Die Energiewende ist im Erzbistum Bamberg schon angekommen: Nahezu die Hälfte aller 360 Pfarrgemeinden bezieht inzwischen Ökostrom - 20 kirchliche Häuser allein in der Stadt Bamberg. Veraltete Heizungsanlagen wurden ausgetauscht, Wände isoliert, Blockheizkraftwerke für etwa 20 Bauten wie den Bamberger Dom oder das Bistumshaus St. Otto am Heinrichsdamm installiert, Photovoltaik auf Kirchendächern angebracht, Ehrenamtliche im Umweltmanagement geschult. Und das alles mit dem Ziel, Energie einzusparen und den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Diese Zwischenbilanz zog jetzt Erzbischof Ludwig Schick aus der Klimaschutzoffensive seines Bistums, die das Laiengremium Diözesanrat schon 2008 angestoßen hatte.


"Klimaschutz und damit die Bewahrung der Schöpfung hat etwas mit Einhaltung der Gebote Gottes, mit Gottesverehrung und Nächstenliebe zu tun", erklärte Schick mit Blick auf den globalen Klimawandel bei einer Pressekonferenz. Es sei "Aufgabe aller getauften Christen, sich für die Schöpfung stark zu machen", fügte der Erzbischof an. Dazu gehöre, schonend mit den knapper werdenden Ressourcen der Erde umzugehen und auch in den eigenen vier Wänden Strom und Energie zu sparen, "den Lebensstil zu ändern".

1,5 Millionen jährlich

Nach einer Anschubfinanzierung von fünf Millionen Euro im Jahr 2009 stellt der Bistumshaushalt jährlich 1,5 Millionen Euro für Klimaschutzmaßnahmen zur Verfügung. Ein sogenannter Klima- und Energiebeirat kümmert sich um die praktische Umsetzung von Energiesparmaßnahmen. Denn "Energiesparen ist die vernünftigste Energiequelle", so Klaus Schwaab, Umweltbeauftragter des Erzbistums Bamberg. Selbst die vielgepriesenen regenerativen Energien wie Windkraft oder Solar benötigten schließlich Ressourcen wie Boden oder Metall. "Die Windkraft von der Nordsee muss ja erst einmal mit Material nach Bayern kommen", machte Erzbischof Schick auf die problematischen Übertragungswege der Energieerzeuger zum Verbraucher aufmerksam.

In einem nächsten Schritt soll nun der Energieverbrauch aller 3000 Immobilien der Erzdiözese wie Kirchen, Pfarrhäuser, Pfarrheime und Kindertagesstätten systematisch erfasst werden. Danach werden sinnvolle Optimierungsmaßnahmen gesucht: "Wer nicht weiß, wie viel die alte Heizung verbraucht, kann Einspareffekte einer neuen Heizung keinesfalls beurteilen", so der Umweltbeauftragte. Deshalb wird jede Kirchenstiftung einen Energieverantwortlichen benennen, der die Verbrauchsdaten in eine Datenbank der Erzbischöflichen Bauabteilung eingibt. "Damit sind wir unter allen deutschen Bistümern die Champions und nehmen eine Vorreiterrolle ein", sagte Baudirektor Josef Schwab. Die Erhebung der Daten wird finanziell vom Bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert und vom Institut für Energietechnik an der Hochschule Amberg-Weiden ausgewertet.

Gebäude mit besonders hohem Energiebedarf - "die größten Dreckschleudern", so Klaus Schwaab - werden dann gesondert unter die Lupe genommen. Darüber hinaus werden die Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen überprüft, die CO2 -Einsparpotenziale berechnet sowie bauliche Anpassungen, Sanierungen oder verändertes Nutzerverhalten vorgenommen. Auch soll es auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse einen Handlungsleitfaden für alle Liegenschaften im Erzbistum geben. Baudirektor Schwab: "Die Daten werden eine wichtige Grundlage für die effizientere Arbeit in der Bauabteilung darstellen."

Erhebliche Einsparpotenziale

Wie gewinnbringend eine gezielte Untersuchung von Heizungs-, Strom- und Wasserverbrauch sein kann, hat bereits eine entsprechende Auswertung der Daten von Kindertagesstätten ergeben. In Kooperation mit der Caritas Forchheim haben Stromsparhelfer mittlerweile über 200 Kindergärten erforscht und ihre Empfehlungen an die Einrichtungen weitergereicht: "Die Einsparpotenziale sind teilweise erheblich", bilanzierte Alfons Galster, Mitglied im Diözesanrat sowie im Klima- und Energiebeirat.

Auch wenn das Erzbistum Bamberg sich nicht als Energieerzeuger, sondern in erster Linie als Energiesparer versteht, bekommen Solaranlagen auf Kirchendächern oder kirchlichen Gebäuden ihren Stellenwert. So wie die Anlage auf St. Urban am Babenbergerring, die seit Mai 2012 als erste Kirche in der Region Bamberg klimafreundlichen Strom erzeugt. Auch auf dem Dach des Gemeindezentrums sind Module angebracht. Die größte Solaranlage im ganzen Erzbistum befindet sich jedoch auf dem Gebäude Laubanger 23, in dem bis vor einigen Jahren der St. Otto-Verlag samt Druckerei untergebracht war. Diese Anlage "produziert ökologischen Strom im Industriegebiet", erläutert Bertram Pelka, Energieberater im Erzbischöflichen Bauamt. Pelka wirft einen Blick nach vorn: "Langfristig sollen alle Pfarrgemeinden selber Wärme und Strom erzeugen und unabhängig von externen Energielieferungen werden." So steht auch für Erzbischof Schick fest, dass "wir noch nicht am Ziel sind, wir müssen an dieser langen Aufgabe Klimaschutz dranbleiben". Diese Aufgabe solle sich "als roter Faden durch alles kirchliche Bemühen ziehen".