"Halt! Stehen bleiben!" Ein Räuber rennt vorbei, ein Polizist hinterher. Und das mitten in der Bamberger Universität! Was war passiert?

Sabine Freitag, sie ist Professorin für Geschichte, hat die beiden eingeladen. Zusammen haben die drei bei der ersten Kinder-Uni-Vorlesung des Semesters ganz vielen Kindern erzählt, wie das früher mit den Räubern und Wachtmeistern so war.

Früher - das ist einige hundert Jahre her. Da waren die Räuber ganz anders als heutzutage. Meistens waren 20 von ihnen gleichzeitig unterwegs. Richtige Räuberbanden waren das.


Geheime Zeichen
Wenn sie ein Haus ausrauben wollten, haben sie das ganz genau geplant.
Erst wurde es "ausbaldowert" - das ist Räubersprache für "ausspionieren". Die Räuber hatten nämlich eine Geheimsprache und geheime Schriftzeichen entwickelt, die "Zinken". So wusste kein anderer, was sie vorhatten.



Beim "Ausbaldowern", haben sie ein Haus eine Weile heimlich beobachtet, um herauszufinden, ob die Bewohner arm oder reich waren. Also ob es überhaupt etwas zu stehlen gibt.

Waren sie sich ihrer Sache sicher, haben sich alle Räuber einer Bande verabredet. Anders als heutige Einbrecher sind sie dann grölend und lärmend durch die Straßen gezogen. So wollten sie die Dorfbewohner einschüchtern. Damit diese keine Hilfe rufen konnten, haben sie vorher in der Kirche die Seile der Glocken durchgeschnitten und das ganze Gebäude verrammelt. Die Kirchglocken waren nämlich gleichzeitig Alarmglocken.

An ihrem Ziel angekommen, haben sie ganz schnell alle Hausbewohner gefesselt. Frauen und Kinder mussten sich auf den Fußboden legen und wurden mit einem Betttuch zugedeckt. So konnten sie sich nicht merken, wie die Räuber aussehen, um es später der Polizei zu erzählen. Den Hausherren haben die Diebe so lange ausgefragt, bis er ihnen verraten hat, wo Schmuck und Geld versteckt waren.


Die Beute wird geteilt
Ruhig wurden die Räuber erst, wenn sie sich nach dem Überfall zurückgezogen haben. Dann sind sie still und heimlich in die Wälder verschwunden. Dabei sind sie ganz umständliche Wege gelaufen, um ihre Verfolger abzuschütteln. Erst, wenn sie sich sicher gefühlt haben, haben sie angehalten und die Beute untereinander aufgeteilt.

Anders als Räuber Jannis, der mit seiner Beute durch die Räume der Uni flieht, wurden die Räuber damals eher selten gefasst. Denn es gab keine richtige Polizei.


Soldaten wurden Polizisten
Die hat sich in Bayern erst im frühen 19. Jahrhundert entwickelt. Also vor etwa 200 Jahren. Damals hatten die Leute genug davon, immer ausgeraubt zu werden. Also haben sich Soldaten zusammengeschlossen, die dann die Arbeit von Polizisten übernommen haben. "Gendarmerie" hat sich der Polizeitrupp damals genannt. Das ist ein französisches Wort und du kannst es "Schondaarmerie" aussprechen. Es heißt "die Bewaffneten" - und das waren sie auch.



Unser Gendarm, er heißt Andreas, hat aber keine Waffe dabei. Und anders als die Menschen vor 200 Jahren verfolgt er Jannis, den Räuber, auch nicht auf einem Pferd, sondern zu Fuß. Obwohl Jannis eine ganze Truhe voller Gold gestohlen hat!


Der berühmteste Räuber
Früher haben die Räuber und Diebe aber nicht nur Gold und Schmuck mitgenommen. Oft haben sie sich auch ihr Essen zusammengeklaut. Hühner und Eier vom Bauernhof zum Beispiel.

Der berühmteste Räuber aller Zeiten war übrigens der Schinderhannes. Von dem habt ihr bestimmt schon mal gehört. Sein richtiger Name war Johannes Bückler und er hat vor über 220 Jahren ganz viele Verbrechen begangen. Und dabei war er gerade einmal 22 Jahre alt. Räuber wurden generell nicht so alt - das lag an ihrem gefährlichen Leben.

Unser Räuber ist übrigens noch einmal davon gekommen: Zwar hat Andreas, der Gendarm, ihm die Beute wieder abgenommen, aber Jannis konnte fliehen. Bis zum nächsten Mal.

Von Christine Reichenberger