Ursel Baur staunte nicht schlecht, als sie kürzlich ihren Anrufbeantworter abhörte und sie von einer Bekannten mit nicht gerade charmanten Worten aufgefordert wurde, sie solle es gefälligst unterlassen, weiter Bettelbriefe zu verschicken. "Ich war ziemlich perplex, da ich gar nicht wusste, was die Anruferin von mir wollte. Schließich hatte ich keinen derartigen Brief an sie geschrieben", erinnert sie sich.

Doch es sollte noch dicker kommen. Einige Zeit später erhielt sie einen Anruf von einem Verwandten, der sich erkundigte, ob denn die Geschichte von der gestohlenen Handtasche wahr wäre und ob sie wirklich Geld benötigte, um von Schottland heimzukommen. Die gleiche Frage bekam sie auch von der Gemeinde Gundelsheim gestellt, wo sie seit vielen Jahren die Außenstelle der VHS leitet. "Ich bin nun der Sache auf den Grund gegangen und wollte die angeblich von mir verfasste Bettel-E-Mail sehen", schildert die Gundelsheimerin. Daher bat sie, dass man ihr die besagte E-Mail zuschicken möge.

Doch als Ursel Baur sich dann bei Yahoo einloggte und die besagte Mail lesen wollte, bekam sie den nächsten Schreck. "Mein sehr umfangreiches, mit rund 200 Kontaktdaten versehenes, Adressbuch war weg. Ebenso war mein gesamtes Postfach komplett leer." Ihr schwante Schreckliches. Und als sie die Bettelmail von einem Bekannten ausgedruckt schwarz auf weiß vor sich liegen sag, war klar: Ihr Postfach wurde gehackt. Dabei haben die Hacker nicht nur sämtliche Adressen, Briefe und Fotos geräubert, sondern die Frechheit besessen, an alle Kontaktdaten von Ursel Bauer eine E-Mail zu schreiben, in der sie - mit vielen Rechtschreibfehlern - schilderten, dass sie in Schottland ihre Handtasche mit Reisepass und all ihrem Geld verloren hätte. Um wieder ausreisen zu können, solle man ihr doch Geld schicken oder zumindest eine bestimmte Telefonnummer eines Hotels anrufen, um mit ihr Kontakt aufzunehmen. "Das Hotel gibt es natürlich nicht. Und wer bei der Telefonnummer anrief, wurde kräftig zu Kasse gebeten", erläutert die 67-jährige Gundelsheimerin.

Anzeige gegen Unbekannt


Nachdem Ursel Baur den ersten Schock überwunden hatte, informierte sie umgehend die Polizei und erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Allerdings wurde ihr dort wenig Hoffnung gemacht, dass man den oder die Täter ergreifen werde. "Ich bin eigentlich sehr vorsichtig gewesen, habe meine Daten nie preisgeben, meinen Virenschutz stets aktualisiert und keine dubiosen Seiten angeklickt", so Baur weiter. Einzig gesteht sie, dass ihr Passwort zu wohl etwas zu einfach gewesen sei. "Es war leider nur ein Wort ohne Zahlenkombination. Doch es war so selten, dass ich mir sicher war, dass darauf keiner kommen wird."

Wie genau die Täter an das Passwort kamen, kann sich Ursel Baur nicht erklären. Vor allem, da jegliche Versuche mit dem Anbieter Yahoo Kontakt aufzunehmen gescheitert sind. "Wir fanden weder eine Telefonnummer, noch einen E-Mail- Kontakt, geschweige denn einen Ansprechpartner", berichtet sie. Dennoch riet man ihr bei der Polizei, dass es nicht unbedingt notwendig sei den Anbieter zu wechseln. Viel mehr müsse sie sich ein komplizierteres Passwort zulegen und dieses öfters im Jahr wechseln. Gleichzeitig müsse sie den Rechner prüfen, ob sich nicht doch ein Trojaner oder dergleichen eingeschlichen habe. "Ich habe den Rechner vorerst nicht angerührt. Demnächst kommt ein Experte und untersucht ihn auf Schwachstellen und zudem lege ich mir ein sicheres Passwort zu", betonte die Gundelsheimerin.