Viele Bamberger Gläubige haben am Sonntag früh sicherlich kritisch zum Himmel geblickt und gebangt, ob die dunkle Regenwolke Bamberg und damit die bevorstehende Muttergottes-Prozession verschonen wird.
Denn, so sagt die Legende, wenn die Prozession nicht ausziehen kann, werde es Krieg geben. Das war 1914 und 1939 der Fall.

Zeitweise schien die Sonne

Am Ende jedoch konnte die Muttergottes-Prozession ihren angestammten Weg von der Oberen Pfarre am Kaulberg hinunter in die St. Martinskirche am Grünen Markt ganz ohne jeglichen Regentropfen nehmen. Zeitweise zeigte sich sogar die Sonne.

Dennoch hatte man den Eindruck, dass die Prozessionsteilnehmer dem Wetter nicht ganz so trauten und zumindest auf dem Hinweg einen schnelleren Schritt einschlugen.


Nach einem Zwischenstopp vor dem Altar der Institutskirche der Englischen Fräulein erreichte das von Häckern getragene Gnadenbild aus der Oberen Pfarre zusammen mit dem Allerheiligsten die Martinskirche, wo eine größere Menge von Gläubigen bereits betend wartete. Hier standen sich schließlich die glorreiche Muttergottes (aus der Oberen Pfarre) mit dem geborenen Jesus auf dem Schoss und die schmerzhafte Marienfigur mit dem verstorbenen Gottessohn aus St. Martin einige Minuten gegenüber. Im Gebet gedachte man unter anderem der verfolgten Christen, ehe die Prozession durchs Alte Rathaus in die Obere Pfarre zurückkehrte.

Die erste Marienprozession fand im Jahre 1700 statt. Allerdings bewegte man sich damals noch im Pfarrsprengel. Erst ab dem Jahre 1702 ging man nach St. Martin. Sie findet seither immer am Sonntag nach dem Fest "Mariä Aufnahme in den Himmel" (15. August) statt.