Schwester Birgit Fischer führt Besucher gern in die Kapelle, die Herzkammer des Hauses St. Franziskus am Jakobsberg 11. Die Konventleiterin der drei St. Franziskusschwestern will aber nicht nur die sakrale Ausstattung durch den Künstler Alfred Heller zeigen, die farbigen Glasfenster, das Kreuz, den Tabernakel. Unaufdringlich macht die 64-jährige Ordensfrau klar, woraus sie und ihre Mitschwestern Kraft schöpfen für ihre Aufgaben in der Welt: aus dem Gebet, aus der Feier der Eucharistie.

Auch Schwester Dolores Tacz (68) und Schwester Berthilde Beringer (75) strahlen diesen inneren Frieden, diese Ruhe aus, die sie immer wieder in diesem Kapellchen finden. Oder in einer der zahlreichen Kirchen Bambergs, in denen die drei Franziskusschwestern gern Gottesdienste mitfeiern.

Apropos feiern: Gibt es ein Fest zum Jubiläum? Seit 90 Jahren leben und wirken nun schon Franziskusschwestern in Bamberg.
1923 zogen die ersten zunächst in das Haus am Jakobsberg 17 und begannen mit ambulanter Krankenpflege in der ganzen Stadt. "Ob wir feiern? Da müssen Sie unsere Generaloberin fragen", lacht Schwester Birgit und blättert in der Hauschronik. Das 50. und 75. Jubiläum seien allerdings tatsächlich gefeiert worden. Da müsste doch eigentlich auch der 90. Geburtstag begangen werden.

Fünf Orden in einem Haus

Schließlich hat das Haus St. Franziskus "einen Chef und viele Firmen", wie Schwester Dolores trocken bemerkt. Chef, nun das ist der Herrgott höchstpersönlich. Und die Firmen sind immerhin fünf Orden, die im Haus vertreten sind: Eben die St. Franziskusschwestern, die sich ihre Wohnung mit einer indischen Schwester der "Sisters of Mary Immaculate - Schwestern von der Unbefleckten Maria" teilen, die derzeit eine Ausbildung zur Altenpflegerin macht.
Eine weitere Wohnung wird von vier Schwestern der indischen Kongregation "Adoration-Sisters" genutzt, die im Caritas-Altenpflegeheim St. Walburga arbeiten. Des Weiteren ist der Comboni-Missionar Pater Andreas Thorwarth dabei, aus dem inzwischen verwaisten Missionshaus St. Heinrich in das Haus St. Franziskus umzuziehen. Und dann gibt es noch die therapeutische Jugendwohngruppe der Salesianer Don Boscos im Haus.

"Mir würde etwas fehlen ohne die Bamberger Filiale", bekennt Regina Pröls, die Generaloberin der Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen. "Bamberg ist wichtig, weil es unsere Bischofsstadt ist", fügt sie hinzu. Und die Franziskusschwestern seien nun einmal eng mit den Erzbischöfen, denen sie zum Beispiel bis 2002 auch den Haushalt führten, verbunden: als einzige Diözesankongregation, die als solche 1921 ihre Anerkennung durch Erzbischof Jakobus von Hauck bekommen habe. Nur wenige Jahre nachdem die Schwesterngemeinschaft - 1890 in München gegründet - sich in Vierzehnheiligen niederließ: nämlich 1913.

Nachwuchssorgen

In dieses 100. Jubiläumsjahr 2013 sind natürlich auch die Bamberger Schwestern eingebunden, in das vielfältige Programm, mit denen an Wurzeln erinnert und in die Zukunft geblickt werden soll. "Das Hundertste erleben wir hier in Bamberg nimmer, da muss man gut zu Fuß sein auf diesem Pflaster", meint Schwester Birgit lakonisch und spielt über ihre Sorgen um fehlenden Ordensnachwuchs hinweg.

Eine solche Sorge habe es in früheren Jahren nicht gegeben, als das Haus St. Franziskus noch genügend Kandidatinnen und an der Universität studierende Mitschwestern beherbergte. Oder sich auch Mädchen aus dem Frankenwald, die als Internatszöglinge darin lebten, für den Schritt ins Kloster erwärmen konnten.

Gerade Schwester Dolores weiß nur zu gut, wie schwer junge Menschen heutzutage für Gott und Kirche begeistert werden können. Seit über 40 Jahren erteilt sie Religionsunterricht an verschiedenen Bamberger Schulen sowie in Lisberg und Priesendorf. Schwester Berthilde macht sich als Mesnerin im Walburgis-Heim nützlich. Und Konventsleiterin Birgit kümmert sich darum, dass die bunt zusammen gewürfelte Hausgemeinschaft funktioniert und überhaupt der Haushalt läuft.

Die langjährige Pflegedienstleiterin im ordenseigenen Waldkrankenhaus in Erlangen hat auch dafür gesorgt, dass die grundlegende Sanierung des Hauses St. Franziskus im vergangenen Jahr reibungslos über die Bühne ging.

Ja, wird denn nun der 90. Geburtstag gefeiert oder nicht? Die Generaloberin überlegt noch, die Bamberger Schwestern formulieren immerhin schon Wünsche: "Dass weiterhin im Haus St. Franziskus Ordensjugend leben und studieren kann", möchte Schwester Birgit statt anderer Geburtstagsgeschenke. "Die Bamberger mögen wissen, dass franziskanische Spiritualität in der Stadt vertreten ist", erhofft sich Schwester Dolores und verweist über den eigenen Tellerrand hinweg auch auf die Dillinger Franziskanerinnen im Montanahaus am Friedrichsbrunnen.

Zur Diözesankongregation St. Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen gehören derzeit 166 Schwestern im Alter von 25 bis 95 Jahren. Es gibt drei Novizinnen. Die Kongregation hat 13 Filialen in Bayern, die 14. in Obertrubach muss im Jubiläumsjahr aufgelöst werden. Die Franziskusschwestern unterhalten Niederlassungen in Peru, Indien und Kroatien. Sie sind auch Arbeitgeber für weltliches Personal in verschiedenen Einrichtungen: rund 1000 Mitarbeiter werden beschäftigt.

Die Schwestern sind in Bereichen wie Alten- und Krankenpflege, Medizin, Pharmazie, Jugendpastoral, geistliche Begleitung, Sozialarbeit, Schule oder Seelsorge tätig. Die offizielle Jubiläumsfeier "100 Jahre Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen" mit Erzbischof Ludwig Schick findet am 14. September statt. Näheres unterwww.franziskusschwestern-vierzehnheiligen.de