Bei Unterhaid wird in den kommenden Wochen auf einer Fläche von rund vier Hektar ein Solarpark entstehen. Die Photovoltaikanlage nördlich der Bahnlinie und unweit des Gewerbegebiets soll eine Leistung von etwa 1,6 Megawatt erbringen. Die Bürger werden die Möglichkeit bekommen, sich über eine Genossenschaft an dem Projekt zu beteiligen. Dazu hat die Gemeinde Oberhaid einen Durchführungsvertrag mit der DBE Deutsche Bürger-Energie eG geschlossen. Bereits Ende August soll die Anlage Strom produzieren können, ins Netz eingespeist werden kann er voraussichtlich aber erst im Dezember, da Netzbetreiber Eon eine so lange Vorlaufzeit benötigt.

Die beiden Vorstände (Geschäftsführer) der DBE, Mario Fürst und Swen Hansen, stellten das Bürgerbeteiligungsmodell nun im Oberhaider Gemeinderat vor. Nach den Ferien, Mitte September, will die Gemeinde dann eine weitere Informationsveranstaltung für alle Interessierten anbieten. Eine Mitgliedschaft in der Energiegenossenschaft ist ab einem Betrag von 1050 Euro möglich. Die DBE Deutsche Bürger-Energie mit Sitz in Nürnberg ist eine von 35 Genossenschaften, die im vergangenen Jahr in Bayern im Bereich Umwelt und Energie gegründet wurden. Nach eigener Darstellung sie jedoch die erste Energiegenossenschaft, die auf deutschlandweite Investitionen setzt. Bislang kann die DBE auf vier Projekte - allesamt Dachflächen-Photovoltaikanlagen - in Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Sachsen verweisen. Der Solarpark Unterhaid wäre das fünfte und, nach den Worten von Geschäftsführer Fürst, größte Vorhaben der jungen Genossenschaft - weitere, nicht nur im Photovoltaik-Bereich, sollen folgen.
Fürst und Hansen schilderten den Gemeinderäten die Vorteile des Genossenschaftsmodells. Dazu zähle - neben der niedrigen Einstiegssumme und dem einfachen Ein- und Austritt - vor allem die demokratische Struktur. Jedes Mitglied habe, unabhängig von der Höhe seiner Einlage, genau eine Stimme in der Generalversammlung. Zudem hafte jedes Mitglied höchstens mit der Summe seiner Einlage.

Diese Einlage besteht aus sogenannten Energiepaketen. Sie setzen sich aus dem Geschäftsanteil an der Genossenschaft (500 Euro), einem Nachrangdarlehen an die Genossenschaft (500 Euro) und dem Eintrittsgeld (50 Euro) zusammen. Wer Mitglied werden will - und sich damit mindestens fünf Jahre an die Genossenschaft bindet - muss also mindestens 1050 Euro investieren. Nach oben ist eine Deckelung auf maximal 100 Energiepakete vorgesehen. Es bestehe zwar immer das Risiko eines Totalverlustes dieser Investition, erläuterte Fürst. Dieses werde aber durch Versicherungen sowie laufende externe Kontrollen durch den Genossenschaftsverband minimiert.
Kosten wird der Solarpark Unterhaid laut Harald Kegelmann, der das Projekt mit seiner Hirschaider Firma Advanced Solar Technologies entwickelt hat, etwa 2,2 Millionen Euro. 80 Prozent davon will die DEB über ein Bankdarlehen finanzieren, 20 Prozent aus dem Verkauf der Energiepakete. Joachim Karl, Geschäftsleiter der Gemeinde Oberhaid, ist aufgrund der bislang positiven Reaktionen und des Interesses aus der Bevölkerung optimistisch, dass sich vor Ort genug Investoren finden, damit der "Bürger-Solarpark Unterhaid" auch diesen Namen verdient. Bürgermeister Carsten Joneitis (SPD) sprach in der Sitzung von einem "Bürgerbeteiligungsmodell, das zu uns passen würde". "Wir hätten und Regionalwerke als Geburtshelfer gewünscht", meinte Joneitis. "So mussten wir es eben selber machen."
Passen würde auch dass eine die als Betreiber geplante "Bürger-Solarpark Unterhaid GmbH & Co. KG" ihren Sitz in der Gemeinde hätte und damit auch die Gewerbesteuer in Oberhaid bliebe. Die DBE-Genossenschaft strebt an 100-prozentiger Kommanditist dieses Unternehmens zu werden.

Nachdem der Gemeinderat in der gleichen Sitzung eine entsprechende Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen und einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufgestellt hat, soll nun alles recht schnell gehen. Voraussetzung ist allerdings, dass das Landratsamt rasch eine rechtskräftige Baugenehmigung erteilt. Laut Fürst und Hansen sollen noch in dieser und der kommenden Woche die Statik des Geländes überprüft und die Solarmodule bestellt werden. Im Laufe des August soll dann die komplette Anlage errichtet werden , sodass die Inbetriebnahme nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bis spätestens 31. August erfolgen kann. Das würde der Genossenschaft noch eine um ein Prozent höhere Einspeisevergütung sichern. Denn diese Einspeisevergütung ist es, mit der der Solarpark Gewinne machen soll.
Doch langfristig ist auch der Eigenverbrauch des selbstproduzierten Stroms denkbar. Angesichts vermutlich stark steigender Strompreise könnten sich "die Bürger jetzt schon an einer Anlage beteiligen, die Strom dann wesentlich günstiger produziert", meint Projektentwickler Kegelmann.