Bamberg
Denkmalpflege

Rauch von Generationen wird entfernt

Im ältesten Raum des Bamberger Schlenkerla arbeiten seit kurzem Restauratoren. Sie befreien die Malerei auf der gotischen Gewölbedecke von teerigen Rückständen aus den letzten 84 Jahren.
Diplom-Restauratorin Agnes Kuhn bei der Arbeit . Wie sein Urgroßvater anno dominie 1926 ließ sich der heutige Schlenkerla-Chef Matthias Trum an einem Bogen des Deckengewölbes als Auftraggeber der Restauratoren verewigen. Fotos: Matthias Hoch
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Selbst im weltberühmten Schlenkerla gibt es so etwas wie ein "Januarloch". Inhaber Matthias Trum nützt die Besucher schwache Zeit in diesem Jahr, um die historische Dominikanerklause - die frühere Kapelle des ehemaligen Dominikanerklosters aus dem 14. Jahrhundert - restaurieren zu lassen. Vor allem das gotische Spitzgewölbe bedurfte dringend einer Reinigung.

1926 wurde der Raum für immer dem Gasthaus zugeschlagen. Damals wurde die Decke in der heutigen Form bemalt und seitdem habe man sich nicht mehr daran gewagt, berichtet der Hausherr. Abgesehen von Ausbesserungsarbeiten im Abstand von zwei bis drei Jahren sei nicht viel im historischen Gastraum gemacht worden. Der Aufwand, sagt Trum, habe sich auch nicht gelohnt, so lange zum Rauchbier noch kräftig geraucht wurde. Nach kurzer Zeit wäre wieder alles von einer teerigen Schicht überzogen gewesen.

Das seit Sommer 2010 geltende bayerische Rauchverbot hat die Situation grundlegend verändert. Und weil heuer zudem relativ viel Zeit bis zum Aschermittwoch bleibt, der mit dem Fastenbier-Anstich den Auftakt der Hauptsaison im Schlenkerla markiert, bekam der Bamberger Restaurator Harald Spitzner den Auftrag, die Decke der Dominikanerklause und weitere Teile der Ausstattung von 1926 zu reinigen und zu restaurieren.

Inzwischen sind die mit Rankwerk und allerlei Vögeln bemalten Felder zwischen den gemauerten Gewölbebögen gründlich abgewaschen und von ihrem teerigen Belag befreit. Unter der dunklen Schicht kam ein vergoldeter Malgrund zum Vorschein, was Restaurator Spitzner ausgesprochen bemerkenswert findet. Denn so sei in der Gotik gearbeitet worden, also in der Zeit, aus der das Gewölbe stammt. In einer Auftragsarbeit aus dem 20. Jahrhundert hätte Spitzner dieses Verfahren allein aus Kostengründen nicht erwartet. Das ist nach seinen Worten "schon 'was Besonderes" und zeige, dass "auf bürgerlicher Ebene in den 1930er Jahren noch hoch wertvoll gearbeitet wurde".
Matthias Trum traut seinem Urgroßvater Michael Graser zu, dass er sich die Ausmalung der Decke 1926 einiges kosten ließ und dass die Adaption einer Technik, die der Entstehungszeit des Klosters entsprach, kein Zufall ist: "Er war ein großer Kunstliebhaber."

Von seiner Großmutter wiederum weiß der heutige Brauerei-Besitzer, dass das Gewölbe der Kapelle schon spektakulär bemalt gewesen sein muss, als der Raum vor 84 Jahren Teil der Brauerei-Gaststätte wurde. Wie sie aussah, ist nicht bekannt. Alte Ansichten hat Trum im Archiv des Familienunternehmens bislang vergeblich gesucht.
Gefunden haben die Restauratoren und ihr Auftraggeber dagegen bei den Reinigungsarbeiten in der Klause etwas, von dessen Existenz ihnen nichts bekannt war: Die schmiedeeisernen Leuchter sind vier Zünften gewidmet, den Fischern, Bäckern, Metzgern und Brauern. Über die ansprechende Bemalung - Wappen auf der Unterseite und Sinnsprüche auf den Metallreifen - hatte sich im Lauf von Generationen rauchender Gäste ein Einheitsbraun gelegt, so dass die künstlerische Gestaltung der Lampen offenbar in Vergessenheit geraten war. Obwohl es die alten von 1926 sind, werden sie ganz anders aussehen, wenn sie wieder hängen.

Deckenmalerei, Lampen, Möbel, geschmiedete Gitter - die Dominikanerklause spiegelt noch immer den Stil der 1930er Jahre und Trum hat nicht vor, daran etwas zu ändern. "Viele Stammgäste wollen nur in der Klause sitzen", weiß er.

Auch in den übrigen Gasträumen plant der 35-jährige "Bräu", wie in Franken ein Inhaber und Braumeister in Personalunion bezeichnet wird, keine tiefer greifenden Veränderungen. So lange es nach ihm geht, solle ein Besuch im Schlenkerla für den Gast wie eine "Zeitreise" sein.
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