Hand aufs Herz: Wie viele Pflanzen- und Tierarten können Sie bei einem Spaziergang durch den Bamberger Hain bestimmen? So ganz ohne Hilfsmittel? Wenn Sie - ganz ehrlich - mehr als zehn Pflanzenarten erkennen, sind Sie zumindest über dem Durchschnitt deutscher Schülerinnen und Schüler. Denn die können laut empirischen Studien so um die sechs bis zehn Pflanzenarten bestimmen. Tendenz fallend.

Dass man dem entgegenwirken muss, mag sich jeder Lehrende an einer allgemeinbildenden Schule wie auch Kultuspolitiker und Eltern denken und wünschen. Jorge Groß, Professor für Didaktik der Naturwissenschaften, hat nun ihrem Wunsch entsprochen: In mehrjähriger Forschungsarbeit und Entwicklung hat er mit der Unterstützung und Hilfe von Botanikern und Biologen der Leibniz-Universität Hannover, Software- und Wirtschaftsunternehmen und nicht zuletzt unzähligen Testphasen mit Schülern eine App für Smartphones und
Tablet-PCs entwickelt, um Kindern und Jugendlichen einen zeitgemäßen Zugang zur biologischen Vielfalt zu ermöglichen.

Man nutze die digitalen Medien, um die Zielgruppe dort abzuholen, wo sie sich ohnehin ständig aufhält, erklärt er in seinem Festvortrag. 338 Baum- und Straucharten sind auf der App gespeichert, dazu kommen 170 verschiedene Formen für Muscheln und Schnecken. Eine Internetverbindung braucht die Applikation nicht, vielmehr nähert man sich in sieben einfachen Schritten der Pflanzenbestimmung, von der äußersten Form wie Baum- oder Nadelbaum über die Struktur der Ästelung bis hin zur Blattanordnung und der Blattform.

Kanzler hocherfreut

Eine kinderleichte Form der Pflanzenbestimmung, wie auch die Gäste des Dies Academicus anhand einer beispielhaften Vorführung erleben konnten. Dass seine Entwicklung wichtig und relevant ist, bewies die Laudatio von Gabriela Fürstin Sayn-Wittgenstein-Sayn. Die Botschafterin UN-Dekade Biologische Vielfalt zeichnete Groß' Projekt als "vorbildlichen Einsatz für die biologische Vielfalt und zur Erhaltung der Natur" aus, eine Auszeichnung, die auch Kanzler Godehard Ruppert stolz macht.

Der Leiter der Bamberger Universität zeigte sich ohnehin sehr erfreut über seine Alma Mater. Dass das Projekt von Jorge Groß als einziges in diesem Jahr von der UN-Dekade ausgezeichnet wurde, hob er besonders hervor, weil "wir ja immer betonen, wir seien eine Universität ohne Naturwissenschaften." In der Tat liegt der Fokus auf Geistes- und Sozialwissenschaften, hinzu kommen mittlerweile ein großer Teil Wirtschafts-, Human- und Erziehungswissenschaften. Und so schwang in seinen Worten auch eine große Portion Freude darüber mit, dass er herausragende Habilitationen und Promotionen aus eben diesen Bereichen präsentieren durfte.

Reputation für Standort

Die ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler repräsentieren den hervorragenden akademischen Ausbildungs- und Forschungsstandort Bamberg, eine Reputation, die sich auch in der hohen Anzahl der Studenten wiederfindet. "In der lokalen politischen Szene wird diese nach wie vor hohe Zahl nicht immer nur erfreut zur Kenntnis genommen", griff Ruppert nochmals sein Interview mit dieser Zeitung auf, in dem er deutlich für die Wichtigkeit von Studenten in Bamberg plädierte.

Wer also die Zahlen und Statistiken der Uni kennt und auch ihrer formidablen Jazzcombo lauschen durfte, der weiß: Bamberg kann sich glücklich über diese seine Universität schätzen.

Geehrt wurden: PD Dr. Stephanie Catani (Habilitationspreis der Universität Bamberg), PD Dr. Simon Fink (Habilitationspreis der Sparkasse Bamberg), Dr. Matthias Dütsch (Promotionspreis des Universitätsbundes), Dr. des. Stefan Rehm (Görres Wissenschaftspreis für hervorragende Dissertationen), Dr. Kathrin Anne Reichold (Promotionspreis des Soroptimist International Clubs Bamberg-Kunigunde), Dr. Andreas Flurschütz da Cruz (Otto-Meyer-und-Elisabeth-Roth-Promotionspreis), Md. Abu Shahid Abdullah, M.A. (DAAD-Preis für hervorragende ausländische Studierende), Franziska Lorenz (Fritzi!-Preis für gute Abschlussarbeiten Studierender mit Kind), Steffen Kühnel (Preis für studentisches Engagement).