Die Neue Residenz in Bamberg ist ein einzigartiges Gebäude in vielerlei Hinsicht. Im Gegensatz zu den königlichen Residenzen in München, Würzburg oder Aschaffenburg blieb sie von den Bomben des Zweiten Weltkriegs verschont. Zum Beispiel der Kaisersaal, mit Gemälden der deutschen Kaiser an den Wänden, die aus dem frühen 18. Jahrhundert stammen. So gut erhaltene Freskomalereien in dieser Größe und von dieser Qualität sind in Süddeutschland einzigartig. Aber das Dach und die Fassade über diesem kostbaren Saal sind mehr als 300 Jahre alt gewesen und mit der Zeit abgenutzt. Durch das stellenweise undichte Dach ist Wasser und Taubenkot durch die Wände gesickert und hat die Stuckmalereien in einer Ecke des Kaisersaales beschädigt.

Deshalb wurde bis 2016 das Schieferdach saniert. Im Oktober wurde nun Bauabschnitt 2 fertig, bei dem es sich um eine Dach- und Fassadensanierung des älteren Flügels der Residenz handelte sowie einer Restaurierung des Kaisersaals und der fürstbischöflichen Appartements. Laut Angaben des bayerischen Finanzministeriums hat die Instandsetzung der Neuen Residenz insgesamt bis jetzt etwa 13,6 Millionen Euro gekostet, wobei der Großteil der Kosten vom Freistaat getragen wurde.

Die fürstbischöflichen Appartements werden als Prunkräume bezeichnet. Das sind sie allemal. In der Neuen Residenz lebten insgesamt sieben Bamberger Fürstbischöfe, beginnend mit Lothar Franz von Schönborn im Jahr 1697. Ein Porträt von Schönborn, Bauherr der Residenz und bekannter Liebhaber des barocken Baustils, hängt im ersten Raum der fürstbischöflichen Appartements. Je weiter die Besucher in die Appartements vordringen, desto mehr Verzierungen, wertvolle Materialien und Malereien gibt es zu sehen. "Unbedeutende Gäste haben das Audienzzimmer am Ende gar nicht erst zu Gesicht bekommen. Die Fürstbischöfe sind stattdessen in die Empfangsräume gekommen", erklärt Holger Peilnsteiner von der Bayerischen Schlösserverwaltung.

Von alten Fotos inspiriert

Jedes einzelne der fast 400 Objekte in den Appartements wurde restauriert. Dazu kommt, dass rund ein Viertel der Ausstellungsstücke neu in Bamberg sind. Wieder zurückgeholt wurden zum Beispiel die Silbersammlungen der Bamberger Fürstbischöfe und von König Otto von Griechenland, der ab 1862 im Bamberger Exil lebte. Die Bestecke und Teller waren vorher im Depot Nymphenburg bei München. In den Räumen können Elemente aller Einrichtungsstile des 18. und 19. Jahrhunderts bewundert werden. Die Inspiration für die aktuelle Einrichtung kam von Fotografien der Räume, die um 1900 gemacht wurden. "Wir haben die Zimmer größtenteils so eingerichtet, wie auf den Fotos", erklärt Sebastian Karnatz, fachwissenschaftlicher Leiter des Museums Neue Residenz.

"Die Besucher sollen so viel wie möglich hautnah erleben können", erklärt Karnatz. Deshalb können sie im Büroraum der Fürstbischöfe über einen Original Marketerieboden laufen. Die einzelnen handgeschnitzten Holzteile passen perfekt ineinander und ergeben ein Blumenmuster. Edles Porzellan wird von durchsichtigen Acrylkästen geschützt, damit jeder sich die Muster darauf genau anschauen kann.

Warten auf Wiedereröffnung

Neu ist auch die digitale Anzeigetafel vor dem Eingang des Museums. Aktuell wird sie jedoch nicht gebraucht, weil die Neue Residenz, wie alle Museen in Deutschland, im Lockdown keine Besucher empfangen darf. Die Entscheidung kam einen Monat nach der Neueröffnung, es konnten also noch nicht viele Besucher die neugestalteten Appartements besichtigen. Sonst kamen auch in der kalten Jahreszeit vor allem Reisegruppen in die Neue Residenz, jetzt fehlen die Reisebusse, die sonst auf dem Domplatz parken. Sollten die Corona-Regeln wieder gelockert werden, kann man sich über aktuelle Öffnungszeiten auf der Homepage www.residenz-bamberg.de informieren.