Finsteres Mittelalter oder durch die Romantiker verklärte Harmonie? Kriminalgeschichte des Christentums oder Schutzheilige Heinrich und Kunigunde? In etwa diesem Spannungsfeld bewegt sich der Beitrag des E.T.A.-Hoffmann-Theaters zum Domjubiläum. Wie schon 2007, als 1000 Jahre Bistum Bamberg gefeiert wurden, ließ es sich Intendant Rainer Lewandowski nicht nehmen, in einer Spielhandlung die damaligen Ereignisse dem Publikum näherzubringen.
Wobei, naturgemäß, die Handlung von "Im Himmel hinterlegt", dem diesjährigen Stück der Calderón-Spiele in der Alten Hofhaltung (Premiere Donnerstag, 5. Juli), fiktiv ist. Ausgedacht jedoch auf der Basis von Dokumenten, Überlieferungen, Geschichtsbüchern unter Verwendung einer Szene, die der ehemalige Domkapitular Alois Albrecht verfasst hat. Zeit: 1007, das Jahr der Bistumsgründung, bis 1012, dem Jahr der Weihe des Heinrichsdoms. In Auftrag gegeben hatte Heinrich II. seinen Prestigebau bereits 1004. Im Zentrum des Geschehens werden der Dombaumeister Jakob (Florian Walter) stehen und der Steinmetzmeister Lothar (Volker J. Ringe). Aber auch das Kaiserpaar Heinrich (als Gast Jochen Brunner) und Kunigunde (Nadine Panjas wird durch die Alte Hofhaltung wandeln. Auf der Dombaustelle passieren seltsame Dinge, Unfälle, Sabotageakte gar, und die Frau des Dombaumeisters spielt auch eine nicht gleich durchschaubare Rolle. Es ist nicht auszuschließen, dass der Würzburger Bischof hinter all dem steckt ... In gewissem Sinne ein Mittelalter-Krimi also.
Regisseur Gerhard Fehn, der in Bamberg schon etliche Stücke inszeniert hat, für die Calderón-Spiele den "Don Camillo", ist sich der Schwierigkeit eines solchen Historienspiels wohl bewusst. Es ist eine uns vollkommen fremde Zeit, dieses Hochmittelalter, mit einer überbordenden Frömmigkeit aus Furcht vor allen Fährnissen der Welt einerseits, mit einer feudalen Sozialstruktur, die wir nicht mehr nachvollziehen können, andererseits. Der Heinrich-und-Kunigunde-Hype, weiß Fehn, setzte erst im Spätmittelalter ein, 400 Jahre nach der gespielten Zeit von "Im Himmel hinterlegt". Er will das Kaiserpaar auch als Machtmenschen zeigen, die auf der Klaviatur der Intrigen, der Privilegien und auch roher Gewalt durchaus zu spielen wussten. "Denkt nicht zu modern!", schärft er seinen Akteuren immer wieder ein, etwa wenn es ums "Nackenbeugen" vor dem Herrn oder die Rolle der Frau geht.
Das rohe, raue Leben auf dem Domberg zu jener Zeit soll durchaus geschildert werden, auch wenn Schafe und Ziegen - zu viele Auflagen - draußen bleiben müssen. Erstmals wird ein 16-köpfiges "Bürgerensemble" mitspielen, das man sich als eine Art missing link zwischen Statisterie und professionellen Schauspielern vorstellen muss. Ein halbes Jahr lang haben die Amateur-Schauspieler geprobt, an altem Werkzeug geübt und sich auch im Instrumentenbau versucht, sagt musikalischer Direktor Franz Tröger. Er setzt alte Choräle ein, aber auch für nicht ganz so geschulte Ohren mittelalterlich klingende Lieder. Es gibt keine Pause, das Stück dauert knapp zwei Stunden.

Uraufführung 5. Juli, 20.30 Uhr, Alte Hofhaltung, Bamberg. Weitere Vorstellungen 10.bis 15. Juli, 17. bis 22. Juli; Karten unter der Telefonnummer 0951/873 030 oder E-Mail kasse.theater@stadt.bamberg.de