Die Aufgabe für die Architekten war klar: "Ein Ort, der keiner ist, will einer werden." So hatte es der Sieger des Gestaltungswettbewerbs für das "Quartier an der Stadtmauer" selbst umschrieben. Die Stuttgarter MGF Architekten GmbH trägt nun den Lorbeerkranz und muss sich doch darauf gefasst machen, noch einmal loszuspurten. Denn "es gibt Nacharbeitungsbedarf, es wird weiter diskutiert. Doch es ist die richtige Spur für ein sensibles, kleinteiliges Gebiet gelegt", betonte Michael Ilk, Baureferent der Stadt Bamberg, bei der gestrigen Vorstellung des Siegerentwurfs im Sparkassengebäude Lange Straße.

Auch für Axel Funke trifft der Preisträger die "Grundaussagen für das Quartier an der Stadtmauer so, dass sie realisiert werden können". Als Vorsitzender der Geschäftsführung des Projektentwicklers Multi Development Germany GmbH lobte Funke die "Flexibilität", die der Siegerentwurf biete, "ohne dass der Architekt seine Handschrift aufgeben muss". Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Konrad Gottschall sprach von einer "riesigen Hürde", die mit der Sieger-Kür endlich genommen sei. Von einem "geschichtsträchtigen Tag", der nicht zuletzt für die Sparkasse als Grundstückeigentümer des Quartiers zwischen Franz-Ludwig- und Lange Straße in die Annalen eingehe.

Bevor die Bagger anrollen, muss das übliche Verfahren durchlaufen, also der "Vorhaben bezogene Bebauungsplan" erstellt und genehmigt werden. Baureferent Ilk schloss einen Baubeginn in diesem Jahr aus und stellte 2013 in Aussicht. Bis 2015 könne dann das Quartier an der Stadtmauer "mit seiner architektonischen Qualität, seiner modernen und individuellen Konzeption und seiner lebendigen Einkaufs- und Erlebniswelt eine besondere Adresse für Bamberg und die Region werden". Das Investitionsvolumen beträgt etwa 45 Millionen Euro.

Das Preisgericht, das einstimmig für die MGF Architekten GmbH votierte, zeigte sich von dem vorgelegten Konzept überzeugt. Es bewertete die Attraktivität der Ladenzonen als auch die Erschließung der Einzelhandelsbereiche positiv. Auch würdigten die Preisrichter die "hohe Qualität" der Wohnungen in den Dachgeschossen mit uneinsehbaren Terrassen. Städtebauliche Räume seien in dem Projekt gut gelöst. Es werde für Bamberg ein neuer Ort geschaffen, "der räumlich atmosphärische Dichte mit hohem Identitätswert vereint". Eine Vorgabe des Gestaltungswettbewerbs war schließlich, dass sich die geplanten Neubauten hinsichtlich Kubatur und Fassadenbild einschließlich der Dachlandschaft optimal in die Baustrukturen der umgebenden Altstadt einpassen. Ferner sollten neu geschaffene öffentliche Bereiche der Wege und Plätze im Inneren des Quartiers einbezogen werden, um eine bessere Vernetzung der Langen Straße mit den verschiedenen Einkaufslagen der Innenstadt zu erreichen.

Professor Carl Fingerhuth, Berater für Stadtentwicklung, machte bei der Siegervorstellung auf einen wesentlichen Aspekt aufmerksam: nämlich auf die Integration historischer Überreste - wie die Stadtmauer aus dem 13. und 15. Jahrhundert im Zentrum des Quartiers sowie die Reste eines jüdischen Tauchbads (Mikwe) an Ort und Stelle. Diese Zeugnisse der Geschichte wolle der Siegerentwurf für die Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar machen.

Auch die beiden Baudenkmäler Keßlerstraße 38 und Promenadestraße 7 sollen integriert und städtebaulich aufgewertet werden. Aus den Konzeptentwürfen geht jedoch hervor, dass die Gebäude über der Mikwe aufgegeben werden, da eine "aufwendige Restaurierung von Fragmenten nicht möglich ist". Gleichwohl sicherte Projektentwickler Funke zu, dass versucht werde, die "Belange des Denkmalschutzes zu sichern". Auch Bedenken wegen möglicher "Anlieferung mit großvolumigen Lkw" wollte Axel Funke ausräumen: "Es gibt nur eine Kleinanlieferung und keine Lasterkolonnen". Es würden nun Partner gesucht "für eine attraktive Einzelhandelsnutzung".