Schlicht und einfach "Golgatha" nennt Wilfried Kuntke seine Passionskrippe. Etwa drei Wochen lang hat das Vorstandsmitglied des Vereins "Bamberger Krippenfreunde" an der Kulisse gearbeitet: den Hügel modelliert, auf dem die drei Kreuze stehen, Mauern gezogen, die Landschaft gemalt und alles mit einer orientalischen Anmutung versehen. Schließlich hat er seine Krippe selbst in der Maternkapelle aufgebaut und die Figuren aus Kunstharz sorgfältig arrangiert.

Der 71-jährige pensionierte Postbeamte steckt viel Herzblut in sein Steckenpferd: "Ich baue schon seit über 30 Jahren Krippen", erzählt er, toleriert von seiner Ehefrau, die ein "kritisches Auge auf meine Produktion wirft", ergänzt Kuntke lachend.

Spirituelle Reise

"Golgatha" ist eine von 40 Passionskrippen, die ab Samstag zu sehen sind. Sie laden zu einer spirituellen Reise durch die Leidensgeschichte Jesu ein.
Auch für weniger Bibelfeste oder sogar Kirchenferne ist diese Tour berührend: Während draußen vor der Maternkapelle das laute Leben tobt, herrscht drinnen Ruhe, Grabesruhe. "Stille Krippen" heißen die Passionskrippen auch, wie Wilfried Kuntke weiß. Wer sich auf die Schau der einzelnen Szenen einlässt, fühlt sich gedrängt, im Neuen Testament nachzulesen: Kann es so gewesen sein? Der Einzug in Jerusalem, das Letzte Abendmahl, der Judaskuss, der Fall Jesu unter dem schweren Kreuz? Und die Auferstehung? Hat es die tatsächlich gegeben?

Zumindest einige dieser Krippen zeugen davon. Da begegnet der tot geglaubte Jesus der Maria Magdalena. Dort liegen nur noch weiße Tücher im leeren Grab. Und hier sprechen die Emmausjünger mit dem Auferstandenen. Eine Ausstellung als Anfrage an den Glauben also: "Natürlich ist die auch eine religiöse Sache", erklärt Kuntke. Als Krippenbauer reduziert er seine Arbeit nicht auf eine Puppenstube: "Ich bin gläubig", bekennt er. Und Passionskrippen mit ihren über 30 verschiedenen Darstellungsmöglichkeiten seien eine viel größere Herausforderung als Weihnachtskrippen, die mit vier, fünf Szenen auskommen.

Gleichwohl gehören Passionskrippen eher zu den Raritäten. Lange Zeit waren sie auf den Kirchenraum vorwiegend in Süddeutschland beschränkt. Nur wenige Exemplare fanden in Privathäusern Zugang. In den Kriegswirren des 20. Jahrhunderts gerieten die Passionskrippen nahezu in Vergessenheit. Erst die Bamberger Krippen freunde ließen in den 1990er Jahren die Tradition mit Ausstellungen wieder aufleben.

Verschiedene Materialien

Die jetzige Präsentation bietet qualitätvolle Exponate aus verschiedenen Materialien. Zu den Besonderheiten gehören die wertvollen Holzfiguren (um 1920) des einzigen Bamberger Herrgottschnitzers Franz Bauer, die durch einen glücklichen Zufall in der Oberen Pfarre wiedergefunden wurden.

Auch Arbeiten von Walter Hamatscheck, einstiger Hausmeister im Priesterseminar, sind vertreten: "Er war der vollkommenste Krippenbauer, weil er Schnitzer und Kulissenmaler war", sagt Kuntke und führt zu einer Krippe, die er als "Highlight" der Ausstellung bezeichnet: "Jesus fällt unter dem Kreuz" von Thomas Huber aus Regensburg. Eine geradezu realistisch anmutende Szene mit Jesus im blutigen Gewand, der verkrümmt am Boden liegt. "Das Thema Passion packt", erschauert Wilfried Kuntke leise. Und macht sich daran, die einzelnen Krippen in den Schaukästen noch einmal in Augenschein zu nehmen. Er rückt Figuren gerade, hängt die Glasscheiben ein. Die gläubigen und noch nicht gläubigen Besucher können kommen.

Öffnungszeiten Die Passionskrippenausstellung in der Maternkapelle (Domgrund) ist bis zum 8. April täglich von 13 bis 17 Uhr zu sehen, am Karfreitag ist von 8 bis 17 Uhr geöffnet. Zu sehen sind 40 Exponate. Der Eintritt ist frei.