Mit einem offenen Brief will der Bund Naturschutz Bamberg (BN) alle Landkreis-Bürgermeister "ermutigen, eine Solarpflicht bei Neubauten einzuführen und die Möglichkeiten zur Errichtung von Windkraftanlagen zu nutzen". Um die Ziele der Klima-Allianz zu erreichen, den Energiebedarf bis 2035 erneuerbar und vor Ort zu produzieren, geht der BN davon aus, dass in Stadt und Landkreis eine Vervierfachung der Photovoltaik-Anlagen und eine Verdoppelung der Windkraftleistung nötig sein werden. Die Umweltorganisation fordert die Solarpflicht für alle Neubauten - also für öffentliche, private und gewerbliche Gebäude.

Eine solche PV-Pflicht gibt es bayernweit bisher nur in Amberg: "In Zukunft ist in allen Bebauungsplänen eine Verpflichtung für PV-Anlagen einzuführen", heißt es in einem Beschluss vom Dezember 2019. Entsprechend gibt es bei der oberpfälzischen Stadt viele Anfragen - aber noch keine Erfahrungen. Denn: "Wir haben seitdem noch keinen Bebauungsplan beschlossen", sagt Stadtsprecherin Susanne Schwab auf Nachfrage. Der Bamberger Stadtrat hat sich in der Klimasondersitzung im vergangenen Oktober auf eine weichere Formulierung geeinigt, nämlich dass die Verwaltung "auf die Anbringung von PV-Anlagen hinwirken" soll. Eine Pflicht wie in Amberg hatte zwar Heinrich Schwimmbeck (Linke) beantragt. Allerdings stimmten nur Linke und Die Partei dafür.

Wie ist die Stimmung im Landkreis? Für Landrat Johann Kalb ( CSU ) nimmt die Region in Sachen erneuerbare Energien eine Vorreiterrolle ein, was sich unter anderem am Preis "Energiekommune des Jahrzehnts" (von 2018) zeige. Derzeit würden im Landkreis bereits 80 Prozent des Stromverbrauchs regenerativ vor Ort produziert ( Stadt Bamberg : 15 Prozent). Entsprechend "rennt jeder mit neuen Beiträgen für den Klimaschutz offene Türen ein", sagt Kalb. Das Landratsamt nutze bereits jede Möglichkeit, auf eigenen Gebäuden Photovoltaik zu installieren. Eine Pflicht, wie sie der BN fordert, sei "aber immer nur die zweitbeste Lösung." Eine bessere wäre etwa, durch Förderungen Anreize zu schaffen.

Das sieht auch der Bürgermeister von Lauter, Ronny Beck ( CSU ), so. "Bei uns wird das auch so schon oft gemacht. Und auf fast jeder großen Halle sind PV-Anlagen angebracht", begründet Beck. Bei der Vergabe von 14 Bauplätzen auf einem kürzlich erschlossenen Neubaugebiet spiele Solarenergie keine Rolle. Auch der Zapfendorfer Bürgermeister Michael Senger (WG Sassendorf) sieht eine Pflicht kritisch. Eine kleine Gemeinde könne die Kontrolle einer PV-Pflicht bei Privatbauten personell ohnehin nicht stemmen. Der offene Brief des BN werde noch im Gemeinderat diskutiert. Senger kann sich aber gut vorstellen, dass die Gemeinde neuen Bauherren PV-Anlagen empfiehlt und sie bei der Finanzierung berät.

Wann sich ein Solarpanel lohnt

Litzendorf hat das Klimaziel bereits erreicht: Die Gemeinde produziert das 1,6-fache ihres Verbrauchs selbst. "Aber es gibt sicher noch Potenzial", sagt Bürgermeister Wolfgang Möhrlein ( CSU ). Eine PV-Pflicht sieht er ebenfalls skeptisch. Auch weil die Bauplatz-Kosten in den vergangenen Jahren enorm gestiegen seien. "Da kann ich von einer jungen Familie nicht verlangen, noch mal 20 000 Euro mehr zu investieren." Ähnliche Bedenken äußern auch Beck (Lauter) und Senger (Zapfendorf). Der BN verweist in diesem Punkt darauf, dass die Wirtschaftlichkeit "in den meisten Fällen gegeben" sei. Was heißt das?

"Die Größe der Anlage muss zum eigenen Verbrauch passen", erklärt Stadtwerke-Sprecher Jan Giersberg. Denn überschüssigen Solarstrom zu verkaufen, lohne sich wegen der Kürzung von Zuschüssen im vergangenem Jahr nicht mehr. Wegen steigender Strompreise werde es aber immer lukrativer, für den Eigenverbrauch zu sorgen. Zudem sei die Finanzierung durch "historisch niedrige Zinsen" oder Pachtmodelle einfacher denn je. "Wenn man weiterdenkt, sich etwa irgendwann eine Ladestation fürs E-Auto anzuschaffen, lohnt es sich umso mehr." Die Stadtwerke bieten Beratungen zur Ermittlung der passenden Größe der Solaranlage an.

Die zweite Forderung der Naturschützer , mehr in Windkraft zu investieren, wird durch die in Bayern geltende sogenannte 10H-Regel erschwert. Nach dieser muss der Abstand von einem Windrad zum nächsten Haus die zehnfache Entfernung der Höhe des Windrads betragen - was das Errichten neuer Anlagen quasi unmöglich macht. Allerdings haben Kommunen durch die Bauleitplanung die Möglichkeit zu Ausnahmen. Dies nutzt etwa Litzendorf: Hier gingen bereits 2016 drei Windräder ans Netz, 150 Bürger und die Gemeinde haben Anteile daran. "Die Erfahrungen sind gut", so Möhrlein. Nun ist ein Viertes geplant. "Ich bin optimistisch, dass es wieder genügend Interessenten gibt, die sich beteiligen wollen". Die erste Hürde wurde genommen: Die Gemeinde hat erfolgreich beantragt, dass die Fläche im Regionalplan nachträglich als Windvorranggebiet mitaufgenommen wird - um eine Ausnahme zur 10H-Regel zu ermöglichen.