Fritz und Frieda waren die ersten Opfer. Vor zwei Wochen. Letzte Woche wurden Gabi Fischers Zuchtkaninchen Shy, Hazel und Benny im Garten gemeuchelt, und zum Dienstagmorgen waren frei laufende Hunde offenbar wieder in einen Garten eingedrungen. Polizei, Tierschützer, Amtsveterinär und Ordnungsamt sind auf den Plan gerufen. Doch es dauert, bis der Amtsweg die Sicherheit der Memmelsdorfer Mümmelmänner garantieren kann. Im Ort kursieren die wildesten Gerüchte, etwa dass es sich bei den "Killerhunden " um die von der Pizzeria Fortuna gehaltenen handelt. "Die sind es zum Glück nicht", bestätigt Ralf Pfister vom Ordnungsamt der Gemeinde. Die Hunde die Salvatore Barcelona hält, sind Pekinesen und: nachweislich unschuldig.

Seine Hundeführer waren in den letzten zwei Wochen schon mehrfach in Memmelsdorf im Einsatz, bestätigt Baptist Seeber, Ausbildungsleiter Hunde beim OED (Operativer Ergänzungsdienst). Zuletzt wurden sie Dienstagmorgen gerufen. Weil es sich im ersten Fall ziemlich wahrscheinlich um die Hunde des am Ortsrand campierenden Zirkus handelte und dessen Vierbeiner auch im zweiten Fall als verdächtig galten, machten sich die Hundeführer nach dem Dienstags-Notruf direkt zum Zirkus auf. Dort, berichtet Seeber, habe es geheißen, die Hunde seien da. Beim Nachsehen habe sich aber das Gegenteil herausgestellt. Die Hundeführer blieben und warteten; eine Dreiviertelstunde lang. Dann kamen die Hunde zurück, mit Blut an den Körpern.
Die Hundeführer erstatteten Anzeige. Weil für die öffentliche Sicherheit und damit auch die Hundehaltung das jeweilige Ordnungsamt zuständig ist, ging die Anzeige an Ralf Pfister weiter.

Der hatte in der Zwischenzeit schon so einiges an Gerüchten gehört. Erst Gabi Fischer hatte ihn konkret über ihren Fall in Kenntnis gesetzt. Die Hobby-Züchterin hat Anzeige erstattet, zuvor versucht, mit den Zirkusleuten zu sprechen. Die wertvollen Zuchttiere kann ihr sowieso niemand ersetzten, aber sie möchte die verbliebenen Tiere wieder in den Garten lassen können, ohne sie ständig beaufsichtigen zu müssen. Denn dass die Zirkushunde eben nicht ausbruchssicher untergebracht sind, das habe der Fall vom Dienstag gezeigt. Seebers Hundeführer hatten den Zirkusleuten bereits zuvor auferlegt, die Hunde so unterzubringen, dass sie nicht herumstreunen.

Gabi Fischer, die selbst Hunde hat, weiß: Wenn ein Hund erst einmal im wahrsten Sinn Blut geleckt hat, dann wird er es wieder probieren. Die Memmelsdorferin hat auch den Tierschutzverein eingeschaltet, der seinerseits das Veterinäramt. Schließlich hatte Gabi Fischer auch Zweifel, dass die Hunde artgerecht gehalten werden. Wie sie vor Ort erfahren habe, seien die Tiere beispielsweise einige Tage in einem (dunklen) Lkw eingesperrt gewesen. Die Haltung müsse überprüft werden, sagt Marion Hymon-Löffler, stellvertretende Vereinsvorsitzende. Darüber hinaus könne es nicht sein, dass Hunde herumlaufen und wahllos Kaninchen totbeißen, betont sie. Jeder Halter habe schließlich die Pflicht, seinen Hund zu beaufsichtigen.

Erst ab 50 Zentimetern


In Memmelsdorf herrscht von Amtswegen Anleinpflicht, allerdings erst für Tiere ab einer Schulterhöhe von 50 Zentimetern. Die Zirkus-Hunde, vermutlich Französische Bulldoggen, liegen deutlich darunter. Ralf Pfister kann seitens des Ordnungsamtes auf verschiedene Instrumente zugreifen, um das Problem frei laufende (Zirkus-) Hunde in den Griff zu bekommen: Die erste ist ein Bescheid, wonach die Halter aufgefordert werden, ihre Tiere sicher unterzubringen. Das nächste wäre dann ein amtlich angeordneter Leinenzwang und die drastischste Maßnahme die Wegnahme der Hunde. Auch Pfister setzte auf den Amtsveterinär.
Der Leiter des Fachbereichs Veterinärwesen am Landratsamt Bamberg, Hermann Knörl hat sich mit dem Fall befasst. Eine Mitarbeiterin sei Dienstagabend vor Ort gewesen, an der Haltung der Hunde nichts auszusetzen gewesen, gibt er die Schilderrung seiner Mitarbeiterin wieder.

Seit Donnerstag hat Ralf Pfister nun die verschiedenen Polizeiberichte vorliegen. Schließlich bedarf es für den Erlass eines Bescheids auch entsprechender Unterlagen, auf die sich das amtliche Vorgehen stützen kann. Der Bescheid soll am heutigen Freitag übergeben werden. "Wir wollen vermeiden, dass weitere Tiere gebissen oder getötet werden", sagt Pfister. Daran ist Gabi Fischer ebenso gelegen wie Marion Hymon-Löffler und vermutlich allen, die ihre Kaninchen in Freigehegen mit entsprechendem Auslauf halten.

Im Übrigen und damit der Bescheid Sinn macht, bitten Pfister und Knörl um Hinweise darauf, ob möglicherweise wieder Bulldoggen in Memmelsdorf frei laufend oder in Gärten gesichtet werden. Das sollte dem Ordnungsamt, das für öffentliche Sicherheit zuständig ist, umgehend mitgeteilt werden, Telefonnummer 0951/409623.

Damit sie eine Chance haben, ihrerseits Stellung zu beziehen, und ihre Sicht der Dinge zu schildern, suchte die Redaktion besagten Zirkus in seinem Quartier auf. Dort trafen wir aber nur Kinder, die zwar den Kontakt zu den Eltern (vermutlich den Hundehaltern) aufnahmen. Wir sollten in der Redaktion zurückgerufen werden, ließen diese ausrichten. Das war bis Redaktionsschluss leider nicht der Fall, allerdings war die Leitung auch relativ oft belegt. Bis auf einen, korrekt an der Laufleine angeleinten mittelgroßen braunen Hund, war kein weiterer zu sehen. Auf dem Gelände befanden sich verschiedene Transport-Anhänger und ein kleines Gehege, möglicherweise eines für Hunde. Wenn, dann hoffentlich ausbruchsicher...