Kein Durchkommen für Radfahrer und Fußgänger: Der südliche Teil des Wilhelms platzes war am Montag wieder einmal großflächig verrammelt. Doch mit der Eröffnung des Kreisverkehrs durch die Stadt Bamberg, die an diesem Vormittag stattfand, hatte es nur indirekt zu tun, dass kein Verkehr floss.

Mit Absperrband und Flugblättern demonstrierten Anwohner gegen die ihrer Meinung nach widersinnige Kostenbeteiligung von 250 000 Euro am neuen Platz. "Weil dieser Radweg kein Radweg ist und dieser Gehweg kein Gehweg, müssen wir 80 Prozent der Kosten für diese Flächen bezahlen. Das versteht kein Mensch", sagt Peter Enzenberger.

Enzenberger, der in der Friedrichstraße 14 wohnt, wirft der Stadt vor, die Einstufung des Rad- und Gehwegs als so genannte verkehrstechnische Mischfläche aus keinem anderen Grund vorgenommen zu haben als dem, dass die Anlieger mehr zahlen müssen und die Stadt Kosten spart.

Ganz falsch liegen die Anlieger mit ihrer Kritik an teueren Phantom-Wegen rund um den Wilhelmplatz nicht: Tatsächlich handelt es sich bei dem Radweg rechtlich ebenso wenig um einen Radweg wie bei dem Gehweg um einen Gehweg. Beides sind verkehrstechnisch betrachtet Mischflächen, gekennzeichnet mit dem Schild "Spielstraße". Hier dürfen sich neben Radfahrern auch Autofahrer bewegen, allerdings nur mit Schrittgeschwindigkeit.

Doch um Namen und den Verkehr geht es bei diesem Streit nur am Rande. Es sind die finanziellen Folgen dieser Klassifizierung, die den Anliegern die Zornesröte ins Gesicht treiben: Weil Geh- und Radwege keine funktionale Verbesserung gebracht hätten, wären sie nicht umlegungsfähig gewesen, argumentieren die Anwohner. Im Gegensatz dazu seien so genannte Mischflächen vor Gericht unumstritten: Sie bringen eine Verbesserung, also müssen die Anlieger zahlen.

Glaubt man der Stadt, wurde diese Einstufung allerdings nicht getroffen, um Kosten auf Kosten der Anwohner zu sparen. Hier ging es vielmehr darum, sagte Baureferent Michael Ilk, den vielfältigen Anforderungen an die gepflasterten Flächen rund um den Kreisverkehr gerecht zu werden. Gerade die Anwohner hätten dadurch viele Vorteile.

Insgesamt steckte die Stadt 1,2 Millionen Euro in die Neugestaltung des Wilhelmsplatzes - zwölf Mal soviel wie der einfache Rückbau nach der Kanalsanierung 2007 bis 2009 gekostet hätte. Die zweijährige Baupause begründete OB Andreas Starke (SPD) mit den Folgen der Finanzkrise. Sie habe die Kommunen in eine nie gekannte Finanznot gestürzt. Nun bestehe Grund zur Freude: Das Eingangstor der Stadt sei repräsentativ gestaltet, außerdem erhöhe der Kreisverkehr die Verkehrssicherheit: "Vor allem Fußgänger und Radfahrer profitieren."

Die Kritik der Anlieger stößt bei der Stadt auf wachsende Zustimmung. Zwar sieht der OB keine Möglichkeit, die Anlieger grundsätzlich von den Ausbaukosten zu befreien. Spielraum gibt es jedoch bei der Höhe der Beteiligung. Um dies auf eine rechtlich sichere Basis zu stellen, will Starke die strittigen Punkte von unabhängigen Experten klären lassen. Den in der heutigen Sitzung des Bausenats geplanten Tagesordnungspunkt Wilhelmsplatz setzte er ab. Das Angebot, das ursprünglich dort diskutiert werden sollte, sah vor, die Radwege bei der Berechnung der Kostenbeteiligung herauszunehmen. Für die Betroffenen wäre das aber aber nur ein fadenscheiniges Entgegenkommen: "Das macht kaum mehr als 18 000 Euro aus", sagt Peter Enzenberger.