Am Maxplatz gab es gestern einen Tetrapack Milch, Schweineschmalz und Sonnenblumen gratis - und zwar direkt vom Erzeuger, den Bauern der Region. "Wenn unsere Milch und unsere Schweine schon nichts mehr wert sind, dann können wir sie auch gleich verschenken", wetterte Hermann Greif, Präsident des Bauernverbandes in Oberfranken.

Mit dieser Aktion wollten die Landwirte auf die Schleuderpreis aufmerksam machen, die sie für ihre Produkte erhalten. So müssten Bambergs Bauern, wie Greif unterstrich, nicht nur aufgrund der extremen Trockenheit dieses Jahres große Ernteausfälle hinnehmen, auf ihren Rücken würde zudem eine Rabattschlacht der Handelskonzerne ausgetragen. Erzeuger ("So kann und darf es nicht mehr weitergehen. Lebensmittel sind mehr wert! Wenn jetzt nichts passiert, wird früher oder später unsere Landwirtschaft aussterben") warnte der Präsident des Bauernverbandes Oberfrankens.

Denn schon jetzt würden die Landwirte für ein Kilogramm Schweinefleisch gerade mal 1,36 Euro und für einen Liter Kuhmilch nur noch 0,28 Euro erhalten. Im krassen Gegensatz aber stünde, wie Forchheims Kreisbäuerin Rosi Kraus schilderte, dass Verbraucher - ohne mit der Wimper zu zucken - für einen Liter Katzenmilch rund zwei Euro ausgeben würden. "Ihre normale Milch ist ihnen aber gerade mal 50 Cent wert", sagte sie. Aber bei den aktuellen Schleuderpreisen würden nicht nur die Erzeugnisse der Landwirte verramscht, sondern es droht auch deren Aussterben. "Und wer pflegt dann unsere Landschaft, wenn es die Bauern nicht mehr gibt?", gab sie zu bedenken.


"Verbraucher müssen umdenken"

Es könne doch nicht sein, so ergänzte Landesbäuerin Anneliese Göller, dass die Produktionskosten für ein Ferkel bei 60 Euro lägen, die Landwirte vom Handel aber gerade einmal 38 Euro dafür bekämen. Das seien schlichtweg Saupreise zum Weglaufen! "Daher müssen die Verbraucher nun umdenken. Oftmals wird für Aluminiumfelgen für Autoreifen viel Geld ausgegeben. Beim Lebensmittel allerdings wird gespart. Unsere Mittel zum Leben sollten uns mehr wert sein", sagte die Landesbäuerin. Daher forderte sie jeden Verbraucher auf, am besten beim Erzeuger direkt, beim Metzger oder wie in Bamberg auf dem Bauernmarkt einzukaufen.

"Mit der Protestaktion und unseren Plakaten wollen wir deutlich machen, dass am Ende wir alle die Verlierer in dieser Rabattschlacht sein werden", betonte Heinrich Faatz, Kreisobmann des Bauernverbandes Bamberg. Denn wer Nachhaltigkeit und Qualität haben will, dürfe nicht so mit den landwirtschaftlichen Produkten und seinen Bauern umgehen. Schließlich seien es die Landwirte, die mit ihrer oft harten Arbeit jeden Tag auf's Neue dafür sorgten, dass die Versorgung mit sicheren und gesunden Lebensmitteln gewährleistet sei.

Und dies sei, so Faatz weiter, keineswegs so selbstverständlich wie es die vollen Regale im Supermärkten suggerierten. "Aufgrund der Trockenheit dieses Jahres liegen die Erträge beim Raps und Getreide deutlich unter dem Vorjahr", berichtete Faatz. Auch bei den Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben würden wegen des Wassermangels immense Schäden erwartet.

Im Landkreis Bamberg beträgt - laut dem Bayerischen Bauernverband (BBV) - die Landkreisfläche rund 117 000 Hektar. Davon werden aktuell 50 000 Hektar als landwirtschaftliche Fläche und rund 45 000 Hektar als Forstfläche genutzt. Am meisten wird im Landkreis Winterweizen, Winter- und Sommergerste sowie Silomais und Winterraps produziert. Insgesamt gebe es in der Region noch 1739 landwirtschaftliche Betriebe. Aber lediglich 342 würden als Haupterwerb bewirtschaftet. Über zwei Drittel der Bauern seien im Nebenerwerb tätig. Ferner gebe es in der Region Bamberg noch 382 Milchviehhalter. Im Durchschnitt halte jeder von ihnen knapp 28 Kühe.