Oft stellt sich für Haus- und Grundeigentümer die Frage: Was tun mit der vorhandenen, aber nicht mehr dem heutigen Wohnkomfort entsprechenden oder für die bisherige Funktion nicht mehr benötigten Bausubstanz? Eindrucksvolle Lösungen zeigen die vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberfranken im Konventbau Klosterlangheim (Kreis Lichtenfels) ausgezeichneten Maßnahmen privater Bauherren aus Oberfrankens Dörfern.

Die prämierten Objekte wurden von einer unabhängigen Jury ausgewählt, der Thomas Gunzelmann vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Michael Kestel, Kreisbaumeister a.D., der Architekt Fritz Wiesneth sowie die Sachgebiets-leiterin Dorferneuerung am ALE Oberfranken Christiane Schilling angehörten.


Barockes Fachwerk freigelegt

In der Kategorie "Revitalisierung von denkmalgeschützten Gebäuden" wurde die Sanierung und Umnutzung der ehemaligen Gastwirtschaft "Zum Raben" in Rattelsdorf ausgezeichnet. Beeindruckt hat dabei vor allem die Wiederherstellung der historischen Außenfassade. Durch die Freilegung des barocken Fachwerks im Obergeschoss, dem Einbau von neuen Holzfenstern mit typischer Sprosseneinteilung und einer dazu passenden neuen Haustüre, der neuen Sandsteintreppe in Verbindung mit dem von Fliesen befreiten Sandsteinsockel sowie der Erneuerung der Fenstergewände im Erdgeschoss ist ein Schmuckstück entstanden, das den unter Ensembleschutz stehenden historischen Ortskern weiter aufwertet.

Aber auch im Innenausbau wurden mit Sachverstand und sehr viel Eigenleistung die vorhandenen historischen Elemente, wie z.B. Türen, Decken, Treppen und die Fachwerkkonstruktionen repariert und behutsam ergänzt. Besonders schön und hervorzuheben sind die wiederhergestellten originalen Holzbodenbeläge sowie die farbigen Steinbeläge im Erdgeschossbereich. Aus denkmalpflegerischen Gründen kam nur eine Innendämmung mit Schilfdämmplatten in Frage, auf denen die Leitungen einer Wandheizung verlegt wurden. Eine Pelletheizung im angrenzenden ehemaligen Stallgebäude sorgt für die Wärmeerzeugung. Die Bauherrin Christiane Paul hat mit der Restaurierung und Nutzung dieses Baudenkmals, für das sie wie die anderen Bauherren mit einer Porzellanplakette und einer Urkunde ausgezeichnet wurde, ihr Lebensglück gefunden.

Ein dem Verfall preisgegebenes historisches Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert erwarb der benachbarte Brauereieigentümer Christian Sauer in Roßdorf am Forst, Gemeinde Strullendorf. Mit Unterstützung eines denkmalerfahrenen Architekten führte er mit sehr viel Fachverstand und Eigenleistung die Restaurierung und Sanierung des eingeschossigen Satteldachbaus aus. Durchfeuchtete Mauern und konstruktive Mängel im Dachtragwerk galt es zu beseitigen, bevor eine neue Nutzung mit zwei Wohneinheiten erfolgen konnte. Die Neueindeckung mit Biberschwanzziegeln, die Restaurierung des Fachwerks, die Erneuerung der Fenster einschließlich der Fensterläden, die Betonung der Fensterlaibungen und des Sockels sowie die neue Haustüre sind nach außen Zeugnis einer gelungenen Sanierung.


Balkenbohlendecke erhalten

Im Inneren musste das Gebäude mit einer Wandsockelheizung energetisch ertüchtigt werden und die noch vorhanden historischen Elemente wie die Zimmertüren restauriert und nötigenfalls ergänzt werden. Hervorzuheben ist vor allem auch die Erhaltung und Restaurierung der vorhandenen Balkenbohlendecke. Dafür gab es eine Auszeichnung für die "Revitalisierung von denkmalgeschützten Gebäuden".

Drei oberfränkische Baumaßnahmen konnten in der Kategorie "Sanierung und Umnutzung von ehemals landwirtschaftlich genutzten Nebengebäuden" ausgezeichnet werden. Eines der Projekte war die Umnutzung und Neugestaltung der ehemaligen Holzlege und der Maschinenhalle sowie die Gestaltung der Freiflächen des Schulbauernhofs in Stolzenroth (Gemeinde Pommersfelden) durch den Verein "Heinershof e.V.", die über die Dorferneuerung unterstützt wurden. Der frühere landwirtschaftliche Betrieb ist heute Lernort für Kinder und Jugendliche. Treibende Kraft, Visionärin und Vorsitzende des Vereins ist Tina Sickmüller, die Nichte des früheren Betriebsleiters. Das Zentrum des Schulbauernhofs befindet sich in der großen, wunderschön ausgebauten Scheune des Heinershofes. Sie bietet Platz für ca. 30 Kinder und ihre Betreuer. Die Kinder lernen und begreifen durch eigenes Tun die Grundbegriffe landwirtschaftlicher Produktion.


Bauerngarten lebt auf

Das Wohnhaus wird als Kindertagesstätte genutzt und in den Stallgebäuden sind Werkräume, eine Backstube, eine Käserei, eine Probiertheke und eine Steinmetzwerkstatt eingerichtet. Die ehemalige Holzlege und die Maschinenhalle wurden zu Viehstallungen (Hühner-, Hasen- und Schweinehaltung) und weiteren Kinderwerkstatträumen umgenutzt, ausgebaut und mit Holzverschalungen und neuen Satteldächern gestalterisch aufgewertet. Die Außenanlagen erhielten anstelle der Betonsteinplatten im Hof Granitkleinsteinpflaster, wurden mit Pflanz- und Rasen- oder Schotterflächen im inneren Hofbereich sehr schön gestaltet. Auch ein Bauerngarten im hinteren Hofbereich wurde wieder angelegt. red