Weil sich Kirchenverwaltung und politische Gemeinde nicht auf die Finanzierung dringend notwendiger Reparaturen verständigen können, droht dem Kindergarten St. Nikolaus in Reckendorf das Aus. Zwischen den Stühlen sitzen der rührige Trägerverein, das Personal und natürlich auch die Eltern der rund 90 dort betreuten Kinder.

Bei einer Versammlung am Montagabend, zu der der Kindergarten und der Caritas-Kindergartenverein St. Nikolaus als Träger der Einrichtung nicht nur Eltern, sondern auch Bürgermeister Klaus Etterer (CSU) und den Gemeinderat geladen hatten, wurde nun deutlich, dass die Gemeinde wohl nicht mehr an einer Fortführung des bisherigen Modells interessiert ist, sondern bis 2014 den Bau eines neuen Kindergartens mit einer oder zwei Krippengruppen plant, der von einem freien, nichtkirchlichen Träger übernommen werden soll. Bereits am Dienstagabend stellten sich zwei interessierte Verbände im Gemeinderat vor.
Ob ein für Freitag vereinbartes Gespräch zwischen Gemeinde, Kirche und Trägerverein der Entwicklung noch eine Wendung geben kann, ist fraglich.

Der Konflikt um den Kindergarten zieht sich schon ein paar Jahre hin. Er gipfelte jüngst darin, dass sich beim Kindergartenverein aufgrund der zugespitzten Situation kein neuer Vorstand fand, also die Auflösung des Vereins und damit Schließung des Kindergartens droht.

Der Kindergarten St. Nikolaus wurde 1986 gebaut, finanziert zu zwei Dritteln von der Gemeinde Reckendorf und zu einem Drittel von der Caritas der Diözese Würzburg. Anschließend schenkte die Gemeinde das Gebäude samt Grundstück der Kirche, die ihrerseits die Trägerschaft übernahm. Offenbar ohne schriftliche Vereinbarung übernahm dann die Gemeinde auch zwei Drittel der Kosten von Unterhaltsmaßnahmen.

Kindergarten nur noch geduldet

Das funktionierte, so lange keine größeren Sanierungsarbeiten anstanden. Nach Informationen von Ralf Schug, seit zwei Jahren Erster Vorsitzender des Kindergartenvereins, kam es dann 2006 erstmals zu einem Konflikt über die Kostenübernahme von Reparaturarbeiten. Daraufhin habe dann die Kirchenstiftung einen Nutzungsvertrag mit dem Kindergartenverein abgeschlossen, der nun monatlich 400 Euro Miete zahlte, die für den Eigenanteil künftiger Reparaturkosten hergenommen werden sollten - nach dem Schlüssel 66,6 Prozent Gemeindeanteil, 20 Prozent Diözese und 13,3 Prozent Kirchenstiftung. Erneut Streit gab es dann, so Schug, 2010/2011 als wegen verstopfter Rohre und feuchter Decken und Wände umfangreiche Arbeiten anstanden. Eine vom Kindergartenverein gewünschte Defizitvereinbarung, Schug spricht von einer "Kooperationsvereinbarung", wies die Gemeinde schon damals zurück. Und auch am Montag lehnte es Bürgermeister Etterer erneut vehement ab, einen "Freibrief zum Schuldenmachen" zu unterschreiben.

Aufs Neue verschärft hatte sich die Lage im vergangenen Jahr. Wegen der baulichen Mängel, die nicht beseitigt werden, zahlt der Kindergartenverein seit Januar 2012 keine Miete mehr. "Die Kirchenstiftung verzichtete auf Mieteinnahmen, da der Gebäudezustand dies nicht mehr länger erlaubte", schreibt Dekan Stefan Gessner in einer Stellungnahme. Der Nutzungsvertrag wurde gekündigt. "Seit August 2012 haben wir den Caritas-Verein gerne im Gebäude geduldet. Allerdings bestehen seitens der Kirchenstiftung keine Verpflichtungen mehr (z.B. Gebäudeunterhalt, Instandsetzungen,...)", heißt es in der Stellungnahme weiter.

Verkauf an Gemeinde gescheitert

Alle Gespräche seither brachten kein Ergebnis. Die Diözese ist nicht bereit, ihren Anteil von 20 Prozent zu erhöhen, die Gemeinde lehnt es ab, nun 80 Prozent der anstehenden Kosten zu übernehmen. Anstehende Sanierungsmaßnahmen werden deshalb nicht ausgeführt. Der geplante Verkauf des Gebäudes an die Gemeinde scheiterte an der Frage der Trägerschaft.
Kindergartenleiterin Elvira Lappe war am Tag nach der Versammlung etwas entsetzt über die gegenseitigen Schuldzuweisungen. Und darüber, dass offenbar schon alles klar ist. "Es soll doch noch Gespräche geben", sagt sie.

Dass die Eltern in der Versammlung prinzipiell nichts gegen einen neuen Kindergarten einzuwenden hatten, kann sie gut verstehen. Den mehrfach geäußerten Wunsch vernommen, man möge doch mit dem bisherigen Team, mit dem alles so gut laufe, und auch mit einem örtlichen Trägerverein weitermachen, hat sie wohl vernommen. Bürgermeister Etterer lehnte das aber ab. "Die Frage ist nun, was die nächsten zwei Jahre passiert", sagt die Kindergartenleiterin. Ob der Trägerverein bereit sei, die Zeit zu überbrücken, sei fraglich.