Bamberg
Stadtgeschichte

Pflanzen für die Kirchendecke

Die Zeichnungen in einem historischen Buch waren die Vorlage für die Pflanzengemälde in St. Michael. AbSamstag gibt es auch Vortäge zum Thema "Städtische Gartenkulturen im historischen Wandel".
Professor Werner Taegert, Direktor der Bamberger Staatsbibliothek, präsentiert das Pflanzenbuch von Mathias Lobelius aus dem Jahr 1581, das als Vorlage für die Ausmalung des "Himmelsgartens" in der St. Michael-Kirche diente.   Foto: Marion Krüger-Hundrup
Professor Werner Taegert, Direktor der Bamberger Staatsbibliothek, präsentiert das Pflanzenbuch von Mathias Lobelius aus dem Jahr 1581, das als Vorlage für die Ausmalung des "Himmelsgartens" in der St. Michael-Kirche diente. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Mit weißen Schutzhandschuhen blättert Professor Werner Taegert im "Lobelius", einem Pflanzenbuch aus dem Jahr 1581. Für den Direktor der Bamberger Staatsbibliothek hat dieses kostbare Exemplar nicht nur eine bibliophile Bedeutung: "Der Lobelius diente als unmittelbare Vorlage der Gewölbemalerei in der St. Michaels-Kirche", weiß Taegert.

Sein behandschuhter Zeigefinger tippt auf eine Zeichnung, die einen tulpenähnlichen Seitentrieb der Efeublättrigen Moorglocke zeigt: Botanisch zwar nicht korrekt, aber völlig gleichartig im "Himmelsgarten". Damit sei bewiesen, dass der "Lobelius" als Grundlage für die Ausmalung des Gewölbes diente, so Taegert. Dieses wertvolle Buch aus dem ehemaligen Benediktinerkloster St. Michael gehört zur "reichen botanischen Sammlung in der Staatsbibliothek", wie ihr Direktor mit einem gewissen Stolz sagt.

18 Bände für Fachpublikum

Achtzehn Bände davon werden heute den Teilnehmern der 51. Arbeitstagung des Südwestdeutschen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung präsentiert. Neben Werner Taegert wird Professor Werner Dressendörfer - der Bamberger Experte für historische Botanik schlechthin - die Führung übernehmen. Im Zuge dieser dreitägigen Veranstaltung ist der Ausflug in die Welt der Staatsbibliothek sicher ein besonderes Schmankerl.

Doch auch das weitere Programm hat es in sich: "Es ist sozusagen ein Abschluss des Landesgartenschau-Jahres", meint Stadtarchivar Robert Zink, der gemeinsam mit Mark Häberlein, Professor für Neuere Geschichte an der Uni Bamberg, die Tagung vor Ort organisiert hat.

Darin geht es um "Städtische Gartenkulturen im historischen Wandel". Renommierte Stadthistoriker und prominente Vertreter benachbarter Forschungsfelder zeigen auf, welchen Wandlungen die Gartengestaltung im städtischen Raum unterlag. Ausgangspunkt sei "die reiche Gartenkultur in Bamberg", sagt Professor Häberlein, der Mitglied des Arbeitskreises ist.

Vorträge ab Samstag

Am Samstag um 9 Uhr eröffnet der Vorsitzende des Arbeitskreises, Bernd Roeck, Professor für Neuere Geschichte an der Uni Zürich, das Vortragsprogramm. Es startet mit einem Bamberger Thema: Professor Dressendörfer wird über die "Botanik im Gewölbe. Der Himmelsgarten von St. Michael zu Bamberg" referieren.

Mit lokalen Rednern geht es weiter: Privatdozentin Michaela Schmölz-Häberlein spricht um 10.15 Uhr über "Außereuropäische Pflanzen in realen und imaginären Gärten der frühen Neuzeit", Jochen Hofmann um 11.30 Uhr über "Frühneuzeitliche Gartenkulturen als Motor des Strukturwandels der Agrarlandschaft" und um 12.15 Uhr der Coburger Hubertus Habel über "Gemüsesamen für Europa: Zunftgenese und Verdichtung des Bamberger Gärtnerhandwerks 1600-1900". Einen für Bamberg topaktuellen Vortrag liefert am Sonntag um 12 Uhr die Münchnerin Dagmar Voß zum Thema "Gartenschauen - Volksgärten der Neuzeit". "Wir hoffen, etwas Neues zu hören", freuen sich Robert Zink und Mark Häberlein auf die Tagung. Denn schließlich seien die Referenten danach ausgewählt worden, welche neuesten Forschungsergebnisse zur Stadtgeschichte sie vorlegen können.

Ausdrücklich weisen die Organisatoren darauf hin, dass zu den Vorträgen "Gäste willkommen sind". Die Tagung "Städtische Gartenkulturen im historischen Wandel" findet in der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, An der Universität 2, Hörsaal 1 (=Raum 025) statt. Für Gäste sind Anmeldung und Tagungsgebühr nicht erforderlich.
Das ausführliche Programm finden Sie zum Download unter www.stadtgeschichtsforschung.de/tagungen.htm. Anlässlich der Tagung hat das Stadtarchiv Bamberg, Untere Sandstraße 30a, am Samstag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Dort ist die Ausstellung zu sehen "Für Klöster, Adel und Bürger. Parks und Gärten in Bamberg".