Wie es halt bei Theaterleuten so ist: Mit einem lachenden Auge und einem weinenden stellen sie eine Situation dar, die das Leben spielt. Und das Publikum kann sich diesmal nicht aufs Applaudieren beschränken, es ist gefordert, selbst aktiv zu werden - ein paar der Fans des heiteren Laienspiels wenigstens. Worum geht's? Die Theatergruppe des Sportvereins Pettstadt blickt auf 40-jähriges Bestehen zurück, was durchweg ein Grund zur Freude ist. Aber gleichzeitig bangt die Laienspielschar um ihre Zukunft, denn momentan reicht das auf zwei Frauen und zwei Männer geschrumpfte Ensemble nur noch zur Besetzung von halbstündigen Krippenspielen. Junge Kräfte sind daher herzlich willkommen.

Bei der 90-Jahr-Feier des Sportvereins Pettstadt am 6./7. Juli dieses Jahres kann das Theaterteam auf vier Jahrzehnte erfolgreichen Lustspiels zurückblicken. Josef Kraus hatte 1978 die Initiative ergriffen und eine Tradition der 1950er Jahre wieder aufleben lassen. Unter der finanziellen Trägerschaft des Sportvereins studierte Kraus mit einer Schar Gleichgesinnter erste abendfüllende Theaterstücke ein. Die Bühne wurde von freiwilligen Helfern aus der Sportlerfamilie gestaltet, so dass im Saal der Gastwirtschaft Göller erstmals 1978 wieder der Vorhang geöffnet werden konnte: "Mit Küchenbenutzung" hieß das Premierenstück. Die Pettstadter Theatergruppe gewann rasch zahlreiche Anhänger, die gerne die Aufführungen von inzwischen 40 verschiedenen Lustspielen verfolgten. Mal ging es um "Risiken und Nebenwirkungen", dann wurde es heiß beim Stück "Wenn alte Scheunen brennen" und es kam schon auch mal Lokalkolorit dazu, etwa beim Schwank "Schwarzer Ochs vom Wallersprung", dem Lieblingsrevier des örtlichen Anglervereins. Aus je vier Frauen und Männern bestand all die Zeit die Kernmannschaft, je nach Bedarf kamen einzelne Darsteller hinzu. Klothilde Waber führt seit 30 Jahren Regie und die Abteilungsleiterin Melanie Schmaus liest sich alljährlich durch das Angebot der Lustspiel-Autoren: "Ich find' immer wos, wos zu uns passt!"

Seit 1991 tritt die Theatergruppe im extra fürs Laienspiel ausgestalteten Vereinsheim des SV Pettstadt auf und zwar mit einem strammen Spielplan: jeweils nach dem Fasching, an bis zu sechs Wochenenden mit drei - allesamt ausverkauften - Vorstellungen zu eineinhalb bis zwei Stunden Dauer. Die Generalprobe gleich nach dem Aschermittwoch ist jeweils eine gerne besuchte Gratisvorstellung für die Lebenshilfe, das örtliche Kinderheim und sonstige Bedürftige.

Hervorzuheben ist, dass die Darsteller und die guten Geister hinter der Bühne vollständig ohne Gage mitwirken: Das eingespielte Geld - auch bei Eintrittspreisen unter zehn Euro kommt da ein hübsches Sümmchen zusammen - wird stets der Jugendarbeit des Sportvereins zur Verfügung gestellt und trug erheblich zur Finanzierung des Vereinsheims bei. Der Erlös kommt also den jungen Fußballern, Tennis- und Tischtennisspielern sowie den Basketballern zugute. Und die Jugendarbeit des SV Pettstadt kann sich sehen lassen, kein Wunder bei solcher Unterstützung! Die Theatergruppe unternimmt allerdings auf Gemeinschaftskosten alljährlich einen schönen Mehrtagesausflug, zum Beispiel nach Südtirol und erfreut sich dabei einiger Sponsoren wie der Firma Omnibus Metzner oder der Brauerei Rittmayer.

Stellvertretend für die Theatergruppe richten Melanie Schmaus und Jürgen Ernst, 2. Vorsitzender des SV und Ensemblemitglied, den Aufruf an Frauen und Männer aus Pettstadt und drumherum, sich ihrer Laienspielschar anzuschließen. Gebraucht werden Große und Kleine, Dicke oder Dünne, mit Dialekt oder ohne. Das jeweilige Programm wird dem Bestand an Schauspielern angepasst. Und was wird geboten? Melanie Schmaus verschweigt nicht, dass das Einstudieren und die Aufführungen an künftig nur noch vier Wochenenden ein erhebliches Opfer an Zeit erfordern. Aber dafür gebe es jede Menge Spaß auf der Bühne und hinter den Kulissen sowie für jeden einen Zugewinn an Persönlichkeit, Stärkung des Selbstvertrauens und der Lebensfreude. Wer das auskosten möchte, möge sich unter 0176/96731270 an Melanie Schmaus oder per E-Mail an theater@sv-pettstadt.de wenden.Werner Baier