Das Angebot ist für Strullendorf mehr als verlockend: Nicht nur ein neuer Discounter, sondern ein Vollsortimenter, ein Tagescafé und weitere Dienstleister auf dem alten Festplatzgelände. Dazu wahlweise eine Wohnbebauung - eventuell als Seniorenwohnanlage mit Betreuungsmöglichkeit - oder ein Hotel. Von Bamberg kommend am Ortseingang an der Bamberger Straße würde das das städtebauliche Entwicklungskonzept der Gemeinde ideal ergänzen und abrunden. Seit gut einem Jahr ist das Thema in Strullendorf aktuell. Nun sollte der Gemeinderat eine Entscheidung treffen.

Gleich zwei regionale Investoren stellten ihre Pläne vor. Zum einen Arndt Zauritz mit den Edeka-Märkten Stadter (Bamberg, Hirschaid, Zapfendorf) und den Architekten Bornhofen im Hintergrund. Zum anderen Werner Massak, selbstständiger Edeka-Einzelhändler mit Märkten in Memmelsdorf, Litzendorf und Bamberg und dem Architekten Ulrich Manz als Planer.


Seniorenwohnungen oder Hotel

Zunächst stellte Massak sein Ladenkonzept vor: ein "Generationenmarkt" mit einem Sortiment von 20 000 bis 25 000 Artikeln, barrierefrei von den extra großen Preisetiketten bis hin zum Abholservice - Kunden werden auf Anruf zuhause mit einem Elektro- oder Hybridauto abgeholt - als i-Tüpfelchen. Das Dach des Marktes wolle er begrünen oder für eine Photovoltaikanlage kostenlos der Gemeinde oder für ein Bürgermodell zur Verfügung stellen.

Massak betonte, dass er in erster Linie Einzelhandelskaufmann sei und den Städteplaner ins Boot geholt habe, weil es Vorgabe der Gemeinde gewesen sei, das gesamte Festplatzareal planerisch zu gestalten. Deshalb schlage er auch zwei Abschnitte vor. Zunächst solle der Markt gebaut, dann die Restfläche entwickelt werden.
Für diese stellte Architekt Manz verschiedene Varianten vor. Die Gestaltung orientiere sich an der benachbarten Lindenallee. Zwei oder drei Gebäude könnten im Erdgeschoss gewerblich genutzt werden, dazu Wohnungen oder Dienstleister in den oberen Etagen beziehungsweise ein Hotel, das in Strullendorf schon länger gewünscht wird.

Auch Zauritz betonte, den Vollsortimenter selbst betreiben zu wollen. Das von Massak vorgestellte Ladenkonzept sei bei Edeka ohnehin Standard. Für das von den Architekten geplante seniorengerechte Wohnen in zwei Gebäuden mit Erdgeschoss, zwei Obergeschossen und einem Penthouse-artigen Dachgeschoss habe er bereits Apotheke, Arztpraxis und Bäcker als an der Hand.

Auf die Frage von Gemeinderat Christian Beickert (SPD) Ob Wohnbebauung in unmittelbarer Nähe eines Supermarktes überhaupt sinnvoll sei, führte Architekt Elmar Bornhofen aus, dass gerade für Senioren diese Infrastruktur wichtig sei. Es bestehe der Wunsch nach Einkaufsmöglichkeiten ohne lange Wege. "Senioren wollen nicht an den Waldrand", meinte Bornhofen. Georg Dresel (CSU) begrüßte dagegen ein Wohnungsangebot, befürchtete jedoch beim betreuten Wohnen eine Konkurrenz zum örtlichen Anbieter. Kritik wurde aber vor allem an der Höhe der Gebäude laut.

Ablehnung bei Stimmengleichheit

Andreas Kehl (Neue Liste) befand schließlich beide Konzepte für gut. Auch Dresel sprach schließlich von "zwei fast gleichwertigen Investoren" und forderte eine Entscheidung.Bei der Abstimmung fanden dann die beiden Konzepte dann jeweils neun Befürworter und neun Gegner. Weil nach der Gemeindeordnung ein Antrag eine Mehrheit finden muss und bei Stimmengleichheit als abgelehnt gilt, erteilte das Gremium damit beiden Bewerbern eine Absage.

Um für den Festplatz die gewünschte Lösung zu finden - also einen Vollversorger anzusiedeln und eine städtebaulich "gute Visitenkarte am nördlichen Ortseingang" zu schaffen, wie es Stadtplanerin Edith Obrusnik formulierte - müssen sich die Strullendorfer also etwas einfallen lassen. "Der Bürgermeister und die Verwaltung sind nun gefordert, einen Plan B zu entwickeln", sagte Bürgermeister Andreas Schwarz (SPD). Und er lässt durchblicken dass es durchaus Möglichkeiten gibt, den Knoten der Pattsituation zu durchschlagen.