"Gehst wieder zu deinen Hausdrachen?" Brigitte Kischel, Gründungsmitglied und Ehrenvorsitzende des Clubs moderner Hausfrauen, erinnert sich noch sehr lebhaft an die Worte ihres damaligen Stadtratskollegen Werner Hipelius (CSU), die er ihr Ende der 70er Jahre immer zugerufen hatte, wenn sie es nach der Fraktionssitzung wieder einmal eilig hatte und zu "ihren Frauen" eilte. "Ich habe das freilich nie als Beleidigung aufgefasst, sondern als Kompliment", betont sie. Denn der Club junger Hausfrauen, wie er zu Anfang noch hieß, war weit mehr als nur ein Koch- oder Bastelclub.

Gegründet wurde er im Jahre 1972 im Hertie. Rund 20 Frauen trafen sich damals im Café des Kaufhauses und beschlossen unter dem Vorsitz von Brigitte Kischel, den Club junger Hausfrauen ins Leben zu rufen. "Unsere Aufgaben waren vielfältig. 1973 führten wir zur Begeisterung unserer Mitglieder den ersten Bastelkurs ein oder wir gingen an Grundschulen und sorgten dafür, dass die Schüler ein ausgewogenes Frühstück bekamen", schildert Gründungsmitglied und Erste Vorsitzende Rosemarie Rauch.

Geradezu revolutionär zu jener Zeit war die Einführung eines Frauenstammtisches. "So etwas gab es damals in ganz Bamberg nicht. Stammtische waren eine reine Männerdomäne", schildert die Ehrenvorsitzende Kischel. Doch die Frauen beachteten spöttische Männerbemerkungen erst gar nicht und setzten stattdessen immer wieder eins obendrauf. So kämpften sie unter anderem mit einer großen Unterschriftensammlung für den Erhalt des Hainbades, welches vor über 30 Jahren an den Ruderbootclub gehen sollte. Oder sie erhoben ihre Stimme gegen den Röhrenbrunnen. "Wir fanden diesen Brunnen ja nicht schlecht, doch nicht an dieser Stelle!", erinnern sich die beiden Gründungsmitglieder.

Solche und ähnliche Aktionen gab es in der 40-jährigen Geschichte des gemeinnützigen Vereins unzählige. "Wir wollten nicht nur Hausmütterchen sein, sondern auch unsere Meinung kundtun", betont Kischel. Dennoch habe man dabei nie auch den eigentlichen Zweck des Vereins aus den Augen verloren und immer wieder das Thema Ernährung in den Mittelpunkt gestellt. Darüber hinaus waren die Frauen auch sehr aufgeschlossen gegenüber sozialen Projekten. "Wir haben uns immer wieder Gedanken gemacht, wo jemand Hilfe braucht", schilderte Rosemarie Rauch. Aus diesem Grunde hatten die Frauen beispielsweise die Organisation der jährlichen Herbst- und Weihnachtsfeiern des Altenheims Antonistift übernommen oder die Unterstützung zahlreicher Feste des Altenburgvereins.

Im Jahr 2000 brachte man das Kochbuch "Der modernen Hausfrau in den Kopf geguckt" heraus und bis heute arbeiten die Frauen eng mit dem Umweltamt der Stadt Bamberg zusammen. "Die Erlöse haben wir immer den jeweiligen Vereine oder Institutionen zur Verfügung gestellt", sagt die Erste Vorsitzende. Viele Spendengelder haben die Hausfrauen, die sich 1979 in "Club der modernen Hausfrauen" umbenannten, auch durch das "bunte Faschingstreiben" am Maxplatz erzielt. "Seit 1978 bis Ende der 90er Jahre haben wir jährlich am Faschingsdienstag mit einem bunten Programm immer Zehntausende auf den Maxplatz und in die Innenstadt gelockt", berichtet Brigitte Kischel. Im Rahmen der dort jeweils stattfindenden Tombola konnten im Laufe der Jahre weit über 500 000 Euro erwirtschaftet werden, die wiederum an verschiedenste Bamberger Einrichtungen gespendet wurden.

Inzwischen ist es etwas ruhiger um den Frauenbund geworden. "Uns plagen wie alle anderen Vereine Nachwuchssorgen", bedauert die Vorsitzende. Das Durchschnittsalter im Verein betrage derzeit um die 60 Jahre. Dennoch seien die rund 330 Mitglieder noch immer sehr aktiv. "Basteln spielt im Club heute zwar keine Rolle mehr, aber wir haben ein attraktives und zeitgemäßes Programm rund um Kultur, Reisen, Gesundheit, Ernährung, Wellness und Reisen", resümiert Rosemarie Rauch.

Im Rahmen des Festaktes zum 40-jährigen Jubiläum wurden die drei Gründungsmitglieder Irene Gabold, Rosemarie Rauch und Brigitte Kischel für ihr 40-jähriges Engagement beim Club der modernen Hausfrauen von Staatsekretärin Melanie Huml (CSU) ausgezeichnet. Rosemarie Rauch erhielt ferner aus den Händen der Staatssekretärin das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten überreicht.