Darf man im Februar noch einen Neujahrsempfang abhalten - zumal schon der Fasching seinem Höhepunkt entgegensteuert? Darf man dann den Besuchern noch einen "guten Start ins Neue Jahr" wünschen? Der Bamberger Kreisverband der SPD war sich sicher: natürlich darf man - und lud zum Neujahrsempfang in den Renaissance-Saal des Rathauses Schloss Geyerswörth ein.

Kreisvorsitzender Felix Holland erklärte auch, warum die Sozialdemokraten so spät feiern: "Wir haben es mit der Terminierung im Februar geschafft, die Flut an Neujahrsempfängen in den ersten Wochen des Jahres zu reduzieren und haben für Entzerrung Ihrer Terminkalender gesorgt." Daher sollten die Gäste lieber dankbar sein für den späten Termin und die SPD für ihre Weitsicht loben.

Zu den Neujahrsglückwünschen gestand Holland, dass die Benimm-Expertin Ulrike-Ebba Gräfin von Sparr aus Karlsruhe empfiehlt, nach dem 10. Januar auf Glückwünsche zu verzichten, da die meisten Menschen zu diesem Zeitpunkt bereits im neuen Jahr angekommen seien. "Nach dieser Aussage liegen wir von der SPD etwas daneben. Aber: Mittlerweile werden ganze Weihnachtsfeiern in den Januar verschoben. Auch gilt der Januar streng genommen noch zum alten Jahr, weil viele Dinge, die man im Dezember erledigen wollte, auf den Januar verschoben werden", so der Kreisvorsitzende. Und da das neue Jahr im Grunde erst dann beginne, wenn man sich vom Fasching erholt habe, liege die SPD mit ihrer Terminierung goldrichtig.

Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) wollte beim Neujahrsempfang nicht weiter rückwärts, sondern vielmehr in die Zukunft blicken. "Das vergangene Jahr war schon ereignisreich, aber ich kann Ihnen versichern, das vor uns liegende wird nicht minder spannend." Denn Bamberg stehe vor einer großen Zahl von Herausforderungen, die es zu meistern gelte. So beispielsweise schnellstmöglich so viel wie möglich von der Lagarde-Kaserne in Bamberger Händen zu bringen, nach 18 Jahren endlich mit dem Bau des Quartiers an der Stadtmauer zu beginnen sowie die Schulsanierungen und die Schaffung von Kindertagesplätzen fortzusetzen.

Der Festredner des Abends, der bayerische SPD-Fraktionsvorsitzender Markus Rinderspacher, stellte die Flüchtlingspolitik in den Mittelpunkt. "Ich verstehe die Gefühlswelt vieler Menschen in Deutschland ganz gut, die am Anfang die Flüchtlinge fast euphorisch begrüßt hatten und nach den Vorfällen von Köln nun Angst und Misstrauen haben", sagte er. Allerdings seien Grenzzäune und hermetisch abgeschlossene Grenzen eindeutig ein falsches Signal. Überhaupt würden schnelle Lösungen Deutschland auf Dauer nicht weiterbringen. "Wir müssen mehr auf die Solidarität der Europäischen Gemeinschaft pochen und in den Nachbarstaaten von Syrien oder Afghanistan die humanitären Verhältnisse verbessern, damit sich die Menschen erst gar nicht auf den Weg nach Europa machen", forderte der SPD-Politiker.


Ruf nach mehr Krippenplätzen

Bei allen Herausforderungen in Sachen Asylpolitik dürfe man aber auch nicht die "Einheimischen" selbst vergessen. Es brauche in Deutschland dringend bezahlbaren Wohnraum ebenso wie eine gute frühkindliche Bildung - gerade in Bayern. "Denn im landesweiten Vergleich kommen wir im Freistaat gerade einmal auf den 15. Platz. Es fehlen jede Menge freie Plätze in Kindertagesstätten wie auch zahlreiche Erzieher", wetterte Rinderspacher.

Auch im sozialen Bereich müsse vielmehr geklotzt anstatt immer nur gekleckert werden. Denn hier sei in den letzten zwei Jahrzehnten drastisch gespart worden. So gab es im Jahre 1990 noch 12 000 sozial geförderte Wohnungen in Bayern. Heute seien es gerade einmal 1200 Sozialwohnungen. Ein Minus von 90 Prozent!
Rinderspacher warnte aber auch davor, die Grundfesten der Demokratie zu erschüttern. "Die AfD müssen wir auf demokratischem Weg entzaubern. Zudem wollen wir in Deutschland weder Neonazis und Rassisten noch jedwede braune Gewalt", betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Den Schlusspart des Empfangs übernahm der SPD-Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz. Er hatte die erfreuliche Aufgabe, das SPD-Mitglied Rudi Peterhänsel für 60 Jahre Parteimitgliedschaft bei den Sozialdemokraten zu ehren.