Der Unterschied zwischen Jeans und Politik? Bei den Jeans ist es gut, wenn die Nieten an den entscheidenden Stellen sitzen. Sagt zumindest Peter Kraus, und der ist nicht nur älter als dieser Witz, sondern hat das Kleidungsstück gar zum Motto seiner Revue "Für immer in Jeans" erhoben.

Unfassbar, dass dieser Mann in zwei Wochen 73 Jahre alt wird. Er singt, tanzt und schauspielert in zwei Blöcken von jeweils eineinviertel Stunden so voller Lebenslust und Energie, dass jeder, der ein paar Jahrzehnte jünger ist, fassungslos zuschaut. Dabei wirkt der ewige Schlacks wie eine Vitaminspritze auf sein Publikum, das mitwippt, mitklatscht und bei den Zugaben nach vorne an die Bühne stürmt, als wären es noch die Teenager und Halbstarken von vor 50 Jahren.

"Das ist unsere Musik", sagt Ingrid und erinnert sich an wilde Teenagerpartys ihrer Jugend, bei denen der Kerl am meisten punktete, der die Mädels beim Rock 'n' Roll in die Luft wirbelte und durch die Beine zog. Peter Kraus tut seinem Publikum den Gefallen und macht noch einmal den Tiger - freilich mit einer sympathischen Portion Selbstironie. Er zeigt in einem Sketch, dass er die Sprache der heutigen Jugend durchaus drauf hat. Und macht sich lustig, dass man ihn einst als Heulboje und Schluckauf-Sänger bezeichnete, während er heute den Kukidentler gibt.


Der Star von Nebenan



Schon der Beginn der Revue ist bezeichnend: Die kleine Tanzgruppe (die jedem Musical zur Ehre gereichen würde) nimmt Aufstellung auf der Showtreppe und kündigt mit großer Geste den Star an. Und Peter? Der kommt ganz unkompliziert durch den Seiteneingang hereingeschlichen. Das ist es, was das Publikum spürt. Peter Kraus - das ist der Kumpel, mit dem man auch in die Kneipe gehen könnte. "Er hat sich musikalisch immer weiter entwickelt und ist doch sowas von natürlich geblieben", bestätigt Uschi Bühle, die eigens aus Karlsruhe nach Bamberg gereist ist, wo sie mit 70 Gleichgesinnten aus dem Fanclub ihr erstes Konzert dieser Tour erlebt. Am Ende wird sie insgesamt neun Auftritte ihres Idols live verfolgt haben. Wie viele Shows es insgesamt schon waren? "Ich hab' nicht mitgezählt", sagt sie lachend.

So zeitlos wie Peter Kraus selbst ist auch seine Musik. "Tutti frutti" (sein erster Hit 1957) und "Jailhouse Rock", "I'm Walking", "Kitty Cat" und natürlich "Sugar Baby" - nichts wird ausgelassen. Sohn Mike gibt in einem eigenen Showblock den jungen Peter mit den alten Songs. Noch schöner ist es, wenn er mit dem Papa im Duett singt: "Manchmal".

Ein weiterer Gast auf dieser Tournee ist Andy Lee Lang (46), ein wilder Hund aus Wien, der das Klavier in allen Stellungen bearbeitet. Am Höhepunkt des Konzerts holt Peter Kraus seine Band nach vorne und spielt - unplugged - seine größten Hits: "Hula Baby", "Mit 17", "Diana" und "Va bene". Mit diesen Liedern auf den Lippen gehen die 1000 Konzertbesucher am Ende beschwingt nach Hause. Durch Peter Kraus und seine Musik sind sie für ein paar Stunden wieder jung geworden.