Fast vier Stunden redete sich der Reckendorfer Gemeinderat die Köpfe heiß: Die Kanalbefahrung in Reckendorf, der Dauerbrenner Umgehung B 279 und der Haushalt 2016 waren Themen, die die Gemüter erhitzten und aufzeigten, dass Reckendorf durchaus eine Gemeinde mit nicht geringem Streitpotenzial ist, auch wenn als Ergebnis der demokratischen Auseinandersetzung am Ende ein letztlich klares Ergebnis stand.

Schon ein gutes Stündchen dauerte der Vortrag von Ingolf Eckert vom Ingenieurbüro Höhnen und Partner, der über das Ergebnis der Kanalbefahrung im Bereich Südwest und der Schloss- und Mühlgasse referierte. 23 300 Euro kostete die vorgeschriebene Durchleuchtung von 4000 Metern Kanal in Reckendorf, das insgesamt über 15 900 Meter verfügt.
Glück hatten dabei die Reckendorfer, dass bei fünf Schadensklassen kein sofortiger Handlungsbedarf erkennbar war, die Gemeinde also noch mindestens zwei Jahre Luft hat, festgestellte Mängel wie Längs- und Querrisse, undichte Rohrverbindungen oder nicht fachgerecht verlegte Stutzen und Abzweige zu beheben. Immerhin 575 Mängel wurden so festgestellt, eine umfassende Sanierung in diesem Bereich würde 292 000 Euro kosten, eine komplette Erneuerung der Kanalhaltung stolze 780 000 Euro. Die Behebung der vorrangigen Schäden wäre mit 79 000 Euro vergleichsweise günstig, doch angesichts der angespannten Haushaltslage in Reckendorf vertrat der Rat die Meinung, selbst diese kleine Lösung auf das nächste Haushaltsjahr zu verschieben.

Noch als zufriedenstellend bezeichnete Kämmerer Bernhard Weber die Finanzlage der Gemeinde Reckendorf. Durch die hohen Investitionen im letzten Jahr mit dem neuen Kindergarten in Höhe von 953 300 Euro, dem Grunderwerb und der Straßenerschließung im Baugebiet "Knock" mit 240 000 Euro und dem Breitbandausbau mit 180 730 Euro stieg der Schuldenstand Ende 2015 auf 1 064 248 Euro, der einer Pro-Kopf-Verschuldung von 519 Euro entspricht.


Die dicksten Brocken

Dicke Brocken in diesem Jahr sind die Kosten für die Teilsanierung der Baunacher Schule, wo zunächst die Heizung erneuert werden soll (223 000 Euro), die Sanierung der Seitenbachstraße (205 000 Euro), das Baugebiet "Knock" (110 000 Euro) und der Breitbandausbau (300 000 Euro). Unbefriedigend ist die Situation bezüglich des alten Kindergartens, der an die Awo, Kreisverband Bamberg, vermietet werden soll, die ihrerseits das Gebäude für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge herrichtete. Diese blieben aber wegen der nachlassenden Flüchtlingsstroms aus, infolgedessen auch die eingeplanten Mietzahlungen. So blieb Bürgermeister Manfred Deinlein (SPD) nichts anderes übrig, als den schon im August 2015 getätigten Beschluss vorzulegen, die Hebesätze für die Grundsteuer A und B um 100 Punkte auf 420 Prozent anzuheben, um dem großen Darlehensbedarf gerecht werden zu können. Zähneknirschend stimmte der Gemeinderat mit einer Gegenstimme dieser Anhebung und der Haushaltssatzung zu, der Reckendorf nun Mehreinnahmen von 37 000 Euro beschert.

Trotz alledem mahnte der Kämmerer an, nicht nur Einnahmeerhöhungen, sondern auch Ausgabenminderungen anzustreben. Durch das neue Baugebiet "Knock" seien die Mittel in den nächsten Jahren stark gebunden und für weitere Investitionen kaum finanzieller Spielraum.


Votum für "Ostumgehung"

Einen erneuten Versuch startete Bürgermeister Deinlein, nun endlich auch für Reckendorf zu einer Entscheidung bezüglich der Umgehung der B 279 zu gelangen. Nachdem sich der Rat im April mit knapper Mehrheit gegen die vorgeschlagene Osttrasse entschied und ein Bürgerbegehren favorisierte, gelang es dem Bürgermeister nun, die Unentschlossenen von der Lösung "Ostumgehung" zu überzeugen, die mit 8:5 Stimmen eine Mehrheit fand.

Zu drohend stand das Damoklesschwert über Reckendorf, am Ende isoliert dazustehen, hatte sich der Nachbar Baunach zuvor doch eindeutig für die Ostumgehung starkgemacht, die dann im schlimmsten Fall vor Reckendorf enden würde. Als nicht seriös und dubios bezeichnete Deinlein eine im Vorfeld durchgeführte Unterschriftenaktion, wo sich 760 Reckendorfer Bürger für eine Sanierung der Hauptstraße einsetzten und eine Umgehung gänzlich ablehnten. Ungeachtet der Klientel der Unterschriften (Kinder, Asylbewerber) seien sich offensichtlich viele der "Unterschreiber" nicht bewusst, welche Folgen dies für Reckendorf hätte.

Spielplatz wird auf Vordermann gebracht

Damit der Tagesordnungspunkte nicht genug: Tanja Potrykus von "Spieleträume Bamberg" erläuterte die Umbau- und Sanierungsmaßnahmen auf dem Spielplatz des alten Kindergartens. Abgebaut werden soll der Rutschenturm, der Wasserbereich wird belassen, die Röhre saniert und ein neues Klettergerüst in futuristischer Form sowie Nester mit Plattformen und Podeste an bestehende Bäume angegliedert. "Mitmachen kann jeder", rief Tanja Potrykus zur Mithilfe auf. Die Kosten stehen indes noch nicht, da, so Deinlein, ein potenzieller Sponsor sich erst im Juli erklären würde.

Ernster wird es mit der Sanierung des Bahnhofsgebäudes, für das 15 000 Euro Fördermittel bereitstehen. Damit sollen das Dach, die Fassade und die Fensterverkleidung als Schautafel bewerkstelligt werden.
Bernhard Müller (SPD) sah die Mittel als viel zu gering an und befürchtete, dass die Sanierungskosten zu einem "Fass ohne Boden" ausufern könnten. Trotzdem beschloss der Gemeinderat einstimmig, die Arbeiten über den Bauausschuss zu vergeben.

Unterstützt wird von der Gemeinde Reckendorf das Elektromobilitätskonzept des Landkreises Bamberg. Nachdem man sich bereits im Oktober 2015 für die Anschaffung einer Ladesäule entschieden hatte, beschloss man nun die Aufstellung einer zweiten Säule, deren Finanzierung durch die Unterstützung gastronomischer Betriebe in Reckendorf abgefedert wird. Eine Ladesäule wird am Biergarten an der Mühlgasse, die zweite am Kirchplatz aufgestellt.