Ist ein Ort der Andacht und religiösen Besinnung so einfach zu verändern? Oder sollte geweihter Boden bleiben, was er ist? Der Wunsch nach Versetzung einer Feldkapelle in Schmerldorf, Gemeinde Memmelsdorf, sorgt zunehmend für Diskussionen in dem Memmelsdorfer Gemeindeteil. Der Versuch, mit weltlichen Institutionen zu einer Lösung zu kommen, ist zunächst ins Leere gelaufen - der Gemeinderat hat eine Entscheidung darüber vertagt. Nun soll mit Hilfe von Gutachten über die Zukunft des denkmalgeschützten Gebäudes entschieden werden.

Die kleine Feldkapelle, die 1890 erbaut wurde, stand zunächst auch in der freien Flur. Doch auch Schmerldorf wurde größer, und so wurde die kleine Gedenkstätte mehr und mehr von der wachsenden Ortschaft eingeschlossen. Es ist fraglich, ob sie in ihrer jetzigen Lage ihren ursprünglichen Zweck noch erfüllen kann: Dem vorbeigehenden Wanderer oder dem Arbeiter in Feld und Flur Gelegenheit zur seelischen Einkehr zu geben. Denn zu sehen ist das Kleingebäude zwischen Häusern und Scheunen kaum noch.

Der Eigentümer wünscht sich nun eine Versetzung auf freie Flur, wo die Feldkapelle wieder besser zur Geltung kommen und ihrem Namen auch gerecht werden würde. Das aber scheint nicht unproblematisch, denn durch eine Versetzung würde die Feldkapelle ihren Ursprung sowie auch ihren Status als denkmalgeschütztes Gebäude verlieren. Ergo wären auch die Kosten der Versetzung vom Antragsteller zu tragen.
Im Gemeinderat berichtete Bauamtsleiter Michael Karmann, dass die Versetzung um etwa 350 Meter auf ein gemeindliches Grundstück nördlich von Schmerldorf möglich sei. Aus Sicht des Denkmalschutzes wäre das Vorhaben realisierbar. "Ich würde die Kappelle nicht versetzen", äußerte Bürgermeister Johann Bäuerlein (WLW) eine persönliche Ansicht und auch Gemeinderätin Renate Stumpf (VWG) bat, das Thema mit der nötigen Sensibilität zu behandeln und die Kapelle im Dorf zu lassen.

Entscheidung im Landratsamt


Wenn allerdings die Bürger eine Versetzung wünschten, so das Gemeindeoberhaupt, könne man das Vorhaben auch bejahen. Näheres könne nötigenfalls bei einer Bürgerversammlung besprochen werden. Man folgte schließlich dem Vorschlag von Gemeinderat Erwin Beck (SPD), die Entscheidung zurückzustellen und den Kreis- und Gemeindeheimatpfleger dazu zu hören.

Hans Müller, Heimatpfleger der Gemeinde Memmelsdorf, lehnt eine Versetzung ab. Auch wenn die Feldkapelle von nicht allzu großer kunsthistorischer Bedeutung sei, dürfe einer Versetzung nicht stattgeben werden. Müller befürchtet unter anderem, dass lediglich ein Abbau, aber kein erneuter Aufbau stattfinden würde. Ebenso kritisch äußert sich Kreisheimatpfleger Wolfgang Rössler hierzu. Auch er sehe "absolut keinen Sinn" in einer Versetzung und sei entschieden dagegen. Vom Landesamt für Denkmalpflege wird in den nächsten Tagen eine weitere Stellungnahme erwartet. Unter Berücksichtigung dieser Stimmen wird die Entscheidung schließlich von der Unteren Denkmalbehörde getroffen. Ob dem kleinen Andachtsort ein Umzug bevorsteht, bleibt also abzuwarten.

Von Yvonne Dauer