"Wir sind von Kultur umzingelt", ist sich Alexandra Eyrich sicher. Von der Streitkultur über die Esskultur bis hin zum Kulturbeutel: Kultur ist überall. Um das zu verdeutlichen, hat sich die Märchenpädagogin, Buchautorin und -illustratorin als "Kultfigur" verkleidet, mit einem rosafarbenen rechteckigen Kostüm.

Doch im Schulalltag bleibt oft viel zu wenig Zeit, um sich näher mit Literatur, Musik, Tanz oder Theater zu beschäftigen. Deshalb vermittelt der Kultur- und Schulservice Bamberg (KS Bam) seit 2007 Bildungseinrichtungen Kontakte zu kulturellen Bildungsangeboten. Und diese sind in Stadt und Landkreis Bamberg durchaus reichlich. Laut dem KS Bam, der zum städtischen Kulturamt gehört, beteiligten sich bereits in der Pilotphase rund 60 kulturpädagogische Kooperationspartner an dem Projekt "Kultur.Klassen". 19 Schulen und zwei Kindergärten aus Stadt und Landkreis nahmen die Angebote in Anspruch. Das Kulturklassen-Projekt wird von zahlreichen Sponsoren finanziert, darunter Stiftungen, Fonds und Unternehmen.




In einer 90-minütigen Unterrichtseinheit pro Woche beschäftigten sich Schüler und Kindergartenkinder mit einer selbstgewählten kulturellen Disziplin. Das Motto lautet: "Perspektiven wechseln, Horizonte erweitern, Schlüsselerlebnisse fördern". Werner Hipelius, Bürgermeister, Kultur- und Schulreferent der Stadt Bamberg, lobt, dass die Kulturklassen Fähigkeiten wie Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein, Kritik- und Kommunikationsfähigkeit fördere. Im nächsten Schuljahr gehe das Projekt mit noch mehr teilnehmenden Schulen und Kindergärten in die zweite Runde, kündigte Hipelius an.

Die Pilotphase begann im September 2010. Jetzt, mit Ablauf des zweiten Schuljahres, ging sie zu Ende. Und die beteiligten Schulklassen und Kindergartengruppen präsentierten im E.T.A. Hoffmann-Theater auf Schautafeln, was sie in den letzten zwei Jahren geschafft haben.

"Am Anfang haben manche gesagt: Malen? Poetry Slam? Kann ich nicht", erzählt eine Lehrerin im Rahmen des Festaktes. Aber dann, so erzählte sie weiter, hätten manche Schüler ganz neue Talente bei sich entdeckt.
Alexandra Eyrich, die den offiziellen Abschluss der Kulturklassen-Pilotphase moderierte, hat ein Märchen- und ein interkulturelles Projekt betreut. Die Schüler hätten ganz unterschiedlichen Altersgruppen angehört, erzählt sie: "Eine Klasse der Luitpoldschule hat für die Jubiläumsfeier der Schule neun Märchen der Brüder Grimm einstudiert, mit Musik, Tanz und Erzählung."

Das Zuhören fördern

Mit sehr jungen Schülern oder Kindergartenkindern müsse man dagegen anders arbeiten: "Da kommt es eher darauf an, das Zuhören zu fördern und die Begeisterung für Märchen zu wecken." Auf jeden Fall seien alle Kinder und Jugendlichen - unabhängig vom Alter - sehr interessiert gewesen und hätten gut mitgemacht.
Beim interkulturellen Projekt standen die verschiedenen Weltreligionen im Mittelpunkt. Dabei habe sie versucht, Vorurteile abzubauen, erzählt Alexandra Eyrich: "Es gibt ja viele Klischees. Nicht nur über den Islam, auch über das Christentum." Die Arbeitsweise war diesem Projekt praxisorientiert, erzählt Eyrich: "Durch Rituale, Lieder Tänze, durch Erfahrung mit allen Sinnen."

Bamberg ist eine der ersten Städte in Deutschland, in denen es ein Kulturklassen-Projekt gibt. Viola Kelb von der Bundesvereinigung Kultur- und Jugendbildung (BKJ) ist aus dem nordrhein-westfälischen Remscheid angereist. Die BKJ ist ein Dachverband der kulturellen Kinder- und Jugendbildung in Deutschland. Kelb erwähnt, dass der KS Bam zu den diesjährigen Gewinnern des Mixed Up-Preises gehört, mit dem besonders gelungene Kooperationen zwischen Kulturträgern und Schulen geehrt werden. Verliehen wird der Preis am 20. September in Potsdam.

Elke Bauer ist Lehrerin an der Giechburgschule in Scheßlitz. Sie hat mit einer achten Klasse an einem Theaterprojekt teilgenommen. "Am Anfang war ich mir nicht sicher: Werden die Schüler mit den Künstlern zusammenarbeiten?", erinnert sich die Pädagogin. Doch dann hätten die Schüler mehr und mehr ihr "eigenes Ding" entwickelt, das Theaterstück "Brudermord". "Und wenn ich sie gefragt habe, wie wir jetzt weitermachen, haben sie gesagt: ,Frau Bauer, wir müssen das erst in der Gruppe besprechen. Würden Sie bitte kurz rausgehen?' Das ist doch toll."