"Mit scharf geschliffenem Messer, geht alles um so besser..." brüllen Franz Tröger, Mia Pittroff und Christian Ritter als sie als Unholde von Lothar Hinkels Kastration sprechen. Der Text stammt von keinem geringeren als Friedrich Karl Waechter, dessen fantastischen Zeichnungen noch bis zum 21. November in der Villa Dessauer zu sehen sind. Passend dazu gab es am Freitag auch Waechter für die Ohren, vorgetragen von dem oben benannten Trio. "Man muss schon manchmal überlegen, bis man überhaupt versteht was lustig ist. Es sind diese tollen Null-Pointen, die er setzt", so der deutsche Poetry-Slam-Vizemeister Christian Ritter über Waechter.

Pianist Franz Tröger ergänzt: "es sind schon ziemlich absurde Szenen." Da ist schon mal Gott am Telefon, ein Landstreicher führt einen Dialog mit einem Mercedesfahrer oder es gibt Szenen eines Sonntagnachmittags mit Schwiegerelternbesuch, bei dem ein T-Shirt mit der Aufschrift "Scheiße" die Hauptrolle spielt. Absurd darf man das schon nennen - aber gleichsam auch schön und erheiternd, vor allem wenn die Vortragsweise derart gelungen ist wie an vergangen Freitagabend. Als mindestens kongenial sind auch die eigenen Texte der beiden Poetry-Slammer Christian Ritter und Mia Pittroff zu bezeichnen: Aus seinen merkwürdigen Dialogen erzählt Ritter wie er das Drehbuch einer romantischen Kifferkomödie für Sat1 schreiben soll. Oder wie er sich bei streiterischen Erziehungsfragen von einer Mutter als Nazi beschimpfen lassen muss, nur weil er erklärt, dass er Volkskunde studiert hat. Als Ethnologe darf er sie aber auch deshalb über "leichte Nekrophilie-Tendenzen" in Grimms Dornröschen aufklären. Mia Pittroffs Erzählung von den Beziehungsproblemen mit ihrem Laminat sorgte ebenso für erheiterndes Gelächter. Franz Tröger überzeugte nicht nur als Sprecher, sondern auch am Klavier, wo er einige von seinen "99 Zugaben für alle Gelegenheiten" zum Besten gab.

Gesanglich begleitet wurde er dabei von Mia Pittroff mit Texten von F.W. Bernstein und Robert Gernhardt. Es war ein intellektuell ansprechender und unterhaltsamer Abend, der in dieser Form auch in die bohèmischen Kreise eines angesagten Berlins gepasst hätte - professionell, überzeugend und ein bisschen abgedreht. Die Veranstaltung endete mit den Worten: "und der Applaus kommt von Band". In der vollbesetzten Villa Dessauer kam er am vergangen Freitag live von den Zuschauern - und das von ganzem Herzen.