Eine Handvoll Gläubiger wartete bereits gegen 8.45 Uhr an der Unteren Brücke auf die Ankunft der Muttergottesprozession. Dabei zeigten sich die Seniorinnen sehr erleichtert, dass das Wetter mitspielte und die Muttergottes von der Oberen Pfarre "ausziehen" konnte. "Wenn es regnet und die Marienfigur nicht ausgehen kann, gibt es Krieg. Und das ist wirklich schon einmal passiert", erzählte man sich in der kleinen Gruppe. Da jedoch gestern die Sonne schien, dürfte es für das Folgejahr ein gutes Omen bedeuten.

Auch musste sich die kleine Gruppe lange gedulden, bis die Prozession den Kranen erreichte. So blieb noch genügend Zeit für einen Sonntagsmorgenplausch, und auch zwei Fahrradtouristen konnten noch aufgeklärt werden. Der Aufforderung der Damen, zu bleiben und sich die traditionelle Marienprozession anzuschauen, wollten die beiden Radler jedoch nicht nachkommen.


Fast zwanzig Minuten nach 9 Uhr erreichte dann das Gnadenbild der Oberen Pfarre, die traditionsgemäß von 16 starken Häckern auf den Schultern getragen wurden, die Untere Brücke. Während sich am Straßenrand (die Prozession zog über die Kapuzinerstraße und den Heumarkt in die Fußgängerzone) kaum Zuschauer befanden, war die Beteiligung an der Prozession selbst sehr groß - laut Polizei mehrere Tausend Gläubige. Zudem wartete eine große Anzahl an gläubigen Menschen vor der Martinskirche, wo sich die beiden Muttergottesfiguren gegenüberstanden: die Freudenreiche der Oberen Pfarre und die Schmerzensreiche von St. Martin.

Die erste Marienprozession fand im Jahr 1700 statt. Allerdings bewegte man sich damals noch im Pfarrsprengel. Erst ab dem Jahr 1702 ging man nach St. Martin.