Mit Abkürzungen ist das so eine Sache. Meistens weiß man am Ende ja doch nicht so genau, was sich wirklich dahinter verbirgt - selbst in der Unesco-Welterbe Stadt Bamberg würden wohl nur wenige auf Anhieb den sechs Buchstaben die richtigen Begriffe zuordnen können. Noch schwieriger wird es, wenn die Abkürzung, eine ganz andere Bedeutung suggeriert, als eigentlich dahinter steckt. Das sogenannte Leader-Förderprogramm der EU ist eine solche.

Im Englischen steht das Wort Leader für Anführer, Führer. Im Sinne der EU steht der Begriff Leader für (Achtung französisch): Liaison entre actions de développement de l'économie rurale - in deutsch wird es nur unwesentlich verständlicher: Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft.

"Wenn ich erklären muss, was Leader-Förderung bedeutet, sage ich immer: das sind die führenden Projekte in einer Region.
Projekte, die bei anderen die Idee auslösen, so was könnten wir auch machen", sagt Marion Hartmann. Sie muss es wissen. In dem Verein Lokale Aktionsgruppe Region Bamberg (LAG) organisiert Hartmann alles, was nötig ist im Vorfeld, um einen Antrag auf Leader-Förderung bei der EU einzureichen.

Von Zielen, Projekten und Bürgern

Es beginnt bei den Bürgern. Im Januar wurde eine Bürgerbefragung durchgeführt. Jeder konnte sagen, was ihm an der Region gefällt, wo er Probleme sieht, was sich ändern soll. Öffentlicher Nahverkehr und Naherholung waren die häufigsten Kritikpunkte.

Die Ergebnisse wurden in einer Konferenz im März den Mitgliedern der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) vorgestellt. Mitglied kann jeder Bürger werden, momentan sind es 70. Dort wurde festgelegt, welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen. In vier weiteren Sitzungen wurden dann die Ziele formuliert - in Arbeitsgruppen von bis zu 20 Personen aus Vereinen, Organisationen oder auch einfachen Bürgern.

Am Anfang, sagt Hartmann, habe sie schon ein wenig gezweifelt, ob sich die Vorstellungen, die die EU hat, auch wirklich umsetzten lassen. Am Ende habe es besser geklappt, als erwartet. Die Ziele wurden formuliert, Projekte definiert. Als "Lokale Entwicklungsstrategien" wurde alles in einer Konferenz Anfang November den Mitgliedern der LAG noch einmal abschließend zur Genehmigung vorgelegt.

Der Entschluss fiel einstimmig, sagt Hartmann. Am 28. November kann der genehmigte Antrag auf Leader-Förderung dann abgegeben werden. Zunächst auf Bayernebene, dort werden die Anträge aller bayerischen LAGs, insgesamt 68, dann gemeinsam an die EU weitergeleitet. Einen Wettbewerb der LAGs werde es aber untereinander nicht geben, sagt Hartmann, es werde bei der Entscheidung um die Qualität der Anträge und damit auch der Projekte gehen.

Wie zum Beispiel der Mehrgenerationenplatz Rattelsdorf. Die Spielplatzkommission des Ratteldorfer Marktgemeinderats kam damals auf die Idee, einen solchen Platz anzulegen. Bei der Suche nach Fördermöglichkeiten sei man dann auf der Leader-Programm gestoßen, sagt Roland Imhof, Geschäftsführer der Gemeinde. Jetzt müsse man eben abwarten, ob man die Zuschüsse bekomme.

Ein Platz für Besucher und Einheimische aller Generationen soll es werden. Ein Grillplatz, eine Sitzecke und ein Unterstand für die Radfahrer soll es geben. Die Radfahrer, die über den Radweg, der durch das Ort führt immer wieder in Rattelsdorf landen.

Ein Projekt mit Mehrwert

Die Projekte sollen, sagt Hartmann, die Lebensqualität in der Region steigern: Wandern, kulturelle Veranstaltungen, Produkte vor Ort einkaufen, die aus der Region stammen, all das gehört für Hartmann zur Lebensqualität.
Sechs Jahre dauert die Förderperiode.

Damit ein Projekt unter die Leader-Förderung fallen kann, darf es mit keiner anderen Förderung abgedeckt sein, es muss innovativ sein und ein Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Eine Million Euro, das sei das Ziel, vielleicht werde es sogar mehr, im vergangenen Förderzeitraum waren es 1,4 Millionen Euro - 30 Projekte konnten damit unterstützt werden. Grundsätzlich aber gelte, entweder alles oder nichts.
Der Antrag werde entweder angenommen und die vollen Mittel zur Verfügung gestellt, oder er wird abgelehnt, und es gibt gar nichts. Die Chancen, sagt Hartmann, seien aber ganz gut. Schließlich hätte die Region Bamberg erst eine Förderperiode hinter sich.

Und die sieben Start-Projekte, die mit dem Antrag eingereicht werden mussten, sind nur ein Ausschnitt. Da ging es vor allem darum, Projekte zu wählen, die bereits so ausformuliert und geplant sind, dass mit ihnen auch sofort gestartet werden kann, wenn die Fördermittel ausgeschüttet werden. Im November 2015, das ist der Plan.

Im Februar wird mit dem Ergebnis gerechnet, ob der Antrag anerkannt wird, und sich der Aufwand gelohnt hat, sich durch einen Berg an Vorgaben zu kämpfen. Und Abkürzungen. Apropos: Unesco steht für United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization.