Ein wenig Hektik weckt die Lebensgeister und präpariert uns für die nächste Notsituation. Ohne Stress keine Evolution, so die einhellige Meinung der Endokrinologen, der Mediziner, die sich mit der "Lehre von den Hormonen" befassen. Problematisch wird es, wenn der Stress nicht aufhört: Der Mensch braucht einen Ausgleich - mental und physisch.
Die langsamen Bewegungen des Qigong sind nicht nur ein erprobtes Mittel gegen Muskelverspannungen, sondern auch ideal für Menschen, die tagtäglich am Limit laufen und viele Dinge stets gleichzeitig und in Hochgeschwindigkeit erledigen müssen. Genau das wird ihnen hier ausgetrieben: Die langsame Ausführung aller Übungen setzt voraus, dass sie einen Schritt nach dem anderen erledigen.


Gelenkigkeit und Geschmeidigkeit

Sanfte Bewegungen halten die Gelenke beweglich und Muskeln und Bänder geschmeidig, erklärt die Deutsche Qigong Gesellschaft (www.qigong-gesellschaft.de). Außerdem wirke sich die traditionelle chinesische Bewegungslehre günstig auf Organe und Stoffwechsel aus. Chinesische Forscher haben den Nutzen längst nachgewiesen. Auch ältere Menschen können die Übungen ausführen, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Für Qigong benötigt man keine spezielle Ausrüstung. Außerdem lassen sich die Übungen selbst auf kleinem Raum durchführen. Wichtig ist, dass man sie regelmäßig, gelassen und konzentriert praktiziert - gern auch an der frischen Luft im Garten oder Park. Rund 20 bis 30 Minuten tägliche Praxis werden als sinnvoll empfohlen. Die Kleidung sollte bequem sein. Warme Socken sind zu empfehlen, denn kalte Füße sollen den Energiefluss hemmen. Das Schöne am Qigong: Es kann in jedem Alter praktiziert werden. Kinder haben an spielerischen und sportlichen Varianten Spaß, für ältere Menschen gibt es Übungen, die im Sitzen ausgeführt werden können.


Eine Übung heißt der "Baum"

Viele Übungen sehen zunächst einfach aus, sind aber erstaunlich schwierig nachzumachen. Dazu zählt etwa der "Baum". Diese Übung lässt nicht nur besagte Energie fließen, sie sorgt auch für innere Gelassenheit - ganz nach dem Motto: Nichts kann mich umwerfen. Dazu lege man die Hände eine Handbreit über den Bauchnabel, wo sich nach chinesischem Verständnis der Dantian-Punkt, das Zentrum des Körpers, befindet. Die Füße sind schulterbreit aufgestellt, die Knie leicht gebeugt, der Rücken ist gerade und der Kopf hoch. Nun stelle man sich einen imaginären Krokodilschwanz vor, der die Wirbelsäule stützt und diese sowohl mit dem Nacken als auch mit dem Boden verbindet. So möge man nun mehrere Minuten stehen bleiben, sich immer wieder des Dantian-Punktes bewusst sein - und nach Möglichkeit natürlich nicht umfallen.
In China schaffen die Menschen das locker. Dort wird Qigong schon seit vielen Tausend Jahren praktiziert. Durch langsame, fließende Bewegungen sollen Körper und Geist ins Gleichgewicht gebracht werden. In der westlichen Welt ist diese sanfte Bewegungslehre erst seit einigen Jahrzehnten bekannt.
Der Begriff "Qigong" selbst ist ein zusammengesetztes Wort, das in den 1950er-Jahren entstand. Denn nach dem Verständnis der chinesischen Heilkunde wird die Lebensenergie, "Qi" genannt, nicht nur über die Nahrung und Atmung aufgenommen, sondern auch durch Bewegung. "Gong" wiederum lässt sich mit "Arbeit" übersetzen. Wer Qigong betreibt, leistet also "Energiearbeit". Konkret bedeutet das meist: eine Reihe von Übungen, die Konzentration und Beweglichkeit fördern.