Nachdem sich der Stegauracher Gemeinderat im Oktober bei Stimmengleichheit gegen einen Architektenwettbewerb zum Neubau der Bücherei ausgesprochen hat, hat er nun zur Realisierung des Vorzeigeprojekts einen großen Schritt nach vorn gemacht. Für die Planung und architektonische Gestaltung des Gebäudes will die Gemeinde die Dienste der Bauabteilung des Erzbischöflichen Ordinariats in Anspruch nehmen. Dass das Ordinariat auf eine Anfrage der Pfarrei hin angeboten hatte, die Kosten der Planung für das gemeinsam von politischer Gemeinde und katholischer Kirchenstiftung betriebene Bücherei zu übernehmen, war zuvor das Hauptargument der Gegner eines Wettbewerbs gewesen.

Dass die Wettbewerbsfrage den Gemeinderat - bei allem gemeinsamen Willen, ein "Leuchtturm-Projekt" für Stegaurach voranzubringen - tief gespalten hatte, bekam in der jüngsten Sitzung auch Diözesanarchitekt Sandro Selig zu spüren. Dieser sollte sich und seine Ideen für die Bücherei vorstellen. Und die Erwartungen waren nach den vorangegangenen Diskussionen groß, ja fast unerfüllbar. Sollten doch einige, nach einer ersten Ortsbegehung im Juni angefertigte Skizzen und Überlegungen die Zweifel an einer Direktvergabe des Auftrags beseitigen.

Die eigentliche unlösbare Aufgabe, alle zu begeistern oder zumindest zu überzeugen, meisterte Selig dann doch recht gut. Zwar äußerten sich die Befürworter eines Wettbewerbs aus den Reihen von Grünen, Bürgernaher Liste (BNL), SPD und Freier Liste (FL-ÜWG) "nicht überzeugt" von der Präsentation oder "nicht glücklich" mit dem Entwurf. Jedoch machten alle Sprecher klar, dass das beschlossene, voraussichtlich rund eine Million Euro teure Projekt nun endlich gemeinsam vorangebracht werden müsse. "Wie machen wir das Beste aus der Situation?", fragte Thilo Wagner (FL-ÜWG) und brachte es auf den Punkt: "Wir müssen uns zusammenraufen. Sonst geht es nicht weiter." Begeistert von der Vorstellung des Architekten zeigte sich jedoch einzig Wagners Fraktionskollege Matthäus Metzner, der mit seiner Stimme an der Seite der CSU-Fraktion die Wettbewerbspläne zu Fall gebracht hatte.

Zu klären gibt es noch etliche Fragen, wie die Diskussionsbeiträge zeigten. Zum Beispiel, was den geforderten Passivhausstandard betrifft, auf den Axel Nordmann (Grüne) hinwies. Hier will Selig gegebenenfalls einen Fachplaner mit der Technik betrauen. Oder in Fragen der Gewährleistung. Joseph Höpfner (SPD) verweigerte seine Zustimmung zu dem Beschluss, als er erfuhr, das die erzbischöfliche Bauabteilung gar keinen Vertrag mit der Gemeinde als Bauherrn abschließen könne, sondern lediglich im Auftrag des Bistums als Mitbetreiber der Bücherei über den St. Michaelsbund unentgeltlich tätig werden könne.

Auch konkrete Fragen der Gestaltung wurden bereits angesprochen. Etwa auf welcher Seite der barrierefreie Hauptzugang sein soll: zur Schule hin in einem unteren Geschoss oder oben am Hang zum Parkplatz hin. Diese Dinge bis in die Details soll nun ein Arbeitskreis aus acht Gemeinderäten und zwei Vertreterinnen des Büchereiteams mit dem Architekten klären. Erst dann könne er konkrete Entwürfe machen, sagte Selig dem FT auf Nachfrage. "Ich brauche einen Ansprechpartner für den Bauherrn. Vorher passiert nichts."