Ebrach
Landesgartenschau

Prachtgärten vor den Gefängnis-Toren

Mit dem Unteren Abteigarten, dem Orangeriegarten und dem Kräutergarten präsentiert sich Ebrach als eine Außenstelle der Landesgartenschau.
Gerhard Weigand blickt von seinem Arbeitszimmer auf den Unteren Garten mit verhülltem Herkulesbrunnen (hinten) und die Pavillons.
+17 Bilder
} } } } } } } } } } } } } } } } }
Wenn Gerhard Weigand aus dem Fenster seines Arbeitszimmers blickt, sieht er in der Ferne ein an Christo erinnerndes Hüllengebilde, etwas näher ein paar Erdhaufen und ansonsten wohlstrukuriertes aber ansonsten mattgrünes bis braunes Flächeneinerlei. Bis zum 20. April soll sich das gewaltig geändert haben. Dann möchte der Leiter der Ebracher Justizvollzugsanstalt einen barocken Prachtgarten sehen. Schließlich ist Ebrach eine der Außenstellen der Bamberger Landesgartenschau und will mit seinen historischen Gärten begeistern.

Unterhalt und Pflege liegen in der Zuständigkeit der Justizvollzugsanstalt. Die hat mit den historischen Gebäuden auch die Verpflichtung für das Gesamtdenkmals übernommen, somit auch für die Gärten.

Das heutige Gefängnis ist in dem 1803 verweltlichten Zisterzienserkloster beheimatet. Nicht zuletzt durch diese Nutzung konnte die Anlage in ihrer historischen Form so erhalten und gepflegt werden, womit sie zum attraktiven Ortsbild beträgt und touristisches Juwel wurde. Eine besondere Attraktion, da öffentlich zugänglich, sind die drei nicht überbauten und noch heute erhaltenen, öffentlich zugänglichen Gärten: der so genannte Untere Abteigarten (den Weigand zusammen mit dem berühmten Herkulesbrunnen von seinem Fenster aus sieht), der obere oder Orangeriegarten und der Kräutergarten. Von April bis Oktober sind diese prunkvollen Gärten geöffnet, die Ebrach den Weg zur Landesgarten-Außenstelle ebneten.

Mehr als 20.000 Quadratmeter

Für Anstaltsleiter Weigand ist es selbstverständlich, Ebrach als Außenstelle der Landesgartenschau nach Kräften zu unterstützen. "Die Gemeinde Ebrach ist hier der Veranstalter", stellt er klar. Um Ebrach heuer bei den Besuchern punkten zu lassen, erhielten unter anderem die Wege der Gärten im vergangenen Jahr einen neuen Unterbau und es wurden neue Rosenstöcke gepflanzt, "damit sie in diesem Jahr besonders prächtig blühen".

Für die Pflege der drei Gärten, die eine Gesamtfläche von weit über 20.000 Quadratmeter haben, ist seitens der JVA Landschaftsgärtnerin Regina Kiesel zuständig. Ihr zur Seite steht immer ein fünfköpfiger Pflegetrupp, der aus Gefangenen besteht. Solchen Gefangenen, deren vollzuglicher Werdegang den Einsatz im Außenbereich erlaubt, verdeutlicht Weigand. Sobald es die Witterung zulässt, wird sich die Landschaftsgärtnerin einen neuen Trupp zusammenstellen, denn die Leute vom letzten Jahr haben die Anstalt verlassen, also ihre Strafe verbüßt.
Im Prinzip bleiben die Gärten auch heuer so, wie man sie kennt. Das müssen sie nach Denkmalschutzvorgaben auch. Zusätzlich stellt die Gemeinde Info- und Hinweisschilder auf und seitens der JVA wird man die Gärten noch intensiver pflegen als bisher, mit zusätzlichem Rasenmähen und dergleichen. Um die Gemeinde zu unterstützen, erklärt Weigand, der das gute Miteinander hervorhebt und weiß: "Geht es der Gemeinde gut, geht es auch uns gut."

Für Weigands Bewerbung um die Leitungsstelle in Ebrach habe übrigens auch das schöne Ggebäudeensemble mit einen Ausschlag gegeben, merkt der Chef der JVA an. Freilich falle in einer denkmalgeschützten Einrichtung für deren Erhalt zusätzliche Arbeit an. Dafür stelle auch das eine ganz tolle Aufgabe für die JVA und ihn persönlich dar. "Weil wir damit einen wesentlichen Beitrag für den Erhalt eines bedeutenden Kulturdenkmals leisten. Als nächstes steht die Sanierung der Pavillons im Unteren Garten an, nach der Landesgartenschau. Den derzeit verhüllten Herkulesbrunnen bekommen die Gäste ebenso zu sehen wie Weigand. Bis dann sind auch die Erdhaufen, Reminiszenz der Kanalbauarbeiten verschwunden. Weigand freut sich schon auf seinen blick aus dem Fenster.
Lesen Sie auch