Hirschaid
Sanierungsprojekt

Schritt zum Erhalt der "Judenschule"

Sanierungsprojekt Hirschaid will das Gedenken an seine ehemalige jüdische Gemeinde wahren und der Schuljugend Geschichte zum Begreifen ermöglichen.
Foto: Werner Baier
Foto: Werner Baier
Der Marktgemeinderat hat die Weichen für den Erhalt des Anwesens Nürnberger Straße 12 gestellt. Es handelt sich dabei um ein barockes Bauernhaus, das als ehemalige "israelitische Religionsschule" für die Ortsgeschichte von großer Bedeutung ist. Nach teilweise kontroverser Diskussion wurde mit 14:8 Stimmen beschlossen, eine Rückübertragung und Nutzung der Immobilie anzustreben. Das Haus und seine Rückgebäude befanden sich jahrzehntelang im Eigentum des Marktes Hirschaid, der es 1939 der Israelitischen Kultusgemeinde abgekauft hatte. Es diente am Beginn des 20. Jahrhunderts als Elementarschule für die Kinder der jüdischen Bevölkerung Hirschaids; bis in die 1930er Jahre wurde allerdings nur noch Religionsunterricht erteilt. Die letzten jüdischen Bewohner des Hauses waren der Religionslehrer David Kahn, seine Frau Cerry und die 1931 geborene Tochter Frieda. Sie wurden 1942 aufgrund der nationalsozialistischen Rassegesetze deportiert. In einem der Vernichtungslager des Ostens kamen sie ums Leben.
1983 wurde das Anwesen im Zusammenhang mit der Ansiedlung von Möbel Neubert zum Tauschobjekt: Die Bauernfamilie Büttel stellte für den Neubert-Bau Ackerland zur Verfügung. Neben einer finanziellen Entschädigung erhielt sie zum Ausgleich das unmittelbar an ihren Hof angrenzende Grundstück mit der schon damals vom Verfall bedrohten "Judenschule". Als die Familie Büttel das Hauptgebäude an der Nürnberger Straße abreißen und durch einen Neubau ersetzen wollte, wurde es nachträglich auf die Denkmalliste gesetzt. Seitdem ist es dem Verfall preisgegeben. Ein neuerlicher Anlauf des Noch-Eigentümers, die Immobilie für seinen Hofnachfolger zu nutzen, brachte im Vorjahr Bewegung in die Grundstücksfrage. Da bei dieser ganz speziellen Hausgeschichte ein Abriss nicht wirklich in Betracht gezogen werden kann, geht es nun um den Erhalt und die künftige Nutzung. Manche in Hirschaid diskutieren freilich auch eine rabiate Lösung.

Eine angemessene Zukunft des Objekts wird dadurch ermöglicht, dass die Familie Büttel in eine Rückübertragung einwilligt. Der Wert der Immobile soll nun durch den Gutachterausschuss des Landkreises Bamberg ermittelt werden.

Reste einer Regenwasser-Mikwe


Ein Zeugnis für die jüdische Besiedlung sind Reste einer Mikwe, die inzwischen vom Landesamt für Bodendenkmalpflege dokumentiert worden sind. Es handelte sich dabei nicht um eine der üblichen Grundwassermikwen. Das in einem Anbau des Hauses untergebrachte Ritualbad wurde von Regenwasser gespeist. Bis heute sind Zu- und Ablauf erkennbar. Dann soll die Mikwe aber auch nicht unter einem Betondeckel im Neubau der Familie Büttel verschwinden, wünscht der Gemeinderat. Es soll architektonisch eine Lösung gefunden werden, um diese Badevorrichtung den künftigen Besuchern des Denkmals zeigen zu können, forderte CSU-Fraktionssprecher Klaus Homann. Dass die Denkmalbehörde nach der Dokumentation des Bodendenkmals mit seiner Verschließung einverstanden wäre, löste im Gemeinderat Verwunderung aus.

Alternativen nicht aufgezeigt


Bürgermeister Schlund ließ durchblicken, dass die Idee, die ehemalige Judenschule in jenen Zustand zu versetzen, den sie zum Zeitpunkt der Deportation der Familie Kahn vermutlich hatte, bei den Fachbehörden Zustimmung findet. Die hier greifbare Geschichte ließe sich auch wunderbar in das Bildungskonzept einfügen, das mit dem Ausbau des Schlosses Sassanfahrt verfolgt wird: ein kleines örtliches Dokumentationszentrum der jüdischen Landgemeinden ist das vage Ziel, von dem Kurt Barthelmes von der WG Regnitzau angetan ist. Albert Deml (Ökologische Liste) sprach von einer Chance, die man nicht vergeben dürfe.

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