Bamberg
Prozess

Polnische Autoknacker in Bamberg verurteilt

Die Zweite Strafkammer des Landgerichts Bamberg hat am Donnerstag sechs polnische Autoknacker verurteilt. Alle sind des schweren Bandendiebstahls schuldig. Die verhängten Freiheitsstrafen bewegen sich zwischen 21 Monaten und fünf Jahren und acht Monaten. Das Verfahren gegen den siebten Angeklagten wurde abgetrennt.
Wie am ersten Verhandlungstag (Bild) wurden sechs der sieben  Angeklagten auch am  letzten Prozesstag wieder in Fuß- und   Handschellen aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Nur einer war auf freiem Fuß. Foto: Ronald  Rinklef
Wie am ersten Verhandlungstag (Bild) wurden sechs der sieben Angeklagten auch am letzten Prozesstag wieder in Fuß- und Handschellen aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Nur einer war auf freiem Fuß. Foto: Ronald Rinklef
"Kaum gestohlen, schon in Polen." Mit diesem Satz aus dem Volksmund begann Oberstaatsanwalt Martin Dippold heute sein Plädoyer im Bamberger Landgerichts-Prozess gegen polnische Autoknacker. Die Männer hätten mit ihrer kriminellen Energie alle Landsleute in Misskredit gebracht, die sich von redlicher Arbeit ernähren, sagte er an die Adresse der sechs Männer im Alter von 21 bis 34 Jahren.

Die zeigten sich am fünften und letzten Verhandlungstag zerknirscht und reuig und entschuldigten sich im "letzten Wort", das jedem Angeklagten zusteht, für ihre Diebestouren nach Deutschland. Sie wollten damit etwas Geld machen und kassierten Freiheitsstrafen. Die Zweite Strafkammer sprach die Sechs ausnahmlso wegen schweren Bandendiebstahls schuldig und verhängte Freiheitsstrafen zwischen einem Jahr und neun Monaten sowie fünf Jahren und acht Monaten. Zur Bewährung ausgesetzt wurde die Strafe nur gegen einen Angeklagten.
Er ist der einzige, der in Deutschland lebt und arbeitet.

Audi und VW bevorzugt


Die Bande reiste in der Regel zu viert von Polen nach Deutschland ein, um Autos bestimmter Marken zu stehlen und über die Grenze zu bringen. Dort wurden sie verkauft. Jeweils zwei Männer im Quartett waren als Kurierfahrer dabei, d.h. sie sollten die Personenwagen nach Polen bringen. Zwischen einem und 19 Mal waren die Männer an den Bandendiebstählen beteiligt, die vorwiegend nachts stattfanden. Vor allem auf Audi A3 und A4 sowie Volkswagen Golf und Touran hatten sie es abgesehen.

Oberfranken suchten sie in unterschiedlicher Besetzung und teils mit noch unbekannten Mittätern mehrfach heim. In Forchheim hatte im Juni 2011 die unheimliche Serie begonnen. Später waren sie auch in Litzendorf und Scheßlitz im Landkreis Bamberg und im Raum Bayreuth/Kulmbach tätig. Weitere Tatorte lagen verteilt über das halbe Bundesgebiet.

Rasche Geständnisse


Die Männer waren mehr oder weniger kooperativ und räumten, so sie es nicht gleich nach ihrer Festnahme Ende 2011 getan hatten, in der Hauptverhandlung ihre Beteiligung ein. Eine Reihe von Taten stellte das Gericht nach einer umfangreichen Beweisaufnahme mit zahlreichen Zeugen ein.

Für den siebten Angeklagten, den 32-jährigen K., geht der Prozess am 22. August weiter. Das Verfahren gegen ihn ist nach den Worten des Vorsitzenden Richters Manfred Schmidt "noch nicht entscheidungsreif" und wurde daher abgetrennt. K. machte nach allem, was die Beweisaufnahme ergeben hat, keine gemeinsame Sache mit den anderen sechs, sondern hatte andere Mittäter.

Tatmotiv war nach Ansicht der Richter die missliche wirtschaftliche Lage, in der sich alle Angeklagten befanden. "Aus reiner Lust an der Freude hat man diese Taten sicher nicht gemacht", sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Mildere Strafen, wie von allen Verteidigern beantragt, wären nach seinen Worten das falsche Signal an die Öffentlichkeit und mögliche Nachahmer.
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