schaffen, besser zu spielen. Die Qualität im Kader ist ja da."

Nach der neunten Niederlage im 15. Bundesliga-Spiel dürften die Sorgenfalten der Brose-Verantwortlichen tiefer werden. Die Teilnahme an den Play-offs scheint ernsthaft in Gefahr , das angepeilte Heimrecht ist schon jetzt, zwei Spieltage vor Hinrundenende, Utopie.

Bundesliga

BG Göttingen - Brose Bamberg 87:80

(21:23, 15:20, 27:22, 24:15)

Mit einer Ausbeute von knapp 32 Prozent von der Dreierlinie sind die Göttinger das schlechteste Team der Liga. Von dieser Schwäche war bei den Südniedersachsen während des gesamten Spiels wenig zu sehen. Vier der ersten fünf Versuche von der 6,75-Meter-Linie fanden ihr Ziel - ein 7:15-Rückstand für Brose war nach vier Minuten die Folge.

Die Bamberger Startformation schwächelte, doch die Bankspieler waren sofort zur Stelle. Der Ex-Göttinger Bennet Hundt spielte wie aufgedreht und sezierte die Veilchen-Defensive in dieser Phase. Zunächst bediente er mit einem Zuckerpass Shevon Thompson in der Zone, dann fand er mit Christian Sengfelder und Dominic Lockhart jeweils die freien Schützen in der Ecke, ehe er selbst den Korb attackierte und nur mit einem Foul zu bremsen war. Der deutsche Nationalspieler war maßgeblich am 16:3-Lauf der Gäste (18:23, 9.) beteiligt.

Die flüssige Bamberger Ballbewegung war aber nur von kurzer Dauer. Konnte Hundt das Tempo nicht kurzzeitig verschärfen, taten sich die Bamberger im Setplay gegen die zweitschlechteste Verteidigung der Liga schwer. Erzwungene Distanzwürfe von Devon Hall und Michele Vitali fanden nicht ihr Ziel. "Point Forward" Alex Ruoff war um Kreativität bemüht, doch fehlte es nicht ganz überraschend noch an der Feinabstimmung. Neben Hundt überzeugte aus Bamberger Sicht in den ersten 20 Minuten Neu-Center Thompson, der mit sieben Punkten und vier Rebounds erstmals ein richtiger Faktor im Brose-Spiel war. Die BG war dank einer ordentlichen Wurfquote und Bamberger Fehlern bis kurz vor der Halbzeitpause auf Tuchfühlung (36:37), ehe das Roijakkers-Team zum richtigen Zeitpunkt einen Gang hochschaltete und mit einer Sieben-Punkte-Führung in die Kabine ging.

Der Auftakt des dritten Viertels war eine Kopie der Anfangsminuten: Die Göttinger liefen mit drei Treffern binnen zwei Minuten aus der Distanz heiß und profitierten obendrein von der Bamberger Schlafmützigkeit bei einer Einwurfsituation der Göttinger (47:47, 24.). Drei Minuten später wurde es bei eigenem Einwurf nicht besser: Das Spielgerät landete unglücklich auf dem Fuß eines Unparteiischen und trudelte danach ins Rückfeld. Trotz einiger Leichtsinnsfehler fanden die Bamberger offensiv auch einige gute Lösungen und konnten sich vor allem in der Zone durchsetzen. Thompson ließ es nach einem Offensiv-Rebound krachen (59:65, 28.).

Doch wieder ging Brose fahrlässig mit seinem Mini-Polster um. Tai Odiase stopfte den Ball Anfang des letzten Viertels über David Kravish spektakulär in den Korb - Göttingen übernahm die Führung (67:65). Nachdem Mathis Mönninghoff mit einem völlig offenen Dreier noch einen draufsetzte, nahm Roijakkers eine zweite Auszeit innerhalb von 80 Sekunden.

Am Trend änderten beide Timeouts aber nichts. Bei Göttingen traf Aufbauspieler Deishuan Booker nun sogar aus neun Metern (78:72, 36.). Insgesamt verwandelten die Niedersachsen 14 ihrer 26 Dreierversuche: 54 Prozent. Die Bamberger Ausbeute war gerade mal halb so gut (27 Prozent). Da sich die Gäste in der Schlussphase keine hochprozentigen Würfe erspielen konnten und noch dazu indisponiert einige Bälle hergaben (14 Turnovers), war die nächste Niederlage bei einem Kellerkind perfekt.

Die Basketball-Statistik

Göttingen: Booker (20/5 Dreier), Dawkins (17/3), Odiase (15), Nelson (12/2), Mönninghoff (12/3), Weidemann (5/1), Vargas (4), Lomasz (2), Kramer, Kamp

Bamberg : Hall (16/1), Kravish (16), Fieler (11/1), Sengfelder (10/2), Lockhart (9/3), Thompson (9), Vitali (4), Hundt (3), Ruoff (2), Ogbe

Schiedsrichter: Matip, Madinger, Theis

Zuschauer: keine

Gesamtwurfquote: Göttingen 50 Prozent (29 Treffer/58 Versuche), Bamberg 46 (29/63)

Dreierquote: Göttingen 54 (14/26), Bamberg 27 (7/26)

Freiwurfquote: Göttingen 83 (15/18), Bamberg 83 (15/18)

Rebounds: Göttingen 30 (26 defensiv/ 4 offensiv), Bamberg 35 (26/9)

Ballgewinne/-verluste: Göttingen 8/14, Bamberg 8/14

Assists: Göttingen 17 / Bamberg 20

Fouls : Göttingen 19 / Bamberg 19

Spieler des Spiels

David Kravish präsentierte sich mit 16 Punkten bei einer guten Trefferquote (8 von 10 aus dem Feld) offensiv gewohnt zuverlässig, holte sich dazu noch sieben Rebounds. Defensiv hatte er allerdings mit dem athletischen und wendigen Göttinger Center Tai Odiase seine Probleme . mg