Es weht ein rauer Wind. Nicht nur auf dem Jura. Im oft überhitzten Streit um neue Windräder tut sachliche Information und Diskussion not. Bei einer Veranstaltung im Viereth-Trunstadter Ortsteil Weiher, wo sich massiver Widerstand gegen Pläne für einen Windpark regt, hatte darum der Heiligenstadter Bürgermeister Helmut Krämer (Einigkeit) das Angebot an alle - an Gegner und Befürworter - gemacht, sich in seiner Gemeinde von einem bestehenden Windpark ein Bild zu machen.

Von denen, die immer Schall und Schattenwurf im Munde führen, hatte es offenbar keiner nötig, sich direkt vor Ort in Oberngrub mit eigenen Ohren und Augen zu informieren. Ein Bus, den der Verein Vierether Kuckucks-Ei organisieren wollte, auch mit Halt in Weiher und Viereth, blieb leer. Dabei hätte es durchaus etwas zu hören und zu sehen gegeben. Ja, man hört es schon deutlich, wenn man direkt vor dem Windrad steht.
Eine Unterhaltung in der gut 20-köpfigen Gruppe, die sich in Oberngrub eingefunden hat, ist dennoch in normaler Lautstärke möglich.

In 900 Metern Entfernung ist dann nichts mehr von den Rotoren zu vernehmen. 930 Meter beträgt laut Bürgermeister Krämer der Abstand zwischen dem nächstgelegenen der fünf Obern gruber Windräder und dem ersten Wohnhaus des Ortes. Allerdings ist es nicht immer so still. "Vor allem im Herbst, wenn es neblig und feucht ist, da hört man schon mal was", sagt Alexander Hattel, der als Elektriker die Anlage vor Ort betreut und selbst in Oberngrub wohnt.

Nachts manchmal ein Rauschen

Dass bestimmte Wetterlagen die Ausbreitung von Schall begünstigen, bestätigt auch Thomas Foken, Professor für Mikrometeorologie an der Uni Bayreuth. An etwa zehn Tagen im Jahr sei es so, dass man im Ort nachts draußen das Rauschen höre, berichtet Hattel. Bei geschlossenen Fenstern sei aber nichts mehr zu hören. "Und die hat man zu der Jahreszeit ja auch selten offen", sagt Hattel.

Und der vielbeklagte Schattenwurf? Auch den hat Hattel selbst im Wohnzimmer. Nur im September und Oktober erreicht der den Ort, wenn die Sonne sehr tief steht - theoretisch an maximal 36 Stunden im Jahr. Tatsächlich sind es eher nur zehn Stunden, da zu der Jahreszeit nicht so oft die Sonne scheint. "Es kann schon irritieren. Aber es wandert mal zehn Minuten durchs Zimmer, dann ist es wieder weg", meint Hattel.

Eiswurf? Fehlanzeige

Den ebenfalls oft als Gefahr genannten Eiswurf hat er als Betreuer der Anlage nicht kennengelernt. Wenn die Eissensoren etwas meldeten, bleibe die Anlage sofort stehen. Tote Vögel? Bürgermeister Krämer meint, er sei oft hier draußen. Er habe selbst noch keinen gesehen. Von den Einheimischen widerspricht ihm keiner.

"Das fünfte Windrad hätte vielleicht nicht gebaut werden sollen", räumt Georg Bittel, Land- und Gastwirt in Obern grub, Gemeinderat und Befürworter des Windparks, ein. Doch als nach zwei Klagen im Jahr 2005 der Weg für den Bau des Windparks frei war, habe der Betreiber die vorgelegten Pläne nicht mehr geändert, um nicht in ein neues Genehmigungsverfahren zu müssen. Auch die Windräder selbst waren 2005 nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik. Heutige Rotoren wären nicht nur weit effizienter, sondern auch leiser.

Stimmung schwankt

Und wie hat sich die Stimmung im Dorf entwickelt , seit es Ende der 90er-Jahre als Standort für einen Windpark ins Gespräch kam? "Die Oberngruber waren damals ganz angetan. Dann ging es aber ziemlich rund", erinnert sich Krämer, seit 1990 Bürgermeister von Heiligenstadt. "Ganz am Anfang hat's keinen gestört", sagt auch Bittel.

Ab 2001 habe es dann zunehmend Widerstand gegeben. "Die Konfrontation erfasste den ganzen Ort." Manche gingen nicht mehr ins Wirtshaus - und einige kommen bis heute nicht mehr zu ihm. Andere in Oberngrub haben auch ihre Meinung geändert, wie etwa Kreisrätin Anita Hoh (CSU), die anfangs den Windpark strikt ablehnte. "Es gibt immer noch Gegner", sagt Bittel. "Aber jetzt redet eigentlich keiner mehr darüber." Zum Windpark, der nun seit fast acht Jahren steht, meint er: "Er stört nicht mehr. Man sieht ihn einfach nicht mehr."

"Gegen die Akzeptanz der Bevölkerung kann man keinen Windpark bauen", stellt Helmut Krämer fest. Man müsse die Menschen mitnehmen, gibt er allen mit auf den Weg. In Obern grub habe man das Feld zu sehr den Gegnern überlassen. Inzwischen hat man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Zum einen, was die Gesellschaftsform betreffe. Der nächste Windpark auf dem Heiligenstadter Gebiet soll als GmbH & Co. KG mit Beteiligung der Marktgemeinde, der Regionalwerke Bamberg, der Stadtwerke Ebermannstadt und der Bürger errichtet und betrieben werden. Aus Oberngrub fließen außer den Pachtbeträgen fast alle Einnahmen an eine dänische Investorengruppe.

Zum anderen ist man klüger geworden, was die Bürgerbeteiligung betrifft. "Wir haben in allen Orten, die infrage kommen, Versammlungen abgehalten und abstimmen lassen", berichtet Krämer. Hohenpölz, das als Standort fast so gut geeignet wäre wie Oberngrub, habe mit einer einzigen Stimme Mehrheit gegen ein Vorranggebiet votiert. "Das ist nun mal Demokratie", sagt Krämer. In Brunn dagegen hätte sich kein Einziger dagegen ausgesprochen.

Übernachtungszahlen gesteigert

Schließlich geht der Bürgermeister auch noch auf das oft vorgebrachte Argument ein, dass Windräder schädlich für den Tourismus seien. "Die Leute kommen nicht wegen der Windräder oder bleiben deswegen weg", stellt Krämer fest. Und er belegt es mit Zahlen. Obwohl einige Gasthäuser geschlossen haben, konnte Heiligenstadt die Übernachtungszahlen von 2005 bis 2012 von 56.000 auf 62.000 steigern, die Verweildauer erhöhte sich von durchschnittlich 2,9 auf 3,5 Tage.