SPD gewinnt Bundestagswahl: Noch vor wenigen Monaten sah es so aus, als hätte die SPD bei der Bundestagswahl keinerlei Chancen, stärkste Kraft zu werden - geschweige denn, den Bundeskanzler zu stellen. Manch einer mag die Genossen insgeheim gar belächelt haben, überhaupt einen Kanzlerkandidaten aufzustellen - derart aussichtslos schien die Lage für die Partei. Ende Juni lag die SPD in Umfragen zur Bundestagswahl 2021 deutlich hinter der Union und den Grünen. So kamen die Sozialdemokraten beispielsweise noch vor zwölf Wochen in der sogenannten "Sonntagsfrage" von Infratest dimap auf gerade einmal 15 Prozent der Wählerstimmen.

Laut vorläufigem Endergebnis der Bundestagswahl konnte die Partei mit ihrem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz nun tatsächlich satte 25,7 Prozent an Zweitstimmen einfahren - ein Plus von 5,2 Prozentpunkten gegenüber der Wahl 2017. Die SPD gewinnt damit die Wahl knapp vor der Union, die auf 24,1 Prozent kommt. Wie kam es also zu diesem regelrechten "SPD-Wunder" bei der Bundestagswahl? inFranken.de hat den Bamberger Polit-Experten Prof. Ulrich Sieberer gefragt, wodurch die beispiellose Aufholjagd möglich werden konnte. 

Bamberger Politologe erklärt Wahlerfolg: "Für die SPD kamen mehrere Dinge glücklich zusammen"

Für den Professor für Empirische Politikwissenschaft an der Universität Bamberg stellte das Wahlergebnis am Sonntagabend nicht gerade eine Überraschung dar. Olaf Scholz wird womöglich neuer Bundeskanzler - war damit im Vorfeld der Bundestagswahl wirklich zu rechnen? "Vor vier Monaten hätte ich natürlich gesagt: Im Leben nicht", erklärt Sieberer am Montag (27. September 2021) inFranken.de. "Nachdem, was in den letzten paar Wochen passiert ist, ist alles aber in etwa so eingetroffen, wie ich es erwartet habe." 

"Was mich überrascht hat, ist das sehr schwache Abschneiden der Linken", erklärt der Politologe. "Das hätte ich nicht gedacht." Die restlichen zustande gekommenen Resultate seien dagegen für ihn weithin so zu erwarten gewesen. Doch, woher rührt der noch vor wenigen Monaten für unmöglich gehaltene Wahlerfolg der Sozialdemokraten? Sieberer hat dafür eine einfache Erklärung: Ihm zufolge kamen für die SPD "mehrere Dinge glücklich zusammen", um die Bundestagswahl schlussendlich für sich entscheiden zu können.

  1. "Das eine ist ganz sicher die Schwäche der Konkurrenz - vor allem natürlich der Union und der Person Armin Laschet", hält der Bamberger Politik-Professor fest. "Das ist ganz klar, dass die Union da einen Vorsprung verspielt hat. Ein Vorsprung, von dem man eigentlich nicht dachte, dass man ihn verspielen kann."
  2. Die SPD selbst habe gleichzeitig einen sehr guten Wahlkampf geführt. "Sie hat es dieses Mal vor allem hingekriegt, dass inhaltliche Positionen und die Person des Kandidaten sehr gut zusammengepasst haben." Dies sei in der Vergangenheit teilweise anders gewesen, konstatiert Sieberer. "Aber jetzt hat es, glaube ich, sehr gut funktioniert. Mit einer Programmatik, die durchaus viele Wählerinnen und Wähler angesprochen hat."
  3. Hinzu kommt laut Einschätzung des Politikwissenschaftlers ein Kandidat, der nicht nur zu dieser Programmatik passe, sondern genau die Lücken gefüllt habe, die CDU und CSU letztlich freigemacht hätten. "Olaf Scholz hat es, glaube ich, wirklich sehr, sehr gut geschafft, sich als Stabilitätsanker zu verkaufen. Als ein Angebot an diejenigen Wählerinnen und Wähler, die eigentlich mit den letzten Jahren von Frau Merkel ganz zufrieden waren. Die sich vor allem diesen sachlichen, wenig aufgeregten Politikstil weiter gewünscht haben." Scholz sei es hierbei gut gelungen, ein Stück weit Kompetenz zu verkörpern. Dies sei den Gegenkandidaten Armin Laschet und Annalena Baerbock indes nicht geglückt. 

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