Bamberg
Denkmalschutz

Rettung für ein bedrohtes Denkmal in Bamberg

Die Stiftung Weltkulturerbe der Stadt Bamberg hat das Haus Nürnberger Straße 2 gekauft. Das stadtbekannte Barockgebäude befindet sich in erbärmlichem Zustand und soll in den nächsten Jahren saniert werden.
Der Inbegriff eines verwahrlosten Denkmals: So präsentiert sich das Haus Nürnberger Straße 2 seit Jahrzehnten. Fotos: M. Wehner
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Tausende Autofahrer rollen täglich daran vorbei, meist mit einem Abstand von wenigen Zentimetern. Doch nur hart gesottene Zeitgenossen können sich an diesen Anblick gewöhnt haben: "Dieses Haus ist wahnsinnig schön. Jedesmal wenn ich vorbei gefahren bin, habe ich mir gedacht, da muss man doch was machen", sagt Jörg Händler, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg.
Die Gebete mitfühlender Autofahrer scheinen erhört worden zu sein. Am Dienstag berichtete Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) unserer Zeitung vom Kauf der Immobilie durch die Stiftung Weltkulturerbe der Stadt Bamberg. Langwierige Verhandlungen mit einer Erbengemeinschaft seien vor wenigen Tagen vom Erfolg gekrönt worden. Starke, Vorsitzender der Stiftung, geht davon aus, dass der Sanierung des stadtbekannten und in sehr schlechtem Zustand befindlichen Denkmal nun nichts mehr im Wege steht.
Das "Barockschlösschen in exponierter Lage" solle dauerhaft gesichert werden.

Was genau mit dem Haus geschieht, ob es für eine öffentliche Einrichtung oder für Wohnzwecke genutzt wird, steht noch in den Sternen. Auch hat die letzte Bewohnerin ein Wohnrecht, bis die Sanierung beginnt. Unzweifelhaft ist jedoch, dass die Weltkulturerbestiftung, die jährlich über hundertausend Euro in den Erhalt alter Häuser steckt, mit der Sanierung ein Beispiel für vorbildlichen Denkmalschutz in der Welterbestadt geben will. Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar spricht von einem Leuchtturmprojekt, das dazu dient bekannter zu werden und zusätzliche Mittel zu erwirtschaften.

Zur Eile genötigt sah sich die Weltkulturerbe-Stiftung wegen der zunehmenden Baufälligkeit: "Der reiche Stuck an der Hausfassade wird den Winter wohl nicht überleben", hieß es in einer Zustandsbeschreibung aus dem vergangenen Jahr.

Nach Angaben der städtischen Denkmalbehörde stammt das Haus mit einem Mansardwalmdach aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und ist ein typisches Beispiel für ein Bürgerhäuschen aus jener Zeit. Besonderes Kennzeichen ist sein über aus reichhaltiger Fassadenschmuck.

Die Bemühungen, das Haus zu retten, sind fast genauso alt wie das Gebäude selbst. Sie reichen bis in die 20er Jahre des vorigen Jahrhundert zurück, als der damalige Eigentümer Martin Hohner ein Darlehen von der Stadt in Höhe von 300 Mark aus dem Fond zur Erhaltung alter Wohngebäude für Reparaturen erhielt.

Rund 60 Jahre später appellierte Gerd Zimmermann, der damalige Vorsitzende des Historischen Vereins, an den OB , für den Erhalt des Denkmals zu sorgen. Grund: Schon vor Jahrzehnten zeigte das Haus an der Kreuzung starke Verfallserscheinungen. Doch blieb dieser Vorstoß ähnlich erfolglos wie spätere Initiativen in den 90er Jahren und im letzten Jahrzehnt.

2010 schließlich hat die Stadt versucht, das marode Haus an der Nürnberger Straße in die Förderung für Welterbeprojekte aus dem Konjunkturpaket I aufzunehmen. Von der Sanierung des Denkmals mit künstlerisch hochwertigem Fassadenschmuck könne eine Signalwirkung ausgehen, hieße es in der Projekt-Begründung. Doch auch dieses Unterfangen schlug fehl, das Projekt kam nicht auf die Zuschussliste.

Der Kauf durch die Welterbestiftung schien somit die letzte Rettung für das Haus zu sein, zumal sich private Investoren bislang zurückhielten. Dies hat nicht nur mit dem hohen Sanierungsaufwand zu tun, den die Stadt mit rund einer Million Euro beziffert. Allen Beteiligten schien stets klar, dass der ruinöse Zustand des Hauses auch mit seiner Lage zu tun hat: Es ist auf drei Seiten fast ohne Umgriff vom Autoverkehr umzingelt. Für OB Starke ist deshalb klar, dass man an dieser Stelle auch über den Verkehr wird noch einmal nachdenken müssen.
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